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"Kleine Betriebe werden von der Politik zur Aufgabe getrieben"

"Kleine Betriebe werden von der Politik zur Aufgabe getrieben"

Das gute Jahr 2013 mit ordentlichen Preisen für ihre Produkte, besonders Milch, ist vorbei. Nun hoffen die Bauern auch für 2014 auf zufriedenstellende Ernten und entsprechende Preise. Die Zeichen stehen gar nicht so schlecht.

Darscheid. "Haben Sie schon einmal einen Bauern gesehen, der nicht klagt?", sagt ein Landwirt auf die Frage, wie denn die wirtschaftliche Situation ist. Doch eigentlich können die Landwirte mit den Erträgen für ihre Produkte, besonders für Milch zufrieden sein - rund 43 Cent bekommen sie von den Molkereien für ihre Milch.
Bei der gemeinsamen Jahreshauptversammlung der beiden Kreisbauern- und Winzerverbände Cochem-Zell und Daun tauschen sich die Landwirte über die aktuelle Wirtschaftslage aus. "Fleisch, Getreide und Milchpreise sind gut, wir haben momentan eine gute Preisphase", sagt Kreisbauernvorsitzender Helmut Daun. Das sieht auch Landwirt Wolfgang Keller aus Steffeln so, doch die Medaille hat zwei Seiten.
Keller hat einen Milchviehbetrieb mit 200 Kühen. "Die Milchpreise stimmen zwar im Moment, uns laufen aber die Kosten für Energie und Zukauffutter weg. Die Kosten sind in den letzten fünf Jahren um das Doppelte gestiegen", sagt er. Auch Manfred Zelder aus Wittlich ist mit den Milchpreisen zufrieden und sieht schon in die Zukunft. Er hat 140 Kühe im Stall, hält dazu Bullen und verkauft Getreide. "Die Wirtschaftlichkeit bei der Milcherzeugung ist besser geworden. Ich bekomme 39 Cent für den Liter Milch plus Zuschläge", sagt der 55-Jährige. Er will mit seinem Sohn unbedingt den Betrieb fortsetzen und erhalten. "Kleine Betriebe werden von der Politik doch regelrecht zur Aufgabe getrieben. Wir haben schon vieles hinter uns und schon vieles überstanden", sagt er. Nebenerwerbslandwirt Werner Engels aus Nohn ist dagegen nicht so zufrieden. Der 46-Jährige hat eine Mutterkuhhaltung und verkauft Gerste und Heu. "Es ist nicht so rosig. Die Preise für Fleisch könnten besser sein. Der Heuverkauf war mal ein gutes Geschäft und auch bei der Braugerste ist der Preis schlecht - die Mälzereien bezahlen nichts mehr", sagt er.
Bei der Milch tut sich was im nächsten Jahr, denn dann ist das Ende der Quote für Milch erreicht. Bereits jetzt gebe es eine enorme Menge über der Quote, sagt Daun. "Der Weltmarkt nimmt die Menge aber auf. Unsere hochqualitativen Produkte sind für den Weltmarkt prädestiniert, davon können wir profitieren. Wir können uns der Globalisierung sowieso nicht entziehen, die Ängste die manche noch haben, sollten abgelegt werden. Der Export hilft uns in der Landwirtschaft", appelliert Daun an die rund 100 Landwirte in Darscheid.
Was die Landwirte noch beschäftigt, ist das EU-Thema Greening. Das sieht vor, dass die Landwirte fünf Prozent der Flächen stilllegen sollen, was auf Widerstand stößt. "Wir müssen auf diesen Flächen produzieren, es kann nicht sein, dass uns diese Flächen weggenommen werden", sagt Helmut Daun. Auch Leo Blum, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau kündigt an, dass der Verband den "Widerstand dagegen in schärfster Weise zum Ausdruckbringen" wird. HG