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Kreis will nicht am Jugendtaxi rütteln

Kreis will nicht am Jugendtaxi rütteln

Vor zehn Jahren ist das Jugendtaxi für den Kreis Vulkaneifel eingerichtet worden. Während in der Anfangszeit die Zahl der Jugendlichen, die den Service nutzten, stetig stieg, ist sie in jüngster Zeit deutlich zurückgegangen: um mehr als die Hälfte.

Daun. Manch einer hatte 2004 dem Projekt Jugendtaxi im - damals noch - Kreis Daun ein nur kurzes Bestehen prognostiziert, aber bekanntlich leben Totgesagte ja länger. Was auch für das Jugendtaxi gilt: Zehn Jahre nach seiner Einrichtung will es niemand missen. Ziel war und ist immer noch: Die Zahl beispielsweise der schweren Disko-Unfälle so gering wie möglich zu halten. Um das zu erreichen, wurde die günstige Alternative für die Heimfahrt von Festen und Veranstaltungen angeboten.
Schnell hatte sich das Jugendtaxi etabliert: Wurde es im ersten Jahr seines Bestehens noch von 6766 Jugendlichen genutzt, schnellte die Zahl immer weiter nach oben bis über 10 000. So wurden 2006 11 167 Jugendliche befördert.
Verhalten hat sich geändert


Allerdings ist man heute von solchen Zahlen weit entfernt. 2010 wurden noch 9572 Jugendliche gezählt, 2012 sank die Zahl auf 6731, und im vergangenen Jahr gab es noch einmal eine deutliche Reduzierung auf 4500. Ein Rückgang von mehr als der Hälfte binnen relativ kurzer Zeit, da wundert es nicht, dass man sich beim Kreis, der für die Organisation des Jugendtaxis zuständig ist, Gedanken macht, wie dieser Trend zu stoppen sein könnte.
Ein Grund ist, dass es heute weniger Jugendliche gibt als vor zehn Jahren, aber damit allein ist der Rückgang nicht zu erklären. "Das Verhalten der Jugendlichen hat sich geändert", stellt Horst Krämer, Verkehrssicherheitsexperte der Dauner Polizei, fest. "Sie organisieren seit geraumer Zeit immer mehr selbst. Bevor es zur Disco oder zu einer Veranstaltung geht, wird festgelegt, wer fährt", beschreibt Krämer, zugleich Geschäftsführer der Kreisverkehrswacht, seine Erfahrungen. "Und das wird meiner Kenntnis nach auch durchgezogen. Die Jugend ist viel vernünftiger, als wir manchmal meinen."
Das lange Jahre als Erfolgsmodell eingeschätzte Jugendtaxi will er trotz der gesunkenen Nutzerzahlen (die nicht nur im Kreis Vulkaneifel zu verzeichnen sind, siehe Hintergrund) keinesfalls infrage stellen. "Wir als Polizei haben die Einführung 2004 sehr begrüßt, und auch wenn die Resonanz derzeit nicht mehr so groß ist, ist das Jugendtaxi nach wie vor sinnvoll und erfolgreich und sollte unbedingt weiter bestehen", stellt Krämer klar. Es habe sich auf jeden Fall bewährt, auch wenn nicht exakt gemessen werden könne, wie viele Unfälle vermieden wurden in den vergangenen zehn Jahren.
Auch beim Kreis gibt es keine Überlegungen, den Fortbestand des Jugendtaxis zur Diskussion zu stellen. Im Gegenteil: "Wir wollen erreichen, dass es wieder mehr ins Bewusstsein der Zielgruppe kommt". sagt Pressesprecherin Verena Bernardy. Künftig will man auch in den sozialen Netzwerken - insbesondere Facebook - präsent sein, um die Jugendlichen zu erreichen. Kurzum: "Wir müssen wieder mehr werben für diese aus unserer Sicht bislang so erfolgreiche Einrichtung."
Zwischenzeitlich gibt es neue Plakate und Flyer, aber die wichtigste Neuerung ist: "Die Altersspanne wird erweitert und der Zuschuss erhöht", verkündet Sonja Ewertz, Leiterin der Kreisverwaltungsabteilung Sicherheit, Ordnung und Verkehr.
Konkret heißt das: Jugendliche/junge Erwachsene zwischen 13 und 23 können mitfahren, bislang betrug das Höchstalter 21 Jahre. Der Zuschuss beträgt künftig 2,50 statt wie bisher 2 Euro je Mitfahrer.Extra

Auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm sind die Nutzerzahlen des Jugendtaxis zurückgegangen. Nahmen 2007 noch 3709 Jugendliche den Service in Anspruch, waren es 2013 laut Kreisverwaltung nur noch 798. Im Kreis Bernkastel-Wittlich sind seit dem Start des Jugendtaxis 2008 die Nutzerzahlen zunächst kontinuierlich bis auf einen Spitzenwert im Jahr 2011 von mehr als 14 000 Nutzern gestiegen. 2012 wurde der Zuschussbetrag von zwei auf 1,50 Euro pro Nutzer reduziert. In dem Jahr nutzten noch etwa 9000 Personen das Jugendtaxi, 2013 ging die Benutzerzahl auf rund 4300 zurück. "Durch die Reduzierung des Zuschussbetrags war ein Rückgang zu erwarten; überrascht hat allerdings das Ausmaß", sagt Manuel Follmann, Sprecher der Kreisverwaltung in Wittlich. stsExtra

Jugendliche und junge Erwachsene von 13 bis nun einschließlich 23 Jahren erhalten für die nächtliche Heimfahrt im oder in den Landkreis Vulkaneifel ab 22 Uhr einen Zuschuss zu den Taxikosten in Höhe von 2,50 Euro je Person. Diese Regelung gilt Freitag- und Samstagnacht, in den Nächten vor gesetzlichen Feiertagen sowie in der Karnevalszeit. Teilnehmende Taxiunternehmen sind: Taxi Liske, Gerolstein, Telefon 06591/5656, Taxi Christen, Hillesheim, Telefon 06593/260, Taxi Trauden, Hillesheim, Telefon 06593/989198, Mietwagen Rollmann, Nohn, 02696/1515 oder 571, Taxi Krämer, Stadtkyll, Telefon 06597/2890, Taxi Schüller, Daun, Telefon 06592/515, Taxi Ganser, Daun, 06592/353, Minicar Vulkaneifel, Gillenfeld, 06573/9525884, Taxi Dreis, Ulmen, 02676/230, Mietwagen-Service Oberbettingen, Telefon 06593/9165.Extra

Die Finanzierung des Jugendtaxis ist dreigeteilt: Die Kreissparkasse Vulkaneifel übernimmt jährlich 10 000 Euro der Kosten. Den Rest übernehmen zur Hälfte der Kreis und die Verbandsgemeinden. 2008 lagen die Kosten bei 19 468 Euro, 2009 bei 20 591 Euro, 2010 bei 19 060 Euro, 2011 bei 18 843 Euro, 2012 bei 13 322 Euro und 2013 bei 8610 Euro. mh