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Kelberg entwickelt weiter die unbebauten Flächen

Stadtentwicklung : Ohne stichhaltiges Konzept kein Verkauf

Wer von der Ortsgemeinde Kelberg eines der beiden bebauten Grundstücke im Ortsteil Köttelbach erwerben wollte, musste auch ein Konzept für die Nutzung vorlegen. Nun ist beides am Laufen: Ein Brüderpaar realisiert ein großes Wohn- und Geschäftshaus, ein Ehepaar ein alternatives Bau- und Wohnprojekt.

Wer fleißige Handwerker sehen will, ist zurzeit am Ortseingang von Köttelbach genau richtig. Denn wo bis vor ein paar Monaten ein aus dem Jahr 1938 stammendes Bauerngehöft das Bild mehr schlecht als recht prägte – mit Chaos auf dem Gelände und Baufälligkeit am Gebäude, steht nun ein imposanter Um- und Neubau. Nach dem Tod des früheren Eigentümers hatte die Ortsgemeinde 2018 das Anwesen gekauft. Und (wie auch im weiter unten beschriebenen zweiten Fall) den Verkauf an die Bedingung geknüpft, dass ein Konzept über die zukünftige Nutzung eingereicht werden müsse und der Zuschlag davon abhängig gemacht werde.

Exakt zu diesem Zeitpunkt wollten sich Manuel (32) und Lukas (27) Theisen, Brüder und Dachdeckermeister und Köttelbacher Jungen, selbstständig machen und waren auf der Suche nach einem Betrieb, den sie übernehmen oder nach einem Grundstück, auf dem sie bauen könnten. Etwa zeitgleich mit der Firmengründung am 1. April 2019 reichten sie ihr Konzept für das Objekt „Zum Hochkelberg 1“ ein.

„Wir waren gleich Feuer und Flamme, besonders, weil eine Betriebsgründung in unserem Heimatdorf unsere erste Wahl war“, erzählen sie unserer Zeitung. Sie kauften den Komplex, räumten ein halbes Jahr lang in jeder freien Minute, unterstützt von Familie und Freunden, das Gelände auf und das Gebäude aus. Im Januar dieses Jahres erbauten sie im rückwärtigen Bereich des 2000 Quadratmeter großen Grundstücks eine Lager- und Maschinenhalle.

Von dem ursprünglichen Plan, das Wohnhaus mit Stall und Scheune komplett zu erhalten und es lediglich um- und anzubauen, mussten sie sich allerdings verabschieden. Besonders die ehemals landwirtschaftlich genutzten Gebäudeteile erwiesen sich als zu marode. An deren Stelle entstand stattdessen in Holzbauständerweise mit einer Gesamtfläche von 300 Quadratmetern der Firmentrakt mit Büro, Werkstatt und Magazin.

Über die gleiche Fläche verfügt auch das im rechten Winkel stehende Wohnhaus; vom Altbau waren nur die Außenwände erhaltenswert. Und auch hier gab es eine Planänderung. Sollten dort zunächst Mietwohnungen entstehen, so entdeckte das Bildungs- und Pflegeheim für behinderte Menschen, St. Martin in Düngenheim (bei Kaisersesch im Landkreis Cochem-Zell) das Haus als geeignete Immobilie für zwei Wohngruppen mit je vier Betreuten und zwei Betreuern. „Die Verträge sind langfristig und bereits unterschrieben“, erklärt das Brüderpaar und meint: „Ein Glücksfall für beide Seiten.“

Dann müssen Manuel und Lukas Theisen ihrem Haus wieder aufs Dach steigen; denn gemeinsam mit ihrem neu eingestellten Gesellen Michael Brixius aus Oberöfflingen, dem Prüfungsbesten des Jahrgangs 2020, steht gerade die Eindeckung auf dem Plan. In Kürze werden die Fenster eingesetzt, und es wird mit dem Innenausbau begonnen – „ausschließlich mit Firmen aus der unmittelbaren Nähe“, betonen die beiden.

Sie loben noch die gute Zusammenarbeit mit dem Dorferneuerungsbeauftragten Markus Kowall von der Abteilung Struktur- und Kreisentwicklung bei der Kreisverwaltung Daun. Sie geben die geplante Investitionssumme mit 700.000 Euro an. Und sind zuversichtlich, dass „die Düngenheimer“ spätestens am 1. April 2021 einziehen können.

Ein paar hundert Meter weiter, in der Ortsmitte von Köttelbach, an der Ecke „Neuer Weg/Am Bur“ trübte seit Jahrzehnten ein anderes völlig verwahrlostes Gebäude und Gelände das im Übrigen ansprechende Ortsbild. „Schon lange hatten wir immer wieder von unserem Küchenfenster aus zwar den desolaten Zustand im Blick, gleichzeitig aber davon geträumt, was man Schönes daraus machen könnte“, erzählt Ulrike Kirchner. Die Professorin für Bauwesen an der Hochschule Koblenz und ihr Ehemann, der Künstler Ulrich Westerfrölke, leben als direkte Nachbarn auf ihrem vorbildlich renovierten Hof mit Wohnhaus, Ateliers und großen Gartenräumen.

Weil auch ihr Konzept vom „Leben unter einem Dach“ die Ortsgemeinde Kelberg überzeugte, sind Ulrike Kirchner und Ulrich Westerfrölke seit kurzem die Besitzer von 2000 Quadratmetern Fläche mit Bauteilen eines etwa 100 Jahre alten „Trierer Langhauses“, in dem traditionell Wohnung, Stall und Scheune unter einem Dach nebeneinander liegen.

„An diese Bautypologie wollen wir anknüpfen“, betont Ulrike Kirchner. Unter Mitnutzung von bestehenden, erhaltungswürdigen Teilen soll ein neues Langhaus entstehen - mit sechs Wohnungen auf drei Ebenen. Die Wohnungen werden 45 bis 70 Quadratmeter groß; wobei sich auch einige Wohnungen so zusammenschalten lassen, dass größere Einheiten entstehen.

„Das Herzstück bildet die alte Scheuneneinfahrt, über die die Erschließungen der Wohnungen erfolgen und die auch einen Gemeinschaftsraum mit Küche anbietet“, erklärt Ulrich Westerfrölke. Die Idee und Philosophie des Projekts sei ein nachbarschaftliches Wohnen, das Individualität und Rückzug in der eigenen Wohnung sichere und gleichermaßen Gemeinsamkeit und Begegnung fördere. Alle Wohnungen haben Zugang zum Garten, der sowohl gemeinschaftlich als auch individuell nutzbare Flächen anbietet. Entlang der Straße „Am Bur“ soll eine Art Remise entstehen mit Stellplätzen für Autos und Fahrräder sowie mit Mehrzweckräumen.

Der Bauantrag ist gestellt. Anfang 2021 soll mit dem Neu- und Umbau begonnen werden, die Realisierung ist auf etwa zwei Jahre angelegt. Das Ehepaar wird für das gesamte Projekt rund 1,2 Millionen Euro in die Hand nehmen. Aber mehrere Wege der weiteren Entwicklung seien denkbar, betonen Ulrike Kirchner und Ulrich Westerfrölke. Und haben sich parallel auf die Suche nach Miet- oder Kaufinteressierten, Mitbauherren oder Mitinvestoren gemacht – „denn das Projekt ist noch offen.“

Wer sich für das „Leben unter einem Dach“ nach den Ideen von Ulrike Kirchner und Ulrich Westerfrölke interessiert, kann sich absprechen unter Telefon: 02692/85914 oder 0170/4444161.