Kindergarten soll im Frühjahr 2013 fertig sein

Gerolstein · Bereits mehr als 20 Unternehmen aus dem gesamten Bundesgebiet und den Benelux-Staaten haben ihr Interesse am Bau und Betrieb des neuen Gerolsteiner Kindergartens bekundet. Die Verantwortlichen gehen jetzt von einem Bezug im Frühjahr 2013 aus.

Gerolstein. "Das bisherige Interesse ist sehr erfreulich. Das liegt über meinen Erwartungen." Mit diesen Worten kommentiert Gerolsteins Stadtbürgermeister Bernd May (parteilos) die große Nachfrage nach den Unterlagen für den Kindergarten-Teilnehmerwettbewerb. Die Resonanz auf den Infoabend zum Kindergartenprojekt in dieser Woche hingegen war äußerst schwach: Gerade einmal acht Vertreter regionaler Bau-, Elektro-, Installations- und Einrichtungsfirmen nahmen daran teil - darunter zwei Vertreter der Firma Streif aus Weinsheim. Die sollte nach dem Willen der Stadt ursprünglich - und ohne vorherige Ausschreibung - den Kindergarten bauen. Da spielten Kommunalaufsicht und Landesrechnungshof aber nicht mit.
Der achtgruppige Gerolsteiner Kindergarten, in dem bis zu 180 Kinder von einem bis zu sechs Jahren und 25 Erzieherinnen Platz finden, soll im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft (englisch: public private partnership/PPP) gebaut und über 25 Jahre instand gehalten und betrieben werden. Das Gesamtpaket ist nach der vorläufigen Wirtschaftlichkeitsberechnung 10,7 Millionen Euro schwer - davon 3,41 Millionen Euro für den Bau (samt Planung und Nebenkosten). Bei herkömmlichem Verfahren werden rund 1,1 Millionen Euro mehr angenommen.
Der Teilnehmerwettbewerb ist der eigentlichen Ausschreibung vorgeschaltet. In dem europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb müssen die Unternehmen ihre Zuverlässigkeit, Leistungsfähigkeit und Eignung für das Millionenprojekt nachweisen. Erst dann werden sie auch zur Ausschreibung zugelassen.
Chancen für Handwerker


Daher gibt es bei den heimischen Handwerksbetrieben die Befürchtung, nichts vom Kuchen abzubekommen. Eine Angst, die Stadtbürgermeister May zu entkräften versucht: "Die mittelständischen Betriebe aus der Eifel haben sehr wohl gute Chancen, sich am Projekt zu beteiligen." Das unterstreicht auch Matthias Schwalbach von der Handwerkskammer (HWK) Trier: "Grundsätzlich stehen wir PPP-Projekten konstruktiv-kritisch gegenüber. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, in den Verträgen festzulegen, dass regionale Handwerker bei der Auftragsvergabe zu bevorzugen sind."
Auf die Frage von anwesenden Unternehmern, wie Dumping-löhne und dementsprechend niedrige Preise verhindert werden könnten, erklärt Schwalbach, dass es in Rheinland-Pfalz Mindestlohnvorschriften gibt und eine Nachweispflicht für handwerkliche Qualität besteht. Sein Fazit: "Es spricht vieles dafür, dass wir auch bei diesem Projekt unser Ziel erreichen können: nämlich dass der regionale Mittelstand vor Ort berücksichtigt wird." Außerdem würden die Angebote danach überprüft.
Mittelständische Handwerker könnten in Bietergemeinschaften auftreten und sich um den Zuschlag fürs Gesamtprojekt bemühen. Wahrscheinlicher ist aber, dass sie als Subunternehmer zum Zug kommen. Die Stadt will deshalb laut Büroleiter Hans-Josef Hunz demnächst ein eigenes Internetportal eröffnen, bei dem sich regionale Handwerker als Subunternehmer für das Projekt anbieten können.
Vor allem was den Betrieb und die Instandhaltung des Kindergartens angeht, stehen die Chancen dafür gut. Denn wenn ein Fenster, ein Küchengerät oder die Toilette im Kindergarten kaputtgeht, muss der Schaden umgehend behoben werden. "Das wird kein Unternehmer aus Südeuropa leiten können, sondern das verpflichtet ja geradezu zur Regionalität", sagt Rechtsanwalt Thomas Mandt, der für die Projektentwicklungsgesellschaft des Landes Rheinland-Pfalz tätig ist. Die bereitet für die Stadt Gerolstein das PPP-Projekt vor.Extra

Anfang Oktober: Veröffentlichung des Kindergarten-Vorhabens im europäischen Amtsblatt 4. November: Fristablauf für die Anforderung der Unterlagen für den Teilnehmerwettbewerb 11. November: Abgabefrist der Teilnehmerunterlagen. Anschließend Auswertung und Auswahl von sechs potenziellen Teilnehmern Anfang Dezember: Die ausgewählten Unternehmen erhalten die kompletten Vergabeunterlagen für den Bau, die Instandhaltung und den Betrieb des Gebäudes für 25 Jahre Ende Januar/Anfang Februar 2012: Abgabefrist der Angebote. Es folgen Gespräche mit Auftraggeber und Bietern und eventuell Angebotspräzisierungen Zweites Quartal 2012: Auftragvergabe Erstes Quartal 2013: Bezug des Kindergartens mh