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Klein, grün, ruhig und international

Klein, grün, ruhig und international

Die TV-Dorffotoaktion führt in diesem Sommer durch die Gerolsteiner Stadtteile. Auftakt ist in Michelbach, dem idyllischen Ort im Salmwald, der vor allem durch seine abgeschiedene Lage im Grünen, sein Wanderwegenetz, die Ruhe und die intakte Dorfgemeinschaft punktet. Nur eines fehlt den rund 100 Bewohnern sehr: ein kleiner Gemeindesaal als Treffpunkt und Veranstaltungsort.

Gerolstein-Michelbach. 31 Michelbacher kommen am Samstagnachmittag bei Regen zur Dorfmitte, wo der TV zu seiner Dorffotoaktion einlädt - mit der schönen Kirche von 1781 im Hintergrund. Das ist nicht nur angesichts des Wetters beachtlich, schließlich zählt der kleinste der neun Gerolsteiner Stadtteile (ohne die Kernstadt) gerade einmal Hundert Bewohner.
Der jüngste von ihnen, der an diesem Tag dabei und wie viele andere mit einem Regenschirm ausgestattet ist, ist der zweijährige Lorenz. Und dem macht der Regen überhaupt nichts aus. "Er spielt immer sehr viel draußen, daher ist das für ihn kein Problem", sagt sein Papa Daniel Rieder. Der ist zugleich stellvertretender Wehrführer der Michelbacher Wehr. Die ist neben der Frauengemeinschaft einer der beiden Vereine im Ort und sorgt unter der Regie von Horst Giebalowski nicht nur für Sicherheit, sondern auch für die Aufrechterhaltung von Traditionen - und dass etwas los ist: beim St. Martinsumzug, beim Maibaumaufstellen, beim Sommerfest in zwei Wochen, "und wir kümmern uns auch darum, dass die Schutzhütte und der Spielplatz in Ordnung gehalten werden", sagt er.
Gute Stimmung


Dort vergnügt sich regelmäßig der Nachwuchs des Ortes. Das sind derzeit zehn Kinder und Jugendliche von einem bis 17 Jahren. "Das Schöne bei uns ist, dass hier noch die Großen gemeinsam mit den Kleinen spielen und auf sie aufpassen. Da ist man als Mutter beruhigt - und hat dann auch mal Zeit, sich die Zehennägel zu lackieren", sagt Carmen Rieder. Und sorgt so direkt für gute Stimmung beim Treffen mit dem TV, das rasch in den kleinen Feuerwehrgeräteraum verlegt wird. Den hat der Wehrführer wegen des Wetters aufgeschlossen und den Anhänger herausgeschoben, damit sich die Gruppe im Trockenen unterhalten kann.
Zur guten Stimmung trägt auch Elsbet Mandok mit ihrem spontanen "Hier ist es schön, grün, ruhig - einfach wunderbar" bei. Anita Hallen, die in Düsseldorf und Michelbach lebt, antwortet auf die Frage, was sie am Dorf schätze: "Die herrliche Natur und die netten Menschen."
Von noch weiter weg zog es Mike Stevens in den Ort im Salmwald. Der gebürtige Englänger hat sich vor fünf Jahren ein Haus im Dorf gekauft, eine der besten Entscheidungen seines Lebens, wie er sagt: "Das Dorf, die Menschen, das Leben, die Natur - alles ist gut hier." Das finden auch einige Niederländer, ein Luxemburger, ein Amerikaner, die inzwischen alle in dem kleinen Ort ihren Lebensmittelpunkt haben und so dafür sorgen, dass es derzeit (noch) keinen Leerstand im Ort gibt. Und weil es auch schon lange keine Geschäfte mehr im Ort gibt, sorgen rollende Märkte für die Grundversorgung.
Gemeindesaal als Gegenleistung


"Ganz schön international", meint denn auch der designierte Ortsvorsteher Alfred Mertes, der schon einmal 12,5 Jahre an der Spitze des Stadtteils stand, nun erneut gewählt wurde und somit Josef Rauen ablöst, der die vergangenen 7,5 Jahre Ortsvorsteher war. Beide sind beim TV-Termin, "denn wir verstehen uns gut, hier gibt es keinen Knatsch", sagt Mertes. Nur ein Thema ärgert viele Michelbacher - seit vielen Jahren: "Wir sind der einzige Stadtteil, der keinen Gemeindesaal hat", sagt Mertes. Für die Jugend, für größere Geburtstage und Feiern ist kein geeigneter Platz vorhanden. Zwar gibt es das Hotel mit 50 Betten und etwa 150 Plätzen als einzig verbliebener gastronomischer Betrieb im Ort (worüber die Michelbacher auch froh sind), aber es ist eben nur begrenzt nutzbar.
Den Michelbachern schwebt vor, dass der ungenutzte Teil der ehemaligen Schule wieder von der Stadt Gerolstein erworben und dementsprechend umgebaut wird. "Das wäre ideal", sagt Mertes und fügt hinzu, dass schließlich auch Jahr für Jahr x- Meter Holz im Wald geschlagen würden und der Erlös in die Stadtkasse fließe. "Da müsste auch mal was zurückkommen", sagt er und erhält Zustimmung. Neue Hoffnung hegen die Michelbacher bei diesem Dauerbrennerthema, weil einer von ihnen nun an zentraler Stelle steht: Klaus Jansen ist erst kürzlich zum neuen ersten Beigeordneten der Stadt Gerolstein gewählt worden.