Kleiner Ort stemmt Bürgerbus-Projekt selbst

Kleiner Ort stemmt Bürgerbus-Projekt selbst

Nach positivem Bürgervotum hat Sarmersbach mit seinen knapp 200 Einwohnern ein ambitioniertes Vorhaben auf den Weg gebracht: Der Ort unterhält einen eigenen Bürgerbus, mit dem mehrere Dörfer bedient werden. Die Gemeinde arbeitet dabei eng mit dem Verein Bürger für Bürger zusammen.

Sarmersbach. In Deutschland gibt es etwa 250 Bürgerbusse, in Rheinland-Pfalz verkehren mittlerweile gut 40, darunter in mehreren Verbandsgemeinden in der Region Trier. Bald kommt ein weiterer hinzu, und der ist schon etwas Besonderes, denn dass eine kleine Gemeinde einen Bus anschafft und betreibt, ist eher selten.
Knapp 200 Einwohner hat Sarmersbach in der Verbandsgemeinde (VG) Daun, der Bürgerbus ist vor einigen Tagen in Empfang genommen worden. Knapp 30 000 Euro kostet er, bis auf einen 2000-Euro-Zuschuss von der Kreissparkasse bezahlt die Gemeinde ihn selbst.
Idee aus der Zukunftskonferenz


Wie kann sich ein kleiner Ort das leisten? "Dank der Einnahmen aus den fünf Windrädern auf unserer Gemarkung stehen wir finanziell gut da", sagt Ortsbürgermeister Dieter Treis. Geld ist also da, aber wie kommt man auf die Idee, einen solchen Bus anzuschaffen? "Wir hatten 2015 unsere Zukunftskonferenz, bei der mehrere Arbeitsgruppen entstanden sind, unter anderen die, die sich mit dem Projekt Bürgerbus beschäftigt hat", berichtet der Ortsbürgermeister. Als klar war, dass aus dem Projekt Realität werden könnte, wurden die Einwohner gefragt, was sie davon halten. "Es war von vornherein abgemacht, dass es keine einsamen Entscheidungen des Gemeinderats geben würde, sondern dass die Einwohner ihr Okay geben sollen. Was sie in diesem Fall mit großer Mehrheit getan haben."
Enge Zusammenarbeit


Ganz allein auf sich gestellt sind die Sarmersbacher nicht, sondern arbeiten mit dem Verein Bürger für Bürger (BfB) zusammen. Der will voraussichtlich ab Jahresende seinen Bürgerbus - ein Neunsitzer wie der Sarmersbacher, der für den normalen Führerschein reicht - regelmäßig rollen lassen.
BfB wird den größten Teil der VG Daun abdecken, bis auf die sogenannte Struth. Die übernimmt der Sarmersbacher Bus. "Unser Gebiet umfasst mehrere Dörfer: der Dauner Stadtteil Rengen, Sarmersbach, Nerdlen und Kradenbach in der VG Daun sowie Boxberg, Neichen und Beinhausen in der VG Kelberg", erklärt Treis.
Werden sich die Orte finanziell an den Unterhaltungskosten beteiligen? "Das ist nicht vorgesehen", sagt der seit 2009 amtierende Bürgermeister, "die Idee ist aus unseren Reihen gekommen, auch deshalb wollen wir Herr des Geschehens bleiben."
Anders als beim BfB-Konzept werden die Fahrer - drei gibt es schon - pro Stunde bezahlt, "in der Größenordnung, was auch der Gemeindearbeiter bekommt", sagt Treis. Wer den Bürgerbus nutzt, braucht dafür nicht zu zahlen, "Spenden werden aber gern angenommen". Vor allem das Thema Mobilität im Alter hat die Gemeinde Sarmersbach und BfB dazu bewogen, sich mit dem Projekt Bürgerbus zu befassen. Für immer mehr ältere Menschen stellen sich Fragen wie "Wie komme ich zum Arzt, zur Apotheke?" oder "Wie lange kann ich in meiner gewohnten Umgebung bleiben?" Bevor der Sarmersbacher Bürgerbus regelmäßig auf Tour geht, wird das Konzept noch detailliert ausgearbeitet. Es folgt ein Probelauf, "dann schauen wir mal, wie es sich anlässt", sagt Ortsbürgermeister Treis.
Er stellt klar: "Wir werden weder eine Konkurrenz für den ÖPNV noch für Taxiunternehmen sein. Unser Ziel ist wie das des BfB: eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Angebot."

Mehr von Volksfreund