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Kollektives Aufatmen auf windiger Höhe

Kollektives Aufatmen auf windiger Höhe

Gerolsteiner Soldaten kehren gesund von Auslandseinsätzen heim. Verheerender Anschlag in Afghanistan war in der Nähe ihres Lagers.

Gerolstein-Lissingen Erleichterung: Mit einem feierlichen Appell und einem Grillnachmittag in der Eifelkaserne Auf windiger Höhe in Gerolstein-Lissingen sind alle 120 Soldaten des Führungsunterstützungsbataillons 281 begrüßt worden, die in den vergangenen Monaten im Auslandseinsatz waren: von Afghanistan über den Irak bis nach Mali.
Kommandeur Oberstleutnant Christian Sohns, für den es das erste Kontingent war, das er auf gefährliche Mission geschickt hatte, zeigte sich erleichtert und erfreut, dass alle unversehrt zurückgekehrt sind. "Ich freue mich außerordentlich, dass ich Sie hier alle wieder gesund begrüßen kann und bin sehr froh, keine ihrer Verwandten besucht haben zu müssen, um schlechte Nachrichten zu überbringen", sagte er zu den Soldaten.
Das galt ganz besonders vor dem Hintergrund des Angriffs der Taliban auf ein Lager der afghanischen Armee in Masar-i-Sharif, bei dem rund 150 afghanische Soldaten getötet wurden. Denn erstens befindet sich der Anschlagsort nur wenige Kilometer vom Lager der Gerolsteiner Soldaten, zweitens würden einige von ihnen dort regelmäßig als Ausbilder arbeiten. Im TV-Gespräch führte Sohns aus: "Unsere Leute werden dort mehrmals in der Woche mit dem Hubschrauber eingeflogen. Als der Anschlag passierte, war aber glücklicherweise unser Kontingent schon auf der Heimreise." Als er die Nachricht vom Terrorakt erhalten habe, sei sein erster Gedanke gewesen: "Wen haben wir in Afghanistan, von wann bis wann sind die Männer und Frauen dort? Doch im nächsten Augenblick wusste ich sofort: bis auf einen Soldaten ist keiner mehr vor Ort. Und dieser sitzt im Stab, verlässt also das eigene Lager in der Regel nicht. Da fällt einem schon ein großer Stein vom Herzen."
Werde unter den Soldaten über den viermonatigen Auslandsaufenthalt schon mal gescherzt ("Ah, wieder vier Monate bezahlter Urlaub in Bad Mazar!"), werde angesichts solcher Nachrichten "rasch deutlich, welchen Gefahren wir ausgesetzt sind", betonte der Oberstleutnant, der ab Oktober selbst für mehrere Monate nach Afghanistan geht.
Gerade erst von dort und zugleich seinem ersten Auslandseinsatz zurückgekehrt ist Oberleutnant Michael Burg. Er sagte dem TV: "Ich bin zufrieden und froh, wieder zu Hause zu sein. Man lernt sehr zu schätzen, was man hier hat." In die gleiche Kerbe schlug Oberleutnant Alexander Kipp: "Es ist ungewohnt, aber sehr schön, wieder ganz normale Dinge zu tun: einkaufen gehen, zu Fuß in die Stadt - und nicht im gepanzerten Fahrzeug."
Auf jeden Fall habe sich die Familie, vor dem Hintergrund des Anschlags, bei der Rückkehr sehr gefreut: "Die erste Umarmung fiel deutlich inniger aus als üblich. Definitiv! Von der Familie ist da auch eine ganz schöne Last abgefallen." Oberleutnant Burg fügt hinzu: "Nach der Terrornachricht war auf meinem Handy ganz schön was los. Viele wollten wissen, wie es mir geht."
Auch Gerolsteins Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz zeigte sich "froh und erleichtert, dass Sie Ihren Auftrag erfolgreich erfüllt und gesund nach Gerolstein zurückgekehrt sind". Dankend nahm er das Stadtschild wieder entgegen, das er den Soldaten mit in den Einsatz gegeben hatte - als Erinnerung an die Heimat.
Das wird im November wieder und dann länger auf die Reise gehen - nach Afghanistan. Denn anders als bisher werden die Gerolsteiner IT-Soldaten nicht mehr in alle möglichen Einsatzländer geschickt, sondern gemeinsam mit ihren Kameraden aus Kastellaun dort für ein Jahr die gesamte Informationstechnologie stellen: vom Telefon- und Internetnetzwerk vor Ort bis hin zu den Verbindungen via Satellit in die Heimat. Dafür werden 140 Gerolsteiner Soldaten entsandt, die laut Sohns zwischen zwei und sechs Monaten dort eingesetzt werden.
"Im kommenden Jahr blickt das Gerolsteiner Bataillon dann bereits auf 25 Jahre Auslandseinsätze zurück, seit dem ersten Einsatz in Somalia", betont der Kommandeur. Und derweil er an die Politik den Appell richtet, seine Truppe personell und materiell besser auszustatten und mit Augenmaß über künftige Auslandseinsätze zu entscheiden, "da wir schon lange an der Grenze des Leistbaren angelangt sind", machen sich seine Soldaten bei Bier, Würstchen und Gesprächen einen lockeren Nachmittag - um runter- und wieder anzukommen und das Erlebte zu verarbeiten.