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Keine Ideen für leere Plätze

Keine Ideen für leere Plätze

Die Prümer machen es vor: ein Platz, eine feste Bühne, eine seit 20 Jahren stattfindende Veranstaltungsreihe. Ist der "Prümer Sommer" ein Vorbild für Daun? Der Laurentiusplatz und der Burgberg werden im Moment für Veranstaltungen nur selten genutzt.

Daun. Für eine halbe Million Euro ist der Laurentiusplatz in Daun vor fünf Jahren modernisiert worden. Statt eines Parkareals gibt es vor dem Hallenbad nun einen halbrunden Platz mit Holzbänken auf drei Ebenen. Die Hoffnung, dass durch die Umgestaltung mehr Leben auf den Platz kommt, hat sich indes nicht erfüllt: "Seitdem ist auf dem Platz nicht viel passiert", gibt auch der Dauner Stadtbürgermeister Wolfgang Jenssen (SPD) zu.
Panorama-Blick über die Stadt


Ähnliches gilt für den Burgberg. Der Platz liegt wie auf einer Aussichtsplatzform hinter der evangelischen Kirche und dem Hotel Kurfürstliches Amtshaus. Er bietet einen Rundum-Blick über Daun, wird derzeit aber eher als Parkplatz von Besuchern des Hotels genutzt. 2011 war er zum ersten Mal Schauplatz für die Veranstaltung "Klassik auf dem Vulkan", in diesem Jahr führte die TheaterKompagnieStuttgart Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" auf dem Burgberg auf. Wie soll es also mit den beiden Plätzen weitergehen?
Lärmschutz großes Thema


"Wegen des bereits bestehenden umfrangreichen kulturellen Angebots in der Kernstadt wie auch in den Stadtteilen wird keine Notwendigkeit gesehen, das Angebot auf dem Laurentiusplatz auszubauen", sagt Thomas Räthlein, Leiter der Tourist-Information Daun. Im Sommer fänden bei guter Witterung die Abendkonzerte der Musikvereine Daun und Waldkönigen auf dem Platz statt. Außerdem erwähnt er die Kirmes und den französischen Markt im Rahmen des verkaufsoffenen Sonntags im Oktober. Man müsse auch berücksichtigen, dass im Innenstadtbereich Lärmschutz ein großes Thema sei.
Dies ist indes in Prüm kein Argument: "In den vergangenen Jahren gab es mit den Anwohnern keine Probleme", sagt Manfred Schuler, der bei der Verbandsgemeinde (VG) Prüm für die Organisation des Prümer Sommers zuständig ist. Dort treten auf einem Platz vor dem Verwaltungsgebäude, mittlerweile als "Prümer-Sommer-Platz" bekannt, seit 20 Jahren jeden Sommer an acht Abenden Musikgruppe auf (siehe Extra). Man stehe jedes Jahr intensiv mit den Anwohnern in Kontakt.
Hohe Kosten befürchtet


In Daun, erzählt Stadtbürgermeister Jenssen, scheitere eine weitere Belebung des Platzes auch an den Kosten. "Wir müssen an allen Ecken und Enden sparen, deshalb haben wir da keinen großen Spielraum", sagt er. In Prüm stellt sich die Kostenfrage mittlerweile nicht mehr: "Die Haushaltsstelle zum Prümer Sommer ist kostenneutral", sagt Manfred Schuler. Das heißt: Die VG gibt für die Veranstaltung kein Geld aus.
Die Hälfte der Kosten wird über die Verpachtung von Flächen an Gastronomen gedeckt, die andere über Sponsoren. Schuler sagt aber auch: "Der Prümer Sommer ist eine gewachsene Veranstaltung. Wir haben ganz klein angefangen. So etwas kann man nicht von heute auf morgen auf die Beine stellen".
Sowohl auf dem Laurentiusplatz als auch auf dem Burgberg sind derzeit keine neuen Veranstaltungen geplant. "Aufgrund der aufwendigen Logistik besteht die tendenzielle Haltung, eher keine weiteren Veranstaltungen auf dem Burgberg durchzuführen", sagt Thomas Räthlein.
Jenssen sieht in der Logistik keine Schwierigkeiten. "Bei den bisherigen Veranstaltungen dort gab es keine größeren Probleme. Die Leute haben in der Stadt geparkt und sind zu Fuß hochgegangen", sagt er. Er würde sich wünschen, dass das Areal zukünftig häufiger für Musikveranstaltungen genutzt würde. "Denn die Atmosphäre dort oben ist einfach toll."
Ihre Meinung ist gefragt: Reicht Ihnen das bestehende Angebot auf dem Laurentiusplatz und dem Platz auf dem Burgberg aus oder sollte es erweitert werden? Schicken Sie uns Ihre Ideen an eifel-echo@volksfreund.de (Name und Wohnort nicht vergessen)

Meinung

Hände aus dem Schoß nehmen
Eine halbe Million Euro für einen neuen Platz im Zentrum einer Stadt auszugeben, ist zwar viel Geld. Wenn er sich dadurch zu einem Magnet und Treffpunkt für Jung und Alt entwickelt, ist das gut angelegtes Geld. Beim Laurentiusplatz in Daun ist das auch fünf Jahre nach dem Generalumbau nicht der Fall - obwohl es so angekündigt war. Außer bei der Kirmes (die dort ohnehin gefeiert wird), der Rallye und dem verkaufsoffenen Sonntag wird der Platz nur für ein paar Freiluftkonzerte des Musikvereins genutzt. Ein Blueskonzert vor etlichen Jahren blieb die rühmliche Ausnahme, dem generalsanierten Areal Leben einzuhauchen. Konkrete Anstrengungen, das zu ändern, haben die Dauner Touristiker und Stadtpolitiker bislang nicht unternommen. Alle Begründungen (kein Geld, zu laut, kein Bedarf) sind fadenscheinig. Die Verantwortlichen sollten endlich die Hände aus dem Schoß nehmen, um dies zu ändern. Denn zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeld gehört dazu, nicht nur tolle Ideen für die Neugestaltung eines Platzes zu haben, sondern auch an den Sinn des Vorhabens - sprich die Folgenutzung - zu denken. Eine reine Schönheitskur für den Platz wäre deutlich billiger drin gewesen. m.huebner@vollksfreund.de