Kreissparkasse Vulkaneifel schließt am Jahresende vier Filialen

Kreissparkasse Vulkaneifel schließt am Jahresende vier Filialen

Aus 13 mach neun: Die Kreissparkasse Vulkaneifel dünnt ihr Geschäftsstellennetz aus. Vier Filialen in drei Verbandsgemeinden werden am 31. Dezember 2016 geschlossen. Kündigungen sind damit nicht verbunden.

Daun/Mehren/Neroth/Dreis-Brück. Eine Bankfiliale (die Geschäftsstelle Uersfeld der Volksbank RheinAhrEifel) ist schon im Frühjahr geschlossen worden, am Jahresende folgen vier weitere. Die Kreissparkasse (KSK) Vulkaneifel hat am Montag angekündigt, vier Filialen Ende 2016 zu schließen.

Betroffen sind Lissendorf (1000 Einwohner, Verbandsgemeinde Obere Kyll), Neroth (850 Einwohner, Verbandsgemeinde Gerolstein), Dreis-Brück (830 Einwohner) und Mehren (1500 Einwohner), beide in der Verbandsgemeinde Daun.

Als ein Grund wurde angeführt, dass immer mehr Kunden auf Online-Banking umgesattelt hätten. "Von 30 000 Girokonten werden mittlerweile gut 17 000 so geführt", erklärte KSK-Vorstandsmitglied Stefan Alt. Zudem seien die Besuche in den Filialen deutlich zurückgegangen. "Die klassische Ein-Mann-Filiale, und dass sind die in Lissendorf, Neroth, Mehren und Dreis-Brück, ist leider nicht mehr zeitgemäß, was die rechtlichen Rahmenbedingungen angeht. Zudem sind sie betriebswirtschaftlich nicht mehr darstellbar." Die Schließungen seien eine "erlebbare Auswirkung der Negativzinsen", ergänzte der KSK-Vorstandsvorsitzende Dietmar Pitzen. "Wir müssen an die Kosten ran, um weiter vernünftig wirtschaften zu können."Kein Personalabbau


Personelle Auswirkungen haben die Schließungen nicht. Die Lissendorfer Filialleiterin Jutta Heß wird künftig in der Filialdirektion Obere Kyll in Jünkerath arbeiten, Bruno Mastiaux, der Leiter der Filialen Neroth, Mehren und Dreis, in Daun.
Die KSK will in den Orten auch 2017 präsent sein. Die "Rollende Kreissparkasse", eine fahrbare Geschäftsstelle, wird drei Mal pro Woche in Lissendorf halten, in den drei übrigen Orten zwei Mal wöchentlich. Pitzen: "Die mobile Geschäftsstelle bietet alle Basis-Serviceleistungen: Geld abheben und einzahlen, Überweisungen abgeben und Kontoauszüge ausdrucken."

Und wenn es einmal ganz dringend sei, "bringt auf Wunsch ein ‚Bargeld-Taxi‘ Geld direkt nach Hause." Die Bürgermeister der Orte seien in persönlichen Gesprächen informiert worden, die Kunden in der vergangenen Woche per Brief, sagte Pitzen. Erwartungsgemäß ist der Erste Beigeordnete von Lissendorf, Berthold Crump (vertritt derzeit den urlaubenden Ortsbürgermeister Lothar Schun), nicht begeistert, dass die KSK-Filiale geschlossen wird. "Wir haben alles versucht und mehrere Varianten vorgeschlagen, wie die Filiale noch hätte weitergeführt werden können. Aber leider waren die Zahlen so, dass die Geschäftsstelle und der Geldautomat wohl nicht mehr zu halten sind. Da muss man auch Verständnis für die Bank haben, die schließlich wie eine Firma rechnen muss", sagt Crump.
Beschwerden aus der Bevölkerung habe er bislang nicht bekommen.

Dass die mobile Geschäftsstelle mehrmals in der Woche nach Lissendorf kommt, wertet er als "kleines Trostpflaster", eine Formulierung, die auch Mehrens Ortsbürgermeister Ewald Umbach wählt. "Aber natürlich ist es für einen 1500-Einwohner-Ort sehr bedauerlich, wenn die Bankfiliale verschwindet." Dass sie nicht so frequentiert werde, dass sie sich rechne, hänge wohl auch mit dem "Fluch" der Nähe zu Daun zusammen. Die Kreisstadt ist nur fünf Kilometer von Mehren weg, "vieles wird dort erledigt".

"Wenn Infrastruktur wegbricht, ist das nie gut für ein Dorf", sagt Michael Jax, Ortsbürgermeister von Dreis-Brück. "Besonders bedauerlich ist, dass auch der Geldautomat verschwindet." Andererseits: "Die Sparkasse muss in diesen auch für sie nicht einfachen Zeiten sehen, ob sich eine Filiale rechnet oder nicht."Meinung

Es muss sich rechnen
Völlig überraschend kommt die Ankündigung, dass die Kreissparkasse (KSK) Vulkaneifel ihr Filialnetz ausdünnt, nicht, schließlich haben es schon andere in diesem Jahr vorgemacht. Früher hätte es sich die Bank vielleicht noch erlauben können (und wollen), eine nur wenig frequentierte Geschäftsstelle "durchzuschleppen". Aber in Zeiten, in denen niedrige oder gar negative Zinsen das klassische Geschäft der Kreditinstitute immer stärker beeinträchtigen, ist das vorbei. Denn unter dem Strich ist die KSK keine karitative Einrichtung, sondern will und muss Geld verdienen. Aber natürlich hat sich auch das Kundenverhalten enorm verändert. Überweisungen werden am Automaten oder per Online-Banking getätigt, der Besuch in der klassischen Filiale hat für viele Kunden längst Seltenheitswert. Auf der Strecke bleiben leider wieder die älteren und weniger mobilen Menschen. Immerhin: Mit der mobilen Geschäftsstelle oder dem "Bargeld-Taxi" werden sie nicht völlig abgehängt. s.sartoris@volksfreund.deExtra

Foto: (e_daun )

Die Kreissparkasse Vulkaneifel hat für das Geschäftsjahr 2015 eine Bilanzsumme von 831 Millionen Euro ausgewiesen, es wurde ein Gewinn von 2,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Ob das auch in diesem Jahr gelingt, "wird wohl eher schwierig", sagt der Vorstandsvorsitzende Pitzen. 500 000 Euro des Gewinns führt die KSK an den klammen Kreis ab. Die Summe ist der Großteil des Beitrags, den der Kreis in den Entschuldungsfonds des Landes zahlt. Mit mehr als 200 000 Euro unterstützt die Bank Vereine, Institutionen und Veranstaltungen. Die KSK beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter. sts

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