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Kühlschränke gehen wie warme Semmeln

Kühlschränke gehen wie warme Semmeln

WALSDORF. Auf große Resonanz stößt das kürzlich um zusätzliche Abfallarten erweiterte Angebot, auf dem zentralen Wertstoffhof des Kreises Daun kostenfrei Schrott abzugeben. Daher fordert die Kreistagsfraktion der Grünen nun, in jeder Verbandsgemeinde eine solche Annahmestelle zu installieren.

In einer Stellungnahme begrüßen die Mitglieder der Kreistagsfraktion der Grünen, Leonie Faber und Tim Steen, das Angebot für private Haushalte, auf der Müllumladestation des Kreises Daun in Walsdorf zusätzliche Wertstoffe (Alteisen, Aluminium, CDs, DVDs, Fensterglas, Kleinmengen an Bauschutt, Naturkorken, Druckerpatronen, Tonerkartuschen, Dispersionsfarben) unentgeltlich abgeben zu können. Darüber hinaus können dort seit Jahren kostenlos Altpapier, Altöl und Altglas und seit vergangenen März auch Elektrogeräte kostenlos abgegeben werden. Die Grünen sagen: "Eine getrennte Erfassung der Wertstoffe ist nach der Müllvermeidung die ökologischste Lösung." Die Wertstoffe würden wiederverwertet, dadurch die Restmüllmenge von Schadstoffen entlastet und reduziert. Weniger Restmüllaufkommen bedeute zudem geringere Kosten für die Müllverbrennung. Und da die Grünen von dem Angebot überzeugt sind, fordern sie erstens, dass die Informations- und Aufklärungsarbeit darüber verbessert wird: "Eine einmalige Presseerklärung hierzu ist auf jeden Fall nicht ausreichend." Zweitens wünschen sie sich eine Ausweitung des Angebots. So sollten auch sortenreine Styroporabfälle und PVC-Kunststoffe gesammelt werden. Letztere halten sie für besonders wichtig, da bei der Verbrennung von diesen oder bei der Herstellung von Trockenstabilat "immer Dioxine entstehen". Diese würden zwar heute größtenteils durch Filter abgefangen, die Filterstäube aber müssten dann als hochgiftiger Sondermüll entsorgt werden. Würden die PVC-Kunststoffe jedoch getrennt gesammelt, könnten auch sie wiederverwertet werden. Tim Steen sagt: "Die Kreisverwaltung und die übrigen im Kreistag vertretenen Fraktionen haben dies aber wegen geringfügig höherer Kosten abgelehnt." Drittens fordern die Grünen "langfristig die flächendeckende Einrichtung von wohnortnahen Wertstoffhöfen im gesamten Kreisgebiet" - beispielsweise in jeder Verbandsgemeinde einen. Reinhard Adrian, Werkleiter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft des Kreises Daun, ist der Auffassung, dass eine zusätzliche Schaffung weiterer Wertstoffhöfe im Kreis "momentan nicht denkbar" ist - aus Kostengründen. Er sagt: "Man muss bedenken, dass dafür jeweils ein Platz oder eine Halle sowie weitere Container angemietet und weiteres Personal eingestellt werden müsste. Und das geht richtig ins Geld." Zum Vergleich: Nach seinen Worten kostet der Betrieb der gesamten Müllumladestation in Walsdorf, wo derzeit auch der Wertstoffhof integriert ist, den Kreis jährlich 90 000 Euro. Mit weiteren 20 000 Euro schlägt laut Adrian der Mitarbeiter zu Buche, der eigens für die gesetzlich vorgeschriebene Elektroschrott-Annahme eingestellt worden sei. Doch der Mann hat reichlich zu tun. Mit den Worten "Wir werden erschlagen" beschreibt der Werkleiter, wie das Elektroschrott-Angebot angenommen wird. Zahlen verdeutlichen dies: So seien in den fünf Monaten von Ende März bis Ende August 1066 Haushalts-Großgeräte (Waschmaschinen, Herde, Spülmaschinen, Backöfen), 1258 Kühlgeräte, 4393 Fernseher, Video- und Hifi-Geräte, 5095 PC-Komponenten wie Rechner, Drucker, Tastaturen und Mäuse, 4069 Elektro-Kleingeräte (Bügeleisen, Toaster) sowie 1575 Leuchtstoff-Röhren abgegeben worden. Zum Vergleich: In einen Container passen 80 bis 100 Kühlschränke oder 300 Fernseher und Hifi-Geräte. Und auch die anderen Wertstoff-Container füllen sich. So sind allein in den vergangenen 14 Tagen eine halbe Tonne Fensterglas, 2400 Liter Dispersionsfarben, 800 Liter Bauschutt und etwa ein Schuhkarton voller CDs abgegeben worden. Die Ausdehnung auch auf PVC-Kunststoffe wiederum hält der Werkleiter für "schwierig, da diese sortenrein gesammelt werden müssen, und das kann nur eine Fachkraft". Zusätzlicher Lagerplatz sei das weitere Problem. Zudem prognostiziert Adrian, dass "wir keine ausreichenden Mengen zusammenbekommen, um das wirtschaftlich betreiben zu können. Und die Kosten spielen bei der Abfallwirtschaft immer eine wichtige Rolle, denn es geht letztlich auch immer um die Höhe der Müllgebühren".