Kelbergs Chancen stehen schlecht

Kelbergs Chancen stehen schlecht

Mit mehreren Aktionen hat der im Januar gegründete Arbeitskreis (AK) "Die VG Kelberg muss bleiben" die Bürger über die Auswirkungen der geplanten Kommunal- und Verwaltungsreform informiert. Nun sorgt ein Schreiben aus Mainz zwar für Ernüchterung. Dennoch will der Arbeitskreis nach Auskunft seines Vorsitzenden Alois Kapell am Ball bleiben.

Kelberg. Ja, die Antwort von Innenminister Roger Lewentz sei ernüchternd, räumt Alois Kapell, Vorsitzender des Arbeitskreises ein. Denn auf die Frage, ob eine Fusion der Verbandsgemeinde (VG) Kelberg auch dann erfolge, wenn die Mehrheit der Bevölkerung dagegen sei, hatte sich Lewentz unmissverständlich geäußert. Danach gebe es "keine hinreichenden Gründe, die einen unveränderten Fortbestand der VG Kelberg ausnahmsweise rechtfertigen könnten".
Das Votum der Bevölkerung sei nur ein Aspekt von vielen, die bei der Entscheidung der Landesregierung eine Rolle spielten. Lewentz begrüße ausdrücklich die Beteiligung der Bürger, berichtet Alois Kapell, und er lobe deren "sachliche, ausreichende und ausgewogene Information". Gleichzeitig stelle der Minister ausdrücklich den "Gebietsänderungsbedarf" der VG Kelberg fest und empfehle, die laufende Freiwilligkeitsphase der Kommunal- und Verwaltungsreform zu nutzen. Aus einem weiteren Schreiben, das an den VG-Rat und die Ortsbürgermeister gerichtet sei, gehe hervor, dass die Kreisgrenzen nur ausnahmsweise und mit Zustimmung aller Beteiligten verändert werden sollen, erläutert Kapell. Als Fusionspartner für Kelberg stehe nach wie vor Daun an erster Stelle.

Die von Lewentz angesprochene Freiwilligkeitsphase endet Mitte 2012. Daher hat der Arbeitskreis für die kommenden Wochen und Monate noch mehrere Maßnahmen und Aktionen vorbereitet. Zunächst soll es eine Unterschriftenaktion und parallel eine Online-Petition zugunsten des Erhalts der VG geben. Für November ist die Gründung einer Bürgerinitiative geplant. Im ersten Halbjahr kommenden Jahres soll eine Bürgerbefragung stattfinden.
Die Öffentlichkeitsarbeit soll noch verstärkt werden. Bisher war das Anliegen, die VG Kelberg zu erhalten, in Kampagnen des Mitteilungsblatts ("Amtsblättje"), in mehreren Berichten des Trierischen Volksfreunds, bei öffentlichen Vorträgen und in einer Fernsehsendung des SWR thematisiert worden. "Wir werden nun die Argumente für den Erhalt sowie die zu erwartenden Nachteile einer Fusion in komprimierter Form präsentieren und ihre Verbreitung mit Nachdruck vorantreiben", erklärt Kapell. Der Vorsitzende betont, dass die Aktionen des Arbeitskreises partei- und fraktionsübergreifend unterstützt werden.

Meinung

Fundamentalopposition schadet
Jetzt - mit dem Schreiben von Innenminister Lewentz - muss auch dem letzten Lokalpatrioten klar sein: Die Tage der Verbandsgemeinde Kelberg als eigenständige Einheit sind gezählt. Wirtschaftskraft, solide Finanzen, Geschichte, Bürgerwille - all das, was die Kelberger in den vergangenen Wochen als Argumente für die Eigenständigkeit in die Waagschale geworfen haben, reicht nicht aus. Das Land ist wild entschlossen, die Minimalziele der bereits stark verwässerten Kommunalreform durchzusetzen. Und zwar ohne Ausnahme. Denn Präzedenzfälle würden in vielen anderen Regionen, wo einem Zusammenschluss nur zähneknirschend zugestimmt wurde, für Aufschreie sorgen und weitere Begehrlichkeiten wecken. Das wäre das Ende des Reförmchens. Vor diesem Hintergrund sollten die Kelberger nicht nur daran denken, gegen die Weisung aus Mainz mobil zu machen. Vielmehr wären sie gut damit beraten zu überlegen, in welchen Bereichen ein Zusammenschluss Sinn macht. Die Realschule plus ist da nur ein Thema. m.huebner@vollksfreund.de

Extra

Der TV hat sechs Ortsbürgermeister der 33 Gemeinden umfassenden VG Kelberg gefragt, ob die Bevölkerung in ihrem Dorf dafür sei, dass die VG erhalten bleibe. Die Antwort in allen Fällen: "Ja". Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnten, in einen anderen Kreis zu wechseln, wenn die VG Kelberg nicht eigenständig bleiben sollte, erklärten sie sich wie folgt. Andreas Daniels, Uersfeld: "Da in Mainz gesagt wird, dass die Kreisgrenzen nicht verändert werden sollen, stellt sich die Frage nicht." Walter Eich, Mannebach: "Für diesen hoffentlich nicht eintretenden Fall könnten wir uns wegen unserer geografischen Lage einen Wechsel in die VG Ulmen vorstellen, aber nur, falls diese zum Landkreis Vulkaneifel kommt. Sonst nicht!" Hermann Hay, Retterath: "Wir tendieren eher zur VG Ulmen als zur VG Daun, also käme der Kreis Cochem-Zell in Betracht." Josef Heimer, Drees: "Diese Frage haben wir uns noch nicht gestellt, da wir am Erhalt der VG Kelberg arbeiten." Wilhelm Leichsenring, Höchstberg: "Wenn wir uns schon mit einer Fusion abfinden müssten, wäre es logisch, in den Kreis Cochem-Zell zu wechseln wegen unserer Nähe zu Ulmen." Herbert Rollmann, Gelenberg: "Wir werden immer Randgebiet eines Kreises sein, egal ob wir Ahrweiler, Cochem-Zell oder Mayen-Koblenz zugeschlagen würden. Also bleiben wir lieber gleich im Landkreis Vulkaneifel." bb