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Kinderschutzdienst erhält während der Corona-Krise weniger Anfragen

Kinderschutzdienst der Caritas Westeifel : Ausgerechnet in der Corona-Krise melden sich weniger Familien

Trotz der Herausforderungen für Familien, gehen die Anfragen beim Kinderschutz­dienst (KSD) des Caritasverbands Westeifel aktuell zurück – ein Grund zur Sorge.

Ein Elternpaar, das coronabedingt in Kurzarbeit ist, mit einem Kind, das coronabedingt nicht zur Schule geht, sondern Online-Unterricht zu Hause erhält: eine Konstellation, wie sie zurzeit überall anzutreffen ist. Auch im Bereich des Caritasverbands (CV) Westeifel, in dem Karin Knötgen, Kurt Riedel und Heide Schmidtmann die Ansprechpartner des KSD sind (siehe Info).

Dass die drei von den Konflikten, die sich in der oben beschriebenen Familie aus dem Landkreis Vulkaneifel in den vergangenen Wochen aufgebaut und verstärkt hatten, überhaupt erfuhren, hat damit zu tun, dass ein Elternteil einen weiteren Beratungsdienst des CV nutzte und dabei über die häuslichen Schwierigkeiten sprach. „Wir wurden eingeschaltet und haben dem Kind zu einem Platz in der Notbetreuung seiner Schule verholfen“, erklärt Karin Knötgen. Nun laufe es besser in der Familie und auch für das Kind.

In einem anderen Fall war eine Lehrerin im Rahmen des Homeschooling auf zunehmende Schwierigkeiten in einer Familie im Eifelkreis Bitburg-Prüm aufmerksam geworden. „Die Lehrerin hat sich an uns gewandt“, erzählt Heide Schmidtmann. Gemeinsam sei auch hier nach Lösungen gesucht und Hilfe und Unterstützung gegeben worden.

Die beiden Fälle sind typisch für den KSD. Doch gehören sie zu den wenigen Anfragen, die die Mitarbeiter seit Mitte März, als das Corona-Virus auch den Alltag in der Eifel auf den Kopf zu stellen begann, erreicht haben. „Und das bereitet uns Sorgen“, sagen Knötgen, Riedel und Schmidtmann. Wissen sie doch, dass die Corona-Krise eine existentielle Bedrohung etwa durch Kurzarbeit oder andere Einkommensverluste bedeutet und die durch die Pandemie ausgelösten Ängste und verordneten Beschränkungen gerade Familien vor große Herausforderungen stellen.

Das Leben auf engem Raum erhöht die Belastung durch Stress und verschärft bereits vorhandenes Konfliktpotential. Probleme der Gewalt können sich verstärken, vernachlässigte Kinder weitere Defizite erfahren. „Dass wir so wenig Anfragen haben, liegt daran, dass zurzeit der Blick von außen fehlt“, glauben die KSD-Mitarbeiter. In „normalen“ Zeiten nähmen Erzieher und Lehrer, Nachbarn, Verwandte sowie Mitarbeiter der Jugendhilfe eher wahr, wenn Kinder in Not seien, und könnten entsprechende Maßnahmen einleiten.

„Von Gewalt betroffene Menschen, vor allem, wenn es sich um Kinder und Jugendliche handelt, brauchen aufmerksame Helfer“, betonen sie. Und appellieren: „Sollten Sie in Sorge um ein Kind oder einen Jugendlichen sein, wenden Sie sich bitte an uns.“

Der KSD ist eine Anlauf- und Beratungsstelle bei körperlicher und/oder seelischer Misshandlung, bei sexuellem Missbrauch, bei Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen sowie bei Zeugenschaft häuslicher Gewalt. Betroffene Kinder und Jugendliche können sich selbst melden sowie Mütter und Väter, die für sich und ihre Kinder Hilfe und Unterstützung benötigen; außerdem andere Bezugspersonen wie Nachbarn und Freunde der Familie.

„Wir nehmen den Eltern das Zepter nicht aus der Hand“, versichern die KSD-Mitarbeiter, die der Schweigepflicht unterliegen und Famileien kostenfrei und auch anonym beraten.