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Könnte ich noch lesen…

Könnte ich noch lesen…

Mathilde Wölwer kam am 26. Mai 1908 auf die Welt und lebt heute noch in dem Haus, in dem sie geboren wurde. Dort feierte sie ihren 100. Geburtstag. Davon und aus ihrem Leben erzählte sie beim Besuch des Trierischen Volksfreunds.

Höchstberg. (bb) "Mehr als 100 Gratulanten", haben Mathilde Wölwers Sohn Ewald und seine Frau Helga am 100. Geburtstag ihrer Mutter und Schwiegermutter gezählt - "von morgens zehn bis abends zehn". Vor dem Haus hatten sie ein Zelt aufgebaut, und dort nahm Mathilde Wölwer die Glückwünsche von kommunalen und kirchlichen Vertretern, von Bekannten und Nachbarn entgegen. Der Briefträger brachte einen ganzen Stapel von Geburtstagskarten, darunter auch eine von Bundespräsident Horst Köhler. Der Musikverein Uersfeld und ein erst vor kurzem gegründeter Höchstberger Frauenchor brachten ihr Ständchen. "Es war anstrengend, aber es war ein wunderbarer Tag", sagt die Jubilarin. Ein Meer von Blumen und anderen Geschenken erinnert noch an die große Aufmerksamkeit, die Mathilde Wölwer an ihrem Geburtstag erfahren hatte. Im Kreis der Familie, wozu allen voran Sohn, Schwiegertochter und Enkelsohn gehören, wurde ihr 100. Geburtstag am Samstag gefeiert."Dank der guten Pflege" habe sie ein so hohes Alter erreicht, lautet ihre Antwort auf die Frage nach dem Geheimnis ihres recht guten körperlichen und geistigen Zustands. Alt zu werden liege wohl auch in der Familie: Ihr Vater sei 88, einer ihrer Brüder 97 Jahre alt geworden. "Könnte ich noch lesen", wünscht sie sich. Die Lektüre von Romanen und Zeitschriften habe zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehört, bis vor einigen Jahren die Sehkraft immer mehr nachließ.Mathilde Wölwer wuchs mit vier Brüdern in Höchstberg auf, ihr Mädchenname war Lanser. 1938 heiratete sie den Schuhmacher Johann Wölwer aus Arbach, 1939 wurde Sohn Ewald geboren. Die letzte Nachricht von ihrem Mann, der 1941 Soldat geworden war, erhielt seine Familie im Januar 1945. "Wir haben nie erfahren, wo er sein Leben verloren hat", erzählt Mathilde Wölwer. Gerade die Nachkriegszeit sei für sie sehr hart gewesen. Sie arbeitete in der Landwirtschaft ihrer Eltern mit, und sie war in Höchstberg und den umliegenden Dörfern als Näherin bekannt und gefragt.