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Krimiautor aus Hillesheim, Ralf Kramp, stellt zehntes Buch vor

Literatur : Der „zehnte Streich“ von Krimiautor Ralf Kramp

Ralf Kramp, Krimiautor und Verleger in Personalunion, hat in seinem neuen, nunmehr zehnten Krimi seinen Protagonisten Herbie Feldmann auf Verbrecherjagd geschickt.

Schon seit einem Vierteljahrhundert siedelt Krimiautor Kramp fiktive Verbrechen in der Eifel an. Viele Kurzgeschichten entstanden, aber vor allem seinen Herbie Feldmann lässt er als Roman-Antihelden nach schaurigen Taten fahnden. Dieser ungewöhnliche Protagonist hat einen Gesprächspartner namens Julius, den nur er sehen und hören kann, stets neben sich gehen. Seitdem geschah viel im realen Leben des Ralf Kramp, unter anderem die Übernahme des KBV-Verlags und die Einrichtung des Kriminalhauses in Hillesheim. Im nun erschienenen zehnten Feldmann-Krimi „Ein Grab für zwei“ übernimmt Feldmann eine aus der Zeit gefallene Tankstelle und entdeckt, womit hier in Wirklichkeit das Geld verdient wird – mit Sprit und Snacks jedenfalls nicht. Feldmann und Julius kommen einer Sache auf die Spur, die mit menschlichen Skeletten und Römervillen zu tun haben.

Kramp liebt seinen Feldmann: „Jeder kennt es: Selbstgespräche. Gleich mehrfach waren mir an dem Tag, an dem mir diese Idee kam, Menschen begegnet, die in intensive Gespräche mit jemandem verwickelt waren, der nicht zu sehen war. Mit Märchen hat das aber nicht das Geringste zu tun. Julius ist ein eingebildeter Begleiter, aber er greift nicht aktiv in das Geschehen ein. Ich finde diese in der deutschen Kriminalliteratur fast einzigartige Konstellation sehr reizvoll und kann auch nach all den Jahren immer noch viele Funken daraus schlagen.“ Die Funken sind zumeist geprägt von feinem, britisch angehauchtem Humor. Dennoch wehrt sich Ralf Kramp gegen ein aus seiner Sicht unpassendes Etikett, mit dem unter anderem die ARD ihre überaus beliebte Eifelkrimiserie „Mord mit Aussicht“ bewarb: „Das Label ‚Schmunzelkrimi‘ hat meinen Romanen bislang gottlob noch nie jemand aufgedrückt. Das klingt ja, als würde ich Episödchen für die Mainzelmännchen schreiben. Bei meiner Herbie-Feldmann-Reihe handelt es sich vielmehr um Kriminalkomödien. Skurrile Figuren liebe ich dabei sehr. Sie sind tagtäglich um uns herum, sie machen unser Leben bunt, und sie sind das Salz in der Suppe meiner Geschichten.“ Politisches ist seine schriftstellerische Sache auch in den aktuell aufgeheizten Zeiten nicht: „Soziale Kernthemen interessieren mich nur als Leser; darüber zu schreiben reizt mich überhaupt nicht. Ich möchte möglichst gut unterhalten, nicht mehr und nicht weniger.“

Als Verleger hatte Ralf Kramp, während er am Manuskript für das „Grab für zwei“ feilte, wie alle seine Kolleginnen und Kollegen durchaus mit einem gesellschaftlichen Kernthema zu tun: die Pandemie. Die gestiegene Leselust vieler Menschen angesichts kaum möglicher anderer Kulturgenüsse war die eine Seite, geschlossene Buchläden die andere. „Im ersten Lockdown hat der Buchhandel mit großer Kreativität die eingeschränkten Kundenkontakte kompensieren können. Der Sommer brachte dann sogar sehr gute Verkäufe, der Lockdown im Weihnachtsgeschäft allerdings dämpfte diesen Erfolg drastisch.“ Unterm Strich sei der KBV-Verlag gut über die Runden gekommen.

 Kriminalroman "Ein Grab für zwei" von Ralf Kramp
Kriminalroman "Ein Grab für zwei" von Ralf Kramp Foto: TV/KBV Verlag

Die Pandemie ist auch der Grund, warum das in diesem Jahr eigentlich geplante elfte „Tatort Eifel“-Festival ausfällt. Kramp ist hier regelmäßig unter anderem als Juror des Junior Awards eingebunden. Er gilt als einer der Mitinitiatoren der Hillesheimer Krimitage, die in 2021 erstmals stattfinden und voraussichtlich alternierend mit dem großen Festival auch jenseits von Coronazeiten weiterlaufen werden. „Die Idee der Hillesheimer Krimitage kam von unserem Touristiker Manfred Schmitz. Es ist bekannt, dass die krimibegeisterten Besucher in der Festivalpause weitere Veranstaltungen vermissen. Wir arbeiten Hand in Hand mit ‚Tatort Eifel‘ daran, diese Lücke zu schließen.“ Zu viel Krimivergnügen kann es offenbar nicht geben. „Eine thematische Übersättigung beim Publikum ist überhaupt nicht erkennbar. Im Gegenteil.“