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Gedenken: „Krieg ist sinnlos, böse und teuer“

Gedenken : „Krieg ist sinnlos, böse und teuer“

In Kelberg haben am Donnerstagabend etwa 250 Menschen allen Alters der Opfer der Bombenangriffe vom 27. Dezember 1944 und vom 16. Januar 1945 gedacht. Schüler gestalteten die bewegende Veranstaltung mit.

 „Nur Betroffenheit hilft keinen Millimeter.“ – Was Pfarrer Ulrich Apelt in seiner Predigt im Gottesdienst in der St.Vinzenzius-Pfarrkirche so auf den Punkt brachte, war offenkundig das Grundanliegen aller an der Gedenkveranstaltung Beteiligten. So wie von Ortsbürgermeister Wilhelm Jonas, der zu Beginn  der Kranzniederlegung am Erinnerungsstein auf dem Marktplatz und der anschließenden Lichterprozession sagte: „Wir trauern und haben Respekt. Aber wir müssen auch wachsam bleiben.“ Oder wie die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft „Erinnerung 16. Januar 1945“, die mit historischen Fotografien im Rahmen einer Bilderschau und einer Ausstellung in der Kirche die Sinnlosigkeit und Zerstörungswut des Krieges auch mahnend vor Augen führten. Und mit dem Entzünden von Kerzen für jedes einzelne der 20 Zivilopfer und einer weiteren für die etwa 40 getöteten Soldaten auch den Impuls setzten, dass das Licht der Kerzen tiefer gehen müsse, als nur oberflächlich zu erinnern.

In stiller Lichterprozession auf dem Weg vom Marktplatz zur Pfarrkirche: (vorne von links) Ortsbürgermeister Wilhelm Jonas und die Beigeordneten Simone Schäfer-Merten und Karl Heinz Sicken sowie Schülerinnen der Realschule plus. Foto: Brigitte Bettscheider

    Oder wie Pfarrer Apelt mahnte: „Diese Gedenkfeier heute darf nicht die letzte sein. Das Gedenken muss auch in Zukunft gepflegt werden.“ Die schreckliche Vergangenheit gehöre für immer zu uns, betonte er. Sie dürfe niemals bagatellisiert, verdrängt oder vergessen werden. Zu gedenken bedeute auch Konsequenzen zu ziehen für das Hier und Jetzt. Und er predigte: „Wir dürfen nicht so hochmütig sein und glauben, dass wir uns damals alle richtig verhalten hätten.“ Doch ja, sagte er, es habe auch gute Menschen, Taten und Worte gegeben.   Ein weiteres besonders beeindruckendes Element der Gedenkveranstaltung war die Mitwirkung von Neunt- und Zehntklässlern der Kelberger Realschule plus mit ihren Lehrern Anne Kaiser-Theis, Tanja Kalweit und Klaus Wanjek. Im Vorfeld hatten die Schüler sich intensiv mit den schrecklichen Ereignissen in Kelberg am Ende des Zweiten Weltkriegs befasst, hatten die Chronik studiert und Zeitzeugen befragt (der TV berichtete). Nun leisteten sie sehr ernst und eindrücklich ihre Beiträge - etwa mit Originalzitaten wie „Alles schreit und betet nach Frieden“ und „Kelberg ist im Herzen zerstört“ oder mit eigenen Worten wie „Krieg ist sinnlos, böse und teuer“, auch mit Liedern, Fürbitten und Friedenswünschen. Unter den etwa 250 Teilnehmern der Gedenkveranstaltung war das Ehepaar Willy und Ruth Gennes aus Recht bei St.Vith/Belgien. Willy Gennes ist der Neffe eines zufällig mit Frau und Kind am 16. Januar 1945 in Kelberg weilenden Soldaten. Die junge Familie gehört zu den Todesopfern des Bombenangriffs. Wie es dazu kam, erzählten sie im Gespräch mit unserer Zeitung (siehe Hintergrund).