Kinder nicht immer sicher unterwegs

Kinder nicht immer sicher unterwegs

Geringes bis mittleres Unfallrisiko für die Kinder auf den Straßen im Vulkaneifelkreis, ein höheres im Eifelkreis Bitburg-Prüm: Laut dem aktuellen Kinderunfallatlas liegen die beiden Kreise bundesweit bei der Unfallquote von bis 15-Jährigen auf den Plätzen 177 und 293. Gründe, weshalb das so ist, können weder die Kreise noch die Polizei nennen.

Daun/Bitburg. "Achtjähriger angefahren und leicht verletzt." Meldungen wie diese aus Daun vom 16. März finden sich immer wieder im Volksfreund. Der Junge wurde laut Auskunft der Polizei von einem Auto angefahren, als er am Donnerstag voriger Woche gegen 12.15 Uhr über die Abt-Richard-Straße rannte. Der Fahrer des Wagens hatte den Jungen zu spät gesehen, da dieser hinter einem Kastenwagen auf die Straße gelaufen war. Obwohl der Autofahrer bremste, konnte er einen Unfall nicht vermeiden. Das Kind wurde ins Krankenhaus gebracht. Dies ist nur ein Beispiel von etlichen Unfällen in der Region, an denen Kinder oder Jugendliche beteiligt waren. Solche Meldungen finden sich häufiger im Eifelkreis Bitburg-Prüm als im Vulkaneifelkreis.
Pro Jahr verunglücken laut Kinderunfallatlas (siehe Extra) statistisch gesehen im Vulkaneifelkreis 2,52, im Eifelkreis Bitburg-Prüm 2,95 von 1000 Kindern.
Mit dieser Unfallquote belegt die Vulkaneifel in der Region einen mittleren Platz, weit abgeschlagen hinter dem Landkreis Südwestpfalz, der bundesweit den Spitzenplatz einnimmt, und dem Kreis Trier-Saarburg, der mit einer Unfallquote von 2,06 auf Platz 62 steht. Der Eifelkreis steht auf Platz 293. Die Stadt Trier belegt in Rheinland-Pfalz den viertletzten Platz, nur gefolgt von den Städten Landau (Unfallquote: 4,27), Frankenthal (4,63) und Speyer (5,16). Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen. Der Kinderunfallatlas soll der Polizei und örtlichen Behörden helfen zu entscheiden, mit welchen Maßnahmen die Verkehrssicherheit für Kinder verbessert werden kann.
Im bundesweiten Vergleich mit 412 Städten und Kreisen stehen die Kreise bei den Unfällen, an denen Kinder als Fußgänger beteiligt waren, auf Platz 56 (Vulkaneifelkreis, Unfallquote: 0,41) und Platz 270 (Eifelkreis Bitburg-Prüm, Unfallquote: 0,71). Neben den Fußgängerunfallzahlen wurden Daten über Unfälle, an denen Kinder als Radfahrer oder Mitfahrer beteiligt waren, erhoben. Hier belegt der Vulkaneifelkreis die Plätze 75 (Radfahrer) und 387 (Mitfahrer). Der Eifelkreis Bitburg-Prüm rangiert auf den Plätzen 3 (Radfahrer) und 407 (Mitfahrer).
Eine Schule im Kreis


Eine differenzierte Analyse über Unfallschwerpunkte und Gründe, wie die Unfallzahlen zu interpretieren sind, können weder die Autoren der Studie, die beiden Kreisverwaltungen noch die Polizei benennen. Heike Linden, Pressesprecherin des Eifelkreises, und Verena Bernardy, Sprecherin des Vulkaneifelkreises, verweisen an die Polizei. "Da es im Kreisgebiet des Eifelkreises Bitburg-Prüm keine Unfallschwerpunkte mit Kindern gibt, ist der Kinderunfallatlas im Rahmen der Unfallkommission auch noch nicht thematisiert worden", teilt Linden mit. Der Vulkaneifelkreis unterstützt die Jugendverkehrsschule Vulkaneifel, die vor allem Kinder auf die Teilnahme im Straßenverkehr vorbereitet. "Die Polizei macht nach jedem Unfall, an dem Kinder beteiligt waren, eine gezielte Ortsbesichtigung", sagt Polizeisprecher Karl-Peter Jochem. Dabei werde auch die Perspektive der Kinder berücksichtigt. Sofern sich daraus Vorschläge für Verbesserungen ergäben, würden diese den Straßenverkehrsbehörden vorgeschlagen. Der Atlas stuft das Unfallrisiko der Kinder auf den Straßen in den Kreisen Bernkastel-Wittlich und Trier-Saarburg als "gering" ein.
Wo, glauben Sie, müssen Polizei und Verkehrsbehörden handeln, um die Straßen für Kinder sicherer zu machen? Ihre Vorschläge können Sie an die Adresse echo@volksfreund.de mailen. Bitte geben Sie Ihren Namen und Ihre Anschrift mit an.
Extra

Leseratte Lucky ist von seiner Mutter in die Schule gebracht worden. Alles musste schnell gehen. Prompt der erste Fehler: "Ich habe mich nicht angeschnallt", erzählt Lucky. Karl-Peter Jochem, Sprecher des Polizeipräsidiums Trier, schüttelt den Kopf. "Kinder müssen während der Autofahrt angegurtet sein." Lucky liebt seine dunkelblaue Jacke. "Gerade beim Versteckspielen im Dunkeln ist die toll." Auch hiermit ist Jochem nicht einverstanden: "Fahrer müssen sehen, wer alles auf der Straße unterwegs ist." Deshalb rät der Experte, reflektierende Kleidung zu tragen. "Und auch mit dem Rad solltest du im Dunkeln nur unterwegs sein, wenn Vorder- und Rücklicht funktionieren." Lucky jammert: "Menno, dauernd begleitet mich mein Vater auf dem Schulweg. Das ist uncool." Auch hier kann Jochem nicht zustimmen. "Es ist wichtig, dass du den Weg gut kennst und weißt, wo du aufpassen musst." itzExtra

Die Bundesanstalt für Straßenwesen hat Ende 2012 einen zweiten Kinderunfallatlas für die Bundesrepublik Deutschland herausgegeben. Für den Zeitraum 2006 bis 2010 wurden alle Unfälle ausgewertet, an denen Personen unter 15 Jahren beteiligt waren und die von der Polizei erfasst wurden. Rund 7,7 Prozent aller im Verkehr Verunglückten sind im Jahr 2010 Kinder. Bundesweit starben im gleichen Jahr 104 Kinder aus dieser Altersgruppe. itz

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