Kulturnachmittag des Dauner Eifelvereins mit Psychiater

Vereine : Was der Seele guttut

Psychiater und Hochschullehrer Wolfgang Werner hat beim Kulturnachmittag des Dauner Eifelvereins und der Volkshochschule der Stadt Daun von seinen Lebens- und Reise-Erfahrungen berichtet.

(bb) Wer wie Wolfgang Werner (siehe Info) auf Wanderungen Kirchen und Kapellen besucht und an Bildstöcken verweilt, befindet sich nach seinem Verständnis an Orten, an denen sich schon vor ihm Menschen mit besonderem kulturellen Vermächtnis aufgehalten haben. Dies geschieht ja vielfach auch in unserer Region, etwa bei den Reisen und Wanderungen, die sowohl die Dauner Ortsgruppe des Eifelvereins als auch die VHS der Stadt Daun anbieten. Daher rührt die Kooperation beim jährlichen gemeinsamen Kulturnachmittag im Forum.

Und wenn wie bei Wolfgang Werner bereits im Titel seines Vortrags über seine Wanderungen durch Elsass und Saarland, Lothringen und Ardennen die 14 Nothelfer eine Rolle spielen, so wäre er auch in der Vulkaneifel fündig geworden: in den Kirchen in Demerath und in Rengen, in den Kapellen in Borler und in Loogh und an einem Bildstock in Wallenborn. Hier werden die 14 Heiligen verehrt und angerufen: Margareta als Patronin der Gebärenden und bei allen Wunden; Dionysius als Helfer bei Kopfschmerzen, Tollwut, Gewissensnöten und Seelenleiden; Christopherus als Schutzheiliger der Reisenden – um nur einige zu nennen.

   „Die Probleme der Welt finden sich in jeder Region“, weiß Professor Werner. Er selbst entdeckte die 14 Nothelfer in der Kirche von Hambourg Haut (an der französisch-saarländischen Grenze) auf einer der letzten von insgesamt 16 Etappen, die er in mehreren Jahren nacheinander unter die Füße genommen und in drei Büchern beschrieben hat. Seine Kernfragen auf allen Wegen und an allen kulturellen Stätten unterwegs lauteten: Was tut der Seele gut? Und: Wie kann man helfen mit Gott und der Welt, mit der Kraft des Glaubens und mit der Schulmedizin?

   In seinem Vortrag, der gespickt war mit Worten von Dichtern und Denkern, mit Patientengeschichten und persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen, legte der 79-Jährige den Zuhörern auch eigene Weisheiten ans Herz. „Man soll auf sein Herz mehr aufpassen als auf alles andere“, sagte er. Und: „Liebe, Bildung und materielle Grundausstattung sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine gesunde Psyche.“ Oder: „Allein schon das Bekenntnis des Nichtwissens öffnet uns für Hilfe.“ Wolfgang Werner fragte, wie es ist, mit Behinderung und Unvollkommenheit zu leben. „Wer behindert ist, wird daran gehindert, so zu leben, wie er es will“, erklärte der Hochschullehrer, der für die Humanisierung der Psychiatrie im Saarland kämpfte und ausgezeichnet wurde.

   „Wie er in Frage stellt und provoziert“, nannte Gregor Meyer, einer der Zuhörer, im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund als das Besondere des Vortrags. „Mir ist deutlich geworden, dass das aufmerksame Zuhören uns der Lösung oft näher bringen kann als irgendwelche erlernten Schemata“, meinte der Diakon und Notfallseelsorger aus Betteldorf. Und: „Das, was Wolfgang Werner heute hier vorgetragen hat, ist für mich der Inbegriff von Humanität.“

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