Knüppel aus dem Sack

Es war einmal eine kleine Stadt. Die lag wunderschön, umgeben von malerischen Felsen, an einem munteren Bach, welchen man Kyll nannte. Im Städtelein sprudelten Quellen gar lustig aus der Erde Schoß, weshalb es auch Brunnenstadt geheißen wurde.

Menschen in vielen Ländern erfreuten sich der gesunden Quellgewässer; Mägen, Därme, Nieren und dergleichen lebenswichtige Innereien freuten sich über die Zufuhr an wunderbar gesunden Mineralien. Die allergrößte Freude genoss jedoch der örtliche Sprudelbetrieb. Ja, Freude überall! Nur im Städtchen selbst blieb die Freude nicht ungetrübt - und das kam so: Die dort lebenden, meist fleißigen und bescheidenen Leute wurden regiert von einigen wenigen und von - was leichtsinnigerweise oft vergessen wurde - von allen gewählten Mitmenschen. Diese nannten sich stolz Stadtrat. Dieser Stadtrat, fälschlicherweise mitunter "statt Rat" geschrieben, zerfiel alsbald: Es bildeten sich Gruppen, die mal Fraktion, mal Wählergemeinschaft hießen. Besonders verhaltensauffällig wurde jene mit den drei streitbaren Mitgliedern, hier mal Steinmüller, Machtjanix und Eisenhans benannt. Ihre Aktionen ähnelten etwas denen der Nachkommen jenes Schneiders, der im Märchen der Brüder Grimm nur eine einzige Ziege besaß. Doch anders als im Märchen, verfügten die drei weder über die Fähigkeiten, ein Tischlein zu decken, noch dem Esel "Bricklebrit" Goldstücke zu entlocken. Einzig dem Eisenhans gelang es, den Knüppel aus dem Sack hüpfen zu lassen. Und weil dies allzu oft geschah, kam es, dass im Stadtrat des Städteleins die Freude verschwand. So stritt man sich, sprach von "Mist und Misstrauen" und war sich untereinander nicht mehr gut. So wird es wohl oder übel weiter gehen, bis der Eisenhans irgendwann mal, aus Langeweile oder aus Müdigkeit, spricht: "Knüppel, in den Sack!" Dann käme wohl wieder Freude auf beim Stadtrat, bei den Leuten im Rathaus und den Menschen auf der Straße. Diese verstanden die vielen Knüppel-aus-dem-Sack-Geschichten ohnehin nicht - allenfalls als Märchen, wie auch

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