Kollektoren statt Kiesabbau - Ralingen bekommt eine Fotovoltaikanlage

Kollektoren statt Kiesabbau - Ralingen bekommt eine Fotovoltaikanlage

Für rund 3,5 Millionen Euro soll bei Ralingen-Kersch eine Fotovoltaikanlage entstehen. Verantwortlich dafür sind alte Hasen in Sachen Energieerzeugung.

Ralingen/Aach Regenerative Energien werden immer wieder als Grund für hohe Strompreise ins Feld geführt. Dem widerspricht Horst Schneider, Geschäftsführer der WES Green GmbH. Inzwischen liege der zu erzielende Preis für Fotovoltaikstrom mit rund 6,5 Cent pro Kilowattstunde auf ähnlichem Niveau wie Strom, der aus Erdgas- oder Kohlekraftwerken kommt. Schneider würde sich natürlich freuen, wenn es für den Strom aus der neuen Fotovoltaikanlage unweit der Frankenhöhe bei Aach-Hohensonne den ein oder anderen Zehntelcent mehr gibt. Doch erst einmal muss der entsprechende Bebauungsplan gültig werden. Erst dann kann mit dem Bau der Anlage begonnen werden, die rund sieben Hektar Fläche groß sein wird, vermutlich rund 3,5 Millionen Euro kostet und eine Leistung von maximal 4,5 Megawatt hat. Das reicht, um ungefähr 1500 Haushalte mit Strom zu versorgen.
Es ist eines der ersten Projekte, die Schneider umsetzt. Und doch wieder nicht. Denn der Geschäftsführer und sein Team sind schon seit mehreren Jahren im Geschäft. Und zwar lange Zeit für den Bürgerservice Trier. Der war bereits 2007 am Bau einer Anlage in Longuich beteiligt. Viele weitere folgten.
Unter anderem in Langsur, auf dem Trierer Petrisberg oder auf der früheren Mülldeponie Sehlem. Der Gedanke dahinter war auch, den Garten- und Landschaftsbauern des Bürgerservice Aufträge zu verschaffen. Später kümmerte sich der Bürgerservice sogar um den kompletten Genehmigungsprozess und den Bau der Anlagen.
Das wirtschaftliche Konzept Integrationsunternehmen ist bekanntlich nicht aufgegangen. Es folgte die Insolvenz in Eigenverwaltung. Ein Ergebnis dieses Verfahrens war, dass die Sparte Fotovoltaik nicht mehr weiter betrieben werden sollte. Zwei Firmen übernahmen das Geschäft und gründeten eine neue Firma: die WES Green GmbH (siehe Info).
Neue Anlagen in Klüsserath und Hetzerath sind bereits im Probetrieb, in Niersbach soll ab Mitte April Strom erzeugt werden, in Üdersdorf (Landkreis Vulkaneifel) beginnen vermutlich im April die Arbeiten.
Wer nun fürchtet, dass bei der Anlage auf der Gemarkung Ralingen-Kersch bestes Ackerland mit Sonnenkollektoren zugepflastert wird, der kann sich wieder beruhigen. Auch die Angst vor dem Flächenverbrauch sei unbegründet, sagt Schneider. Der Standort befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs, der wieder verfüllt worden ist. Schließlich ist die Lage der Anlagen eine der Bedingungen dafür, vom Erneuerbare-Energien-Gesetz zu profitieren. Konversionsflächen zählen ebenso dazu wie Flächen entlang der Autobahnen.DIE FIRMEN HINTER DER WES GREEN GMBH

Extra

Die in Trier beheimatete Firma gehört zu jeweils 50 Prozent der Enovos Renewables GmbH aus Saarbrücken und der Wircon GmbH. Das Unternehmen wurde 2016 gegründet. Die Enovos wiederum ist eine Tochter der luxemburgischen Enovos Luxembourg, dem größten Energieversorger des Großherzogtums. Die Firma Wircon hat ihren Sitz in Baden-Württemberg. Sie ist im Bereich Windkraft und Fotovoltaik aktiv. Eigentümer ist Dietmar Hopp, Mitbegründer des Softwareherstellers SAP.

Mehr von Volksfreund