Kreis Vulkaneifel baut Kapazitäten für Flüchtlinge ab - Von den rund 300 Plätzen sind derzeit knapp 90 belegt

Kreis Vulkaneifel baut Kapazitäten für Flüchtlinge ab - Von den rund 300 Plätzen sind derzeit knapp 90 belegt

Aus sechs Unterkünften im Kreis sind fünf geworden: Die Anlaufstelle für Flüchtlinge in Kelberg wird nicht mehr gebraucht. An Arbeit mangelt es aber trotzdem nicht, beispielsweise für die sogenannten Beschäftigungspiloten. Für mehr als 200 Flüchtlinge erarbeiten sie ein Profil, um zu klären, in welcher Branche sie möglicherweise eine Beschäftigung finden könnten.

Foto: (e_daun )

Daun/Gerolstein. Sonja Ewertz und Dietmar Engeln haben den Tag im Herbst 2015 noch genau im Kopf, als das Foyer der Kreisverwaltung in Daun komplett mit Flüchtlingen gefüllt war. "30 an einem Tag: Da war Ausnahmezustand hier im Haus", erinnern sich die Leiterin der Abteilung Sicherheit, Ordnung und Verkehr und der Leiter der Abteilung Soziales. Schnelles Handeln war gefragt: "Jeder, der verfügbar war, wurde eingesetzt, um bei der Registrierung zu helfen, damit die Menschen so schnell wie möglich in die Unterkünfte gebracht werden konnten."

Bis zu 40 Flüchtlinge wurden in der Hochzeit 2015 pro Woche von den zentralen Aufnahmeeinrichtungen für Asylbegehrende (Afa) in den Kreis Vulkaneifel geschickt, weit davon entfernt sind die Zahlen des laufenden Jahres. Waren es im Januar noch 95, sank die Zahl bis Juni auf 24 (inklusive vier Geburten). Das bedeutet: Es werden nicht mehr alle im vergangenen Jahr eingerichteten Unterkünfte gebraucht. So kommen ins Hotel Zur Reichspost in Kelberg seit Juni keine Flüchtlinge mehr. 291 Plätze gibt es in Steineberg, Deudesfeld-Desserath, Jünkerath, Schüller und Kerpen, 87 sind aber derzeit nur belegt. "Es gibt unterschiedliche Vertragslaufzeiten für die Häuser, teilweise sind sie noch bis Ende 2017 gemietet", sagt die Pressesprecherin des Vulkaneifelkreises, Verena Bernardy. "Damit sind wir gewappnet, wenn doch wieder mehr Flüchtlinge kommen."

Zwar ist deren Zahl, wie überall in Deutschland, nach Schließung der Balkanroute und dem Vertrag zwischen der EU und Türkei über die Rückführung von Flüchtlingen stark gesunken, aber die Kreisverwaltung hat nach wie vor genug zu tun. Zwischenzeitlich haben fast alle Flüchtlinge aus Syrien einen Asylantrag gestellt und viele haben auch schon Antwort erhalten.

Die Anerkannten werden nun vom Jobcenter des Kreises betreut. Im vergangenen Jahr haben sich 130 Flüchtlinge für eine freiwillige Rückkehr in die Heimat entschieden, 20 wurden abgeschoben. Aber selbst wenn ein Flüchtling zurück will, in manchen Fällen ist das gar nicht so einfach angesichts der Lage in den Krisengebieten im Nahen Osten.

Sonja Ewertz und Dietmar Engeln erzählen von einem Syrer, der seine Familie zurückgelassen hatte und unbedingt wieder zu Frau und Kindern wollte. Allerdings gab es lange keine Flugverbindung, erst nach langem Warten konnte er über Teheran nach Damaskus fliegen. "Von manchen bekommen wir per E-Mail eine Rückmeldung, dass sie gut angekommen sind. Darüber freuen wir uns und hoffen, dass diese Menschen vielleicht wieder eine Perspektive haben in ihrer Heimat, die sie ja in der Regel nicht freiwillig verlassen haben."

Voll im Einsatz sind die Beschäftigungspiloten, die Flüchtlinge auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereiten. Für mehr als 200 Flüchtlinge wurde ein Profil erarbeitet, um zu klären, in welcher Branche sie möglicherweise eine Beschäftigung finden könnten. "So schnell wie mal vorgesehen, geht es jedenfalls nicht, sind doch viele auch bürokratische Hürden zu nehmen. Die Menschen müssen erst einigermaßen Deutsch gelernt haben, bevor sie auf dem deutschen Arbeitsmarkt eine Chance haben", ist die Erfahrung der Abteilungsleiter.

Aber kleine Rückschläge trüben die Bilanz von Landrat Heinz-Peter Thiel nicht: "Wir sind gut gefahren mit unserem Weg der dezentralen Unterbringung, es hat keine Getto-Bildung im Kreis gegeben. Nach wie vor engagieren sich viele Bürger aus dem Kreis in der Flüchtlingsbetreuung. Wie schon mehrfach gesagt: Wir müssen die Leute, die bleiben können, überzeugen, dass sie sich hier niederlassen. Wir brauchen sie für unsere Dörfer, Schulen, Kindertagesstätten und die heimische Wirtschaft."

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