Kneippbad geschlossen: Viele Fragen, große Sorgen

Kneippbad geschlossen: Viele Fragen, große Sorgen

Dass der Kurpark neu gestaltet wird, ist beschlossen. Aber immer noch ungeklärt ist, was aus dem unmittelbar angrenzenden früheren Kurmittelhaus wird. Zum Leidwesen des Kneippvereins, der im dortigen Bad viele Kurse anbietet - wenn es nicht gerade zu ist.

Daun. Und schon ist es wieder passiert: "Das Kurmittelhaus in Daun ist bis auf weiteres für den Badebetrieb geschlossen" wurde in dieser Woche verkündet. Schon wieder, weil das Haus schon Anfang des Jahres bereits für längere Zeit und im Juli für gut eine Woche nicht genutzt werden konnte. Im Februar musste das Dach saniert werden, nun ist es vermutlich eine Pumpe, die ihren Dienst versagt hat. Die Folge: Das Wasser im vom Kneippverein genutzten Warmbad lässt sich nicht regulieren, das Becken ist nur halbvoll, und das Wasser lässt sich nicht wie vorgesehen auf die üblichen 33 Grad erwärmen. "Unter diesen Umständen ist es leider unmöglich, das gewohnte Kursangebot aufrechtzuerhalten", sagt Kneippverein-Geschäftsführer Wolfgang von Wendt. Die in immer kürzeren Abschnitten verkündeten Hiobsbotschaften sind für ihn Anlass zu großer Sorge. "Einige Kursteilnehmer haben uns mitgeteilt, nicht mehr kommen zu wollen. Wenn sich das häuft, geht es für den Verein an die Existenz." Auf Einnahmen angewiesen: Der Verein ist auf die Einnahmen aus den 16 Wassergymnastikkursen mit mehreren Hundert Teilnehmern angewiesen. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kursgebühren. Mit diesen Einnahmen bezahlt der Verein die Übungsleiter und die Miete (6000 Euro im Quartal) für das Bad im früheren Kurmittelhaus an dessen Eigentümerin, die Stadt Daun. "Wir brauchen so viele Teilnehmer wie möglich, um die monatlichen Aufwendungen decken zu können", sagt von Wendt. "Je mehr abspringen, umso mehr steht die Zukunft des Vereins auf dem Spiel." Wichtig sei, so schnell wie möglich Planungssicherheit zu bekommen, denn "so wie jetzt, wenn alle paar Wochen die Kurse länger ausfallen, kann es nicht weitergehen". Wenn es keine Gewähr gebe, dass die Kurse regelmäßig stattfinden könnten, müsse der Verein umdisponieren und wie Anfang des Jahres Ausweichmöglichkeiten suchen. "Aber das geht nicht von heute auf morgen. Die Vorlaufzeit beträgt mindestens drei Wochen", sagt Willi Häp vom Kneippverein. Wann es weitergeht und wann es vor allem eine Entscheidung gibt, was mit dem Gesamtkomplex (Kurmittelhaus mit Kneippbad und Anbau, in dem sich eine Sauna befindet) geschieht, ist nach wie vor ungeklärt. Zwar gehört der Stadt das Gebäude, frei entscheiden, was damit geschieht, kann sie allerdings nicht. Zwei Landesbehörden haben klargestellt, dass die Heilquellenschutzverordnung, unter die auch das Areal am Dauner Sprudel mit dessen Quellen fällt, nur sehr wenige Veränderungen erlaubt. Oder wie es der Stadtbeigeordnete Manfred Krag formuliert: "Wir können zurzeit so gut wie nichts machen, sind aber nach wie vor bemüht, eine Lösung zu finden." Kein Fördertopf in Sicht: Zunächst müsse untersucht werden, was die Sanierung der Leitungen unterhalb und im Kurmittelhaus kosten würde. Auch dessen Substanz müsse geprüft werden. "Erst wenn diese Ergebnisse vorliegen, kann über das weitere Vorgehen entschieden werden", sagt Krag. Würde nur das Notwendigste gemacht, wären allein dafür an die 250 000 Euro fällig. Allerdings ist nach wie vor kein Fördertopf in Sicht, aus dem die Stadt schöpfen könnte, um eine wie auch immer geartete Sanierung in Angriff zu nehmen. Vielleicht vom Land? Zumindest hat der Stadtbeigeordnete Dieter Wilhelm den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Daun, Werner Klöckner, in der jüngsten Stadtratssitzung gebeten, auszuloten, ob es nicht doch einen Zuschuss aus Mainz geben könnte. Meinung

In der ZwickmühleAuch wenn alle Stadtratsfraktionen bekundet haben, das Kurmittelhaus erhalten zu wollen: Angesichts der vielen ungelösten Fragen darf auch eine Diskussion über einen Abriss nicht tabu sein - wenn er denn überhaupt genehmigt würde. Denn allein schon die strengen Auflagen durch die Heilquellenschutzverordnung schränken die Gestaltungsmöglichkeiten der Stadt massiv ein. Vom Geld ganz zu schweigen: Es darf sich keiner wundern, wenn bei der Ermittlung der Sanierungskosten eine Summe rauskommt, die alle bisherigen Gedankenspiele zunichtemacht. Aber einfach dichtmachen, das kann es auch nicht sein. Ein dem Verfall preisgegebenes Gebäude am Eingang zum runderneuerten Kurpark wäre die denkbar schlechteste Visitenkarte für die Stadt. Die Hotelruine am Stadtrand reicht als Negativ-Blickfang völlig. Eigentlich müsste alles ganz schnell gehen, damit auch der Kneippverein seine künftige Strategie planen kann, aber großer Optimismus ist nicht angebracht: Das Kurmittelhaus wird der Stadt noch länger ein gewaltiger Klotz am Bein sein. s.sartoris@volksfreund.deExtra

Das Kurmittelhaus erinnert daran, dass die Kur in Daun einst ein Wirtschaftsfaktor für die Kreisstadt war. Der Dauner Sprudel betrieb das Haus bis in die 1960er Jahre. Als der sich zurückzog, pachtete die Stadt 1969 das Kurmittelhaus, verpachtete es aber wieder unter. Mitte der 1990er Jahre wurde in das Kurmittelhaus viel Geld gesteckt, nachdem es mehr als zwei Jahre nicht genutzt worden war. Der Pachtvertrag zwischen Stadt und Sprudel hätte bis 2026 laufen sollen, aber 2010 kaufte die Stadt Daun den Gebäudekomplex (Kurmittelhaus plus Anbau) vom Unternehmen. Damals befand sich dort neben einer Sauna, die nach wie vor geöffnet ist, auch eine Physiotherapie-Praxis, die aber Mitte 2010 geschlossen wurde. Seitdem ist der Kneippverein der einzige Nutzer. sts