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Klärschlammentsorgung in Gerolstein kostet über Jahre viel Geld

Umwelt : Klärschlamm stinkt Gebührenzahlern

Die Verbandsgemeindewerke Gerolstein rechnen über Jahre mit massiven Problemen und hohen Kosten bei der Entsorgung.

Es sind „nur“ 24,50 Euro (siehe Extra), die ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt ab kommendem Jahr mehr an Schmutzwassergebühren im Gerolsteiner Land zahlt, und im Vergleich zu Einwohnern in benachbarten Gebieten (siehe Info) kommt er dabei immer noch ganz gut weg. Und so sagt Harald Brück, Leiter der Verbandsgemeindewerke Gerolstein: „Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist eine moderate Erhöhung der Schmutzwassergebühren unumgänglich.“ Damit werden jährlich 170 000 Euro mehr eingenommen. Das sah auch die Mehrheit des Bau-, Werks- und Umweltausschusses der VG Gerolstein so und beschloss die Gebührenerhöhung.

Aber das Problem wird dadurch erstens nicht gelöst, zweitens ist derzeit nicht absehbar, ob nicht weitere Erhöhungen folgen werden. Denn: Die für die Gebührenerhöhung ursächlichen Probleme mit dem Klärschlamm im Gerolsteiner Land werden die nächsten Jahre bestehen – wahrscheinlich bis mindestens 2022. Dann soll das Vererdungsbecken in der Kläranlage Lissingen erstmals geleert werden und wieder neues Material aufnehmen können. Eigentlich war das bereits für dieses Jahr vorgesehen, doch Proben haben ergeben, dass der Schlamm belastet ist. „Und deshalb kann er weder für den Landschaftsbau verwendet, noch auch Äcker aufgebracht werden, sondern muss thermisch entsorgt werden“, sagt Brück.

Und das wird teuer. Zusätzliches Problem ist: „Wir wissen noch nicht, wie die Schadstoffe da reinkommen.“

Weitere Untersuchungen würden angestellt. Ein noch größeres Problem ergibt sich dadurch, dass die Vererdungsbecken sowohl in Lissingen als auch in Birresborn und Neroth viel früher an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen als kalkuliert. In Lissingen ist das Vererdungsbecken bereits nach zehn Jahren (2016 und nicht wie geplant erst 2031) vollgelaufen, in Birresborn und Neroth wird vermutlich 20 Jahre nach dem Start die Aufnahmekapazität erreicht.

Brück und seine Leute wissen inzwischen, nachdem dazu eigens eine Studie in Auftrag gegeben wurde, wieso: „Wir hätten die Anlage nicht ganzjährig, sondern nur während der Vegetationsphasen beschicken dürfen, was uns nicht klar war.“

Da die Lissinger Anlage, die laut Brück aber bereits 40 000 Kubikmeter Klärschlamm in rund 10 000 Kubikmeter Trockenprodukt umgewandelt hat, nun aber keinen weiteren Schlamm mehr aufnehmen kann und nun zudem alles verbrannt werden muss, kommt es zu Mehrkosten.

Bis 2021 steigen sie um jährlich 95 000 Euro auf mehr als 200 000 Euro, danach (wenn die Lissinger Anlage erstmals geleert wird) sinken sie wieder. In den kommenden 15 Jahren wird mit Kosten von fast zwei Millionen Euro für die Klärschlammentsorgung gerechnet, das entspricht einem jährlichen Aufwand von rund 130 000 Euro.

An den Weg, das Problem baulich zu lösen, wird derzeit nicht gedacht. So sagt Werkleiter Brück auf TV-Anfrage: „Nein, wir bauen kein drittes Vererdungsbecken, denn das würde mindestens mit weiteren 500 000 Euro zu Buche schlagen.“

 In der Kläranlage in Lissingen gibt es massive Probleme bei der Behandlung des Klärschlamms. Das kommt die Gebührenzahler teuer zu stehen.
In der Kläranlage in Lissingen gibt es massive Probleme bei der Behandlung des Klärschlamms. Das kommt die Gebührenzahler teuer zu stehen. Foto: Mario Hübner
 In der Kläranlage in Lissingen gibt es massive Probleme bei der Behandlung des Klärschlamms. Das kommt die Gebührenzahler teuer zu stehen.
In der Kläranlage in Lissingen gibt es massive Probleme bei der Behandlung des Klärschlamms. Das kommt die Gebührenzahler teuer zu stehen. Foto: Mario Hübner

So viel zahlt ein Drei-Personen-Haushalt an Schmutzwassergebühr: VG Gerolstein: 302 Euro. VG Hillesheim: 334 Euro. VG Obere Kyll: 311 Euro. VG Daun: 347,50 Euro. VG Prüm: 417,20 Euro.
Quelle: VG Werke Gerolstein