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"Kelberg ist im Herzen zerstört"

"Kelberg ist im Herzen zerstört"

Im Beisein von mehr als 100 Menschen jeden Alters ist auf dem Kelberger Marktplatz ein Mahnmal zur Erinnerung an die Zerstörung Kelbergs am Ende des Zweiten Weltkriegs vorgestellt und gesegnet worden. Der Gedenkstein ist eine geglückte Kombination aus historischem Stein, neuem Sockel und erklärender Bronzetafel.

Kelberg. "Wenn das heute für Kelberg nur gut geht", zitiert Hermann Molitor (80) Stimmen Einheimischer vom 16. Januar 1945. "Es ging nicht gut", erklärt der Zeitzeuge, Buchautor und langjährige Ortsbürgermeister, als er bei der Übergabe des Gedenksteins an die schrecklichsten Tage der Geschichte Kelbergs erinnert.

Am 27. Dezember 1944 hatte der Ort mit Nikolaus und Theresia Koch die ersten Heimkriegstoten und mit der Vernichtung ihres Wohnhauses die erste Zerstörung zu verzeichnen. Seither habe bei Überflügen große Panik in der Gemeinde geherrscht, berichtet Hermann Molitor. Es habe kein Licht, kein Telefon und kaum Lebensmittel gegeben, und seit Mitte Dezember sei Kelberg mit starker Einquartierung belastet worden.

Das Grauen kam an einem sonnenklaren Tag



"Die Mittagsstunden des sonnenklaren 16. Januar 1945 erlebten mein Schulkamerad Eduard Gerhards und ich vom Schwarzenberg aus", erzählt Molitor über die anderthalb Stunden, in denen zwei- bis dreihundert Bombenabwürfe auf das schneebedeckte Kelberg niedergingen und die den damaligen Pfarrer in die Chronik schreiben ließen: "Kelberg ist im Herzen zerstört." 15 Zivilpersonen und 40 Soldaten verloren ihr Leben, das Dorf wurde zu zwei Drittel zerstört.

Auf dem Marktplatz, der damals im Mittelpunkt des Geschehens lag, steht nun das Mahnmal - enthüllt vom Zeitzeugen Eduard Gerhards und von der elfjährigen Chiara Nestola, unter Friedenswünschen gesegnet von Pastor Ulrich Apelt.

Ortsbürgermeister Wilhelm Jonas hatte im Dezember 2007 vom Gemeinderat ein einstimmiges Votum für das Projekt erhalten. "Wir hatten eine Idee, doch seine war besser", sagt Jonas bei der Vorstellung des Denkmals mit Blick auf Hermann Schmitt. Der für die Fertigung der Bronzeplatte (siehe Extra) zuständige Glockengießermeister aus Brockscheid hatte die Kelberger bei der Gestaltung des Gedenksteins beraten.

Auf einem von Steinmetzmeister Karl Christ aus Zermüllen in klarer Formensprache geschaffenen Sockel aus rotem Sandstein befinden sich als Skulptur Fuß- und Mittelteil des "Spitzen Kreuzes" aus dem Jahr 1639. Das Original des Pestkreuzes steht im Eifelmuseum Mayen, die Nachbildung im Kelberger "Suhrbüsch"; der alte Sockel befand sich bisher beim alten Pfarrhaus.

Perfekte Kombination aus altem und neuem Material



"Absolut dem Anlass entsprechend, mit sicherem Gespür für die Zusammenführung von altem und neuem Material", lobt Henner Reckert aus Kelberg das Denkmal im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund. Und auch aus den weiteren Bekundungen der Anwesenden ist allenthalben Lob zu hören - für Idee und Umsetzung gleichermaßen.

Dass die Feierstunde bei den älteren Menschen Erinnerungen auslöst, als wäre alles erst gestern gewesen, lässt sich den angeregten Gesprächen entnehmen.

So erzählt der damalige Schuljunge Ernst Braun gerade den Umstehenden: "Ich habe am Tag nach dem Bombenangriff den Tabernakel aus der zerstörten Kelberger Kirche mit einem Schlitten nach Hünerbach in die Kapelle gebracht." EXTRA Auf der Bronzeplatte steht "Zum Gedenken an die Kriegsopfer, die Zerstörung Kelbergs am 27. Dezember 1944 und 16. Januar 1945 und zur Mahnung. Der Stein gehört zum ursprünglichen Spitzen Kreuz aus dem Jahr 1639. Die Nachbildung steht an Station 42 der Geschichtsstraße." (bb)