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Kelberg investiert trotz Haushaltsloch

Entwicklung : Gutes Klima in Kelberg

Erstmals seit 2007 ist der Kelberger Haushalt nicht ausgeglichen. Dennoch wird in Neubaugebiete, Straßenendausbauten und in ein Klimaprojekt investiert.

In dem Ortsteil Köttelbach steht ein besonders schönes und (in „normalen“ Zeiten) besonders gut genutztes Gemeindehaus. Es trägt inzwischen auch offiziell den Namen, den ihm die Bewohner seit jeher in ihrem Dialekt gegeben hatten: „et Säälche“, das Sälchen, das mit einer Stier-Skulptur sogar Kunst am Bau hat (der TV berichtete). Nach der Erweiterung und der komplett neuen Innenausstattung vor einigen Jahren wird nun im wahrsten Sinne des Wortes noch etwas drauf gesetzt – eine 70 000 bis 80 000 Euro teure Photovoltaik-Anlage. „Damit werden das Gemeindehaus, die gesamte Dorfbeleuchtung und eine Ladestation für Elektroautos mit Strom versorgt“, erklärt Ortsbürgermeister Wilhelm Jonas zu der klimabewussten Investition.

Wenn der seit 2007 amtierende Ortschef sagt: „Das ist es uns als Standortgemeinde wert“, meint er die 100 000 Euro, mit denen sich Kelberg an den Kosten der Sanierung des Freibads in Trägerschaft der Verbandsgemeinde (VG) beteiligt. „Das entspricht einem Anteil von 50 Euro pro Bürger“, erläutert er. Ebenfalls 100 000 Euro stehen bereit für den Kauf von Grundstücken für ein weiteres Neubaugebiet. Die Nachfrage sei groß, erklärt Jonas mit Blick darauf, dass zwar die aktuell sechs verbliebenen gemeindeeigenen Baugrundstücke im Ortsteil Kelberg noch nicht verkauft, aber allesamt reserviert seien und dass für die 22 geplanten Grundstücke „Hinter dem Hermes“ bereits acht Anfragen vorlägen.

In der Ortsmitte von Kelberg wird im laufenden Jahr die Josef-Ockenfels-Straße für rund 70 000 Euro fertig gestellt. In der Waldstraße soll der Busbahnhof neu gestaltet werden; dafür stehen im Haushalt 2021 für Planungskosten 50 000 Euro zur Verfügung. Auch die Planung neuer Gemeindestraßen im Ortsteil Rothenbach ist mit 50 000 Euro veranschlagt sowie mit weiteren 10 000 Euro die Planung des zweiten Bauabschnitts in der „Weberwies“ in Rothenbach-Meisenthal mit zehn Grundstücken. Moment mal! Zehn Baugrundstücke in einem Ortsteil, in dem 90 (Rothenbach) und 80 (Meisenthal) Menschen leben? „Aber ja“, sagt Wilhelm Jonas, „die Nachfrage ist da.“

„Das Machbare vom Wünschenswerten zu unterscheiden“ – dieses Motto vertritt Jonas seit Jahren im Rat. Das sei jetzt noch wichtiger als zuvor, meint er. Denn erstmals seit 2007 ist der Haushalt der Ortsgemeinde Kelberg nicht ausgeglichen. Wegen der 4,9 Millionen Euro, die 2021 an Gewerbesteuerumlagen an den Landkreis Vulkaneifel und die VG Kelberg zu zahlen sind, werden 1,7 Millionen Euro zum Ausgleich des Haushalts aus den Rücklagen entnommen. Jonas erklärt zur Höhe der Umlagen: „Das hat es noch nicht gegeben. Das sind 66 Prozent mehr als im Jahr 2020.“ Auch seien etwa 500 000 Euro zu verschmerzen, die 2020 weniger an Gewerbesteuern geflossen seien – „hauptsächlich Corona bedingt“, ist sich der Ortsbürgermeister sicher.

„Aber wir können insgesamt sehr zufrieden sein“, betont er. So gut wie beendet sei die Erschließung der neuen Firmenzentrale von BD Rowa (der TV berichtete) sowie die Verkehrsberuhigung und der behindertengerechte Umbau des Gemeindehauses in Hünerbach. Die Waldruhestätte auf dem Schwarzenberg ist eröffnet, wenn auch (coronabedingt) noch nicht offiziell eingeweiht. Dort sei das Engagement von Mitgliedern des Fördervereins Schwarzenbergkapelle vorbildlich.

„Die Vier sind klasse“, freut sich Wilhelm Jonas. Und meint Heinz-Peter Simon, Bernd Arnold, Tobias Esch und David Müller, die Mitarbeiter des Bauhofs. Sie seien äußerst zuverlässig und auch nach Dienstschluss erreichbar. Zum Beispiel, wenn, wie jetzt, Gemeindestraßen spätabends oder frühmorgens geräumt oder Äste und umgestürzte Bäume entfernt werden müssen. „Das hat auch was mit gutem Klima zu tun“, sagt Jonas.