Kleine Polizeireform: Fünf Orte wandern ab

Kleine Polizeireform: Fünf Orte wandern ab

Für die Bürger aus Nitz, Drees, Kirsbach, Brücktal und Welcherath kommen die Streifenwagen nicht mehr aus Daun, sondern aus Adenau (Kreis Ahrweiler). Die Strukturänderung ist seit 1. Januar in Kraft.

Kelberg/Daun. "In der Verbandsgemeinde Kelberg ist offenbar so viel los, dass sie gleich zwei Bezirksbeamte braucht", sagt der Leiter der Polizeiinspektion (PI) Daun, Heinz-Peter Thiel, beim Besuch im Kelberger Rathaus - mit einem Augenzwinkern. Denn dass es nun tatsächlich zwei Beamte gibt, die für die Betreuung der 33 Ortsgemeinden zuständig sind, hat nichts damit zu tun, dass das Kelberger Land ein polizeilicher Brennpunkt ist, sondern mit einer Änderung der Zuständigkeitsbereiche der Inspektionen in Daun und Adenau (Kreis Ahrweiler).

Kommunale Grenze wird aufgehoben: Das Innenministerium sowie die Polizeipräsidien Trier (zuständig für Daun) und Koblenz (zuständig für Adenau) haben beschlossen, dass seit 1. Januar die PI Adenau für die Orte Nitz, Drees, Kirsbach, Brücktal und Welcherath zuständig ist. Eine grundsätzliche Begründung, die angeführt wird: Die bisher in diesem Bereich strikt an den kommunalen Grenzen orientierte Ausrichtung habe "zum Teil einer effizienten polizeilichen Aufgabenwahrnehmung entgegengestanden".
Und auch ein spezifisches Argument wird genannt: Die fünf Gemeinden, die nun von Adenau betreut würden, gehörten zum sogenannten "Polizeilichen Einsatzraum Nürburgring". Wegen der Auswirkungen der vielen Veranstaltungen dort wie Rock am Ring oder Truck-Grand-Prix auf die Arbeit der Polizei sollten diese in einer Hand sein.

Zusammenarbeit hat auch bisher funktioniert: Insider sagen, dass deshalb nicht zwingend eine Änderung des Zuständigkeitsbereichs erforderlich gewesen wäre, weil die Zusammenarbeit bislang funktioniert habe. Aber für den Leiter der PI Adenau, Eugen Linden, ist der Schritt nachvollziehbar: "Es ist gut, dass es nun offiziell geregelt ist, wer wo zuständig ist", sagt er beim Treffen der PI-Chefs mit der Kelberger Verwaltungsspitze.
Dort und bei den Ortsbürgermeistern ist der Schritt allerdings nicht auf großen Beifall gestoßen. Zum einen, weil die bisherige polizeiliche Betreuung des gesamten Verbandsgemeindegebiets funktioniert habe und es keinen erkennbaren Grund für eine Änderung gebe.

Kritik am Vorgehen von Land und Polizeipräsidien: Zum anderen wird das Vorgehen von Land und Polizeipräsidien kritisiert. Bürgermeister Häfner war offiziell im Oktober vergangenen Jahres vom Trierer Polizeipräsidenten Lothar Schömann telefonisch über die Neustrukturierung informiert worden. Inoffiziell war sie allerdings schon Wochen vorher bekannt und Gegenstand eines Zeitungsartikels gewesen. Diese "kurzfristige, telefonische, drastische Mitteilung" an den VG-Bürgermeister und die Gemeinden zeuge "nicht gerade von der feinen Art", hat auch Rudi Weiler, Ortsbürgermeister von Nitz, moniert. Der Adenauer PI-Chef redet beim Treffen in Kelberg auch nicht lange drum herum: "Die Kommunikation war miserabel."
Aber die neue Struktur gilt, und das bedeutet, dass es nun zwei Bezirksbeamte der Polizei für die VG Kelberg gibt: einen von der PI Adenau für Nitz, Drees, Kirsbach, Brücktal und Welcherath sowie einen wie gehabt von der PI Daun für die übrigen 28 Orte (siehe Extra).

Personalbestand ändert sich in Daun nicht: Weniger Orte, weniger Personal? Nein, sagt der Sprecher des Polizeipräsidiums Trier, Karl-Peter Jochem: "Die Umstrukturierung des Dienstbezirks hat keine personellen Auswirkungen auf die PI Daun."Extra

Derneue Bezirksbeamte der PI Daun für die VG Kelberg ist Karl-Heinz Krämer (56). Er ist Nachfolger von Norbert Leinung, der in den Ruhestand gegangen ist. Für ihn ist die neue Funktion etwas Besonderes, tritt er damit doch in die Fußstapfen seines Vaters. Der war von 1956 bis 1971 Polizist in Kelberg. "Ich habe den Großteil meiner Jugend in Kelberg verbracht und bin wohl auch schon mit drei Jahren mit meinem Vater Streife gefahren", erinnert sich Krämer, der heute in Strohn wohnt. Er hat dienstags und donnerstags Sprechstunden im Kelberger Rathaus. Der Bezirksbeamte der PI Adenau, der nun auch in der VG Kelberg aktiv ist, heißt Alfred Kettel. Eingewöhnungsprobleme sieht er nicht: "Ich kenne die Ecke gut." Zudem ist die "Ecke" laut Heinz-Peter Thiel, Leiter der PI Daun, die "ruhigste im gesamten Zuständigkeitsbereich unserer Inspektion". mh