Kreis sagt ja zu mehr 500 Hektar mehr Gesteinsabbauflächen in der Vulkaneifel

Rohstoffgewinnung : Kreis sagt ja zu mehr Gesteinsabbau in der Vulkaneifel - Bürger empört

Ausschuss stimmt Vorschlag des Fachbüros mit 500 Hektar mehr Gruben zu, fordert aber mehr Zugeständnisses beim Landschaftsschutz. Obwohl keine neuen Berge angetastet werden, sind Bürger und Naturschützer empört.

Ungeachtet der rund 80 Demonstranten, die vorm Forum Daun gegen einen noch umfangreicheren Gesteinsabbau in der Vulkaneifel protestierten und sich dann mit ihren Plakaten auf den Weg zur Kreisverwaltung machten, sagte der alte Kreisausschuss in seiner letzten Sitzung vor der Kommunalwahl ja zu rund 500 Hektar mehr Abbauflächen in den nächsten Jahren im Landkreis Vulkaneifel. Das entspricht der Größe von rund 700 Fußballfeldern, die zu den bereits genehmigten Gruben mit einer Größe von 770 Hektar hinzukommen. Diese sollen  künftig erweitert werden. Bislang unangetastete Eifelberge sollen aber verschont werden. Das Votum fiel mit großer Mehrheit aus, lediglich die Grüne Eva Pestemer stimmte dagegen.

Der Beschluss orientiert sich fast deckungsgleich an dem Gutachten des Fachbüros agl aus Saarbrücken, das in einem jahrelangen Diskussionsprozess mit den politischen Akteuren, den Abbauunternehmen, Naturschützern und besorgten Bürgern entwickelt wurde, doch er ist nicht endgültig. Vielmehr stellt er die politische Meinungsäußerung des Kreises Vulkaneifel bei der Aufstellung des regionalen Raumordnungsplanes dar, den die Planungsgemeinschaft der Region Trier nun auf den Weg bringen wird. Dabei hat der Kreis weitere Einwirkungsmöglichkeiten. Und die will er, so die übereinstimmenden Aussagen von Landrat Heinz-Peter Thiel sowie den Fraktionsvorsitzenden, wahrnehmen.

Bereits beim Beschluss vom Montagabend wurde die Zustimmung an drei Bedingungen geknüpft: Erstens fordert der Kreis, dass alle Flächen, die aktuell nicht als Vorrang- oder Vorbehaltsflächen für den Gesteinsabbau vorgesehen sind, in Zukunft definitiv von einer Rohstoffgewinnung ausgenommen werden. Zweitens will er erreichen, dass die im Kernbereich des Kreises wegen der besonderen Bedürfnisse des Landschafts-, Natur- und Mineralwasserschutzes geltenden strengeren Richtlinien auf den gesamten Kreis angewandt werden.

Und drittens soll über einige Erweiterungen, die der Kreis als sehr kritisch ansieht (wie am Fuchskopf bei Daun oder der Kyller Höhe bei Hillesheim), nochmals gesprochen werden – nachdem zuvor die betroffenen Gemeinden gehört wurden.

All das – das agl-Gutachten als Basis samt der vorgeschlagenen Änderungen – soll nach dem Willen der Fraktionen in einem Kreiskonzept zum Gesteinsabbau münden, dass dann der zuständigen Planungsgemeinschaft zugesandt wird. Und zwar zügig. SPD-Fraktionsvorsitzender Jens Jenssen brachte es auf den Punkt: „Bereits in seiner ersten Sitzung im September soll sich der neue Kreistag mit einem ersten Entwurf dieses Kreiskonzeptes auseinandersetzen. Wir wollen und dürfen keine weitere Zeit verlieren.“

Landrat Thiel bezeichnete den aktuellen Beschluss als einen „guten Kompromiss“ – und sowohl die Sprecher von CDU, Gordon Schnieder, von FWG, Alfred Lorenz, und von SPD teilten diese Einschätzung. Roland Wernig, leitender Planer der Planungsgemeinschaft Region Trier, betonte nochmals den gesetzlichen Auftrag zur Rohstoffsicherung und meinte: „Schauen Sie sich die Karte an und blicken Sie auf die Bereiche, wo kein Abbau vorgesehen ist.“ Doch dafür erntete er nur höhnisches Lachen im Saal.

Denn die Grünen, die Linken, (die aber nicht im Kreisausschuss vertreten sind), die Bürgerinitiative (BI) Eifelvulkane und die meisten Naturschützer sehen dies komplett anders. Für sie kommt der Beschluss mit einer Erweiterung um 500 Hektar Abbauflächen einem Raubbau an der Natur und einem Ausverkauf der einzigartigen Vulkaneifellandschaft gleich.

BI-Sprecherin Resi Schmitz sagte, nachdem sie ihre Plakate zusammengerollt und im Auto verstaut sowie sich von ihren Mitstreitern verabschiedet hatte: „Natürlich bin ich sehr enttäuscht, aber nach den vergangenen Wochen und Monaten erst mal total leer. Mal sehen, wie es jetzt weitergeht.“

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