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Kooperieren statt konkurrieren

Kooperieren statt konkurrieren

Weniger ist mehr: Nach Jahren hoher Tourismus-Investitionen wurde 2007 der geforderte Konsolidierungsprozess eingeleitet. Das zeigt die Bilanz der Tourismus- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (TW) Gerolsteiner Land.

Gerolstein. "Wir sind auf dem richtigen Weg, aber die Gästezahlen und Kosten stehen noch nicht in der richtigen Relation." Mit offenen Worten kommentiert TW-Geschäftsführer Hans-Peter Böffgen die TW-Bilanz für 2007. Einem Finanzbedarf von rund 540 000 Euro (Verbandsgemeinde: 464 000 Euro, Stadt: 66 000 Euro; Gewerbeverein, Vulkaneifelbahn Volksbank Eifel-Mitte: 10 000 Euro) auf der einen Seite stehen auf der anderen Seite 50 254 Gäste (2006: 49 478) und 164 568 Übernachtungen (2006: 165 573) gegenüber. 2008: Tourismusgeschäft kostet 520 000 Euro

Das entspricht einem Umsatz von 12,1 Millionen Euro (2006: 12,17 Millionen Euro), da statistisch mit jeder Übernachtung Ausgaben von 73,50 Euro verbunden sind.2008 sinkt der Finanzbedarf voraussichtlich auf 520 000 Euro (Verbandsgemeinde: 446 000 Euro, Stadt: 64 000 Euro; Gewerbeverein, Vulkaneifelbahn Volksbank Eifel-Mitte: 10 000 Euro), 2009 soll er bei 500 000 Euro liegen. Das Problem: Die durchschnittliche Verweildauer der Gäste im Gerolsteiner Land wird kürzer. Böffgen sagt: "Während ein Wochenend-Trip früher mit zwei Übernachtungen verbunden war, beginnt für die meisten Gäste heute der Urlaub erst Samstagfrüh."Zugenommen haben hingegen die Gästekontakte, also die Arbeit im Tourismus-Büro. Während sie im Jahr des Umzugs (1. Mai 2005) vom Brunnenplatz in die Bahnhofsstraße bei 33 402 lag, stieg sie 2006 auf 36 110 und 2007 auf 37 554. "Der Umzug hat sich gelohnt", sagt Böffgen, fügt aber auch hinzu: "Wir haben einen vergleichsweise hohen Personalbestand, also eine Stelle mehr als üblich. Daher ist es schon klar, dass wir die Kosten-Nutzen-Relation immer wieder hinterfragen müssen." Erklärtes Ziel sei aber, eine "hohe Beratungsqualität" zu gewährleisten.Mehr Qualität und dafür hier und da weniger Quantität - das ist ein zentrales Motto für Böffgen. Danach wurden unter anderem die Geo-Routen im Gerolsteiner Land um rund 100 Kilometer gestrafft, das Sprudelfest um einen Tag verkürzt ("Die Straffung war notwendig und hat sich bewährt"). Und dieser Weg soll nach dem Willen des TW-Geschäftsführers kontinuierlich weiter verfolgt werden. "Ich bin felsenfest davon überzeugt: Nur vier Stunden durch den Wald laufen zu können, lockt kaum einen Gast in die Eifel. Der Erlebniswert muss erhöht, die Routen müssen mit noch mehr Stationen ausgestattet werden." Stärkere Vernetzung bestehender Angebote

Zudem will er die Vernetzung mit den Nachbarn stärker vorantreiben und nennt als Positiv-Beispiel die Verbindung der Duppacher mit der Steffelner Geo-Route. "Wir haben aus zwei Rundwegen eine 8 mit gemeinsamem Treffpunkt am Eichholzmaar gemacht. An einem Tag übernehmen wir die Führungen, am anderen Tag die Kollegen von der Oberen Kyll", berichtet Böffgen. Heraus kommt bei gleichem Aufwand ein größeres Angebot für den Gast. Bei zahlreichen weiteren touristischen Angeboten sei das ebenfalls möglich. Dieses Potenzial zu nutzen, sei eine der zentralen Aufgaben für die Zukunft, sagt der Touristiker. EXTRA Hans-Peter Böffgen (42) ist seit sieben Jahren ist Geschäftsführer der TW Gerolsteiner Land. Ende 2001 trat er auf Geheiß von Ex-Bürgermeister Adolf Rodermann zunächst kommissarisch die Nachfolge von Irmgard Dunkel an, die gekündigt hatte. Aus der Spontan- wurde eine Dauer-Lösung. An die vielen Freiheiten des Jobs hat er sich mittlerweile gewöhnt. Er sagt: "Es wäre bestimmt eine große Umstellung, mich wieder an das starre Korsett der Arbeit im Rathaus zu gewöhnen, das durch die vielen Vorgaben nun einmal bedingt ist." Dennoch war und ist die Rückkehr ins Rathaus immer wieder ein Thema - zuletzt in Zusammenhang mit dem Ausscheiden von Büroleiter Edgar Weis. Nachdem nun aber Hans-Josef Hunz, der nach einem Auslandsaufenthalt seiner Familie in der Schweiz vom Sommer 2005 bis März dieses Jahres wieder zurückgekehrt ist und den Posten übertragen bekommen hat, ist "nun erst einmal zwei bis drei Jahre Ruhe", sagt Böffgen und betont: "Ich bleibe hier bis 2010." Dann würden die Karten neu gemischt, da mehrere Abteilungsleiter im Rathaus in Ruhestand gingen. (mh)