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Kunst ganz ohne Maskenpflicht in Niedereich bei Gerolstein

Kultur : Kunst ganz ohne Maskenpflicht in Niedereich bei Gerolstein

Die niederländische Künstlerin Ellen Welten-Louwers hat einen Skulpturenpark aufgebaut. Die wechselnden Ausstellungen im Freien kommen gerade in Coronazeiten gut an.

Ganz entspannt schlendern Familien mit Kindern über den Rasen, bleiben hier und da stehen und schauen. Andere Menschen sitzen auf Bänken oder Stühlen in der Sonne oder in baumschattigen Nischen und unterhalten sich. Vielleicht über Kunst, vielleicht auch über etwas ganz anderes.

„Ich weiß gar nicht, ob alle nur wegen der Skulpturen kommen“, sagt die Herrin des Parks, Ellen Welten-Louwers, gut gelaunt und bietet frischen Pflaumenkuchen an, „aber das ist auch nicht so wichtig. Ich denke, sie fühlen sich einfach wohl.“

Vermutlich lockt die meisten Besucher doch das gezielte Interesse für zeitgenössische Bildhauerei oder Glaskunst an. Aber weniger elitär und niedrigschwelliger kann man sich modernen Kunstgenuss kaum vorstellen als im Skulpturenpark der gartenbegeisterten Niederländerin, die sich in Niedereich gemeinsam mit ihrem Ehemann einen Lebenstraum verwirklicht hat.

Eintritt wird nicht erhoben, jedoch steht eine Spendenbox am Eingang zum Gelände. Mal ist die gut gefüllt, mal weniger. „Auf jeden Fall hatten wir in diesem Sommer schon viel mehr Besucher als in früheren Jahren“, erzählt Ellen. „Das kann am wachsenden Bekanntheitsgrad liegen, den wir nach ein paar Jahren mittlerweile erreicht haben. Sicher trägt auch bei, dass man hier Kunst erleben kann, ohne dass man sich über Maskenpflicht oder Abstandsregelungen Gedanken machen muss.“

Das Freiluft-Gelände ist so weitläufig, dass sich hier keine Drängelei ergibt. Im kommenden Jahr wird es noch um etliche Quadratmeter unter alten Buchen im angrenzenden Wald erweitert. Jeder hat zwischen Skulpturen, Bäumen, blühenden Stauden und gemütlichen Sitzecken Platz genug zum Sinnieren, Sehen, Staunen. Und manchmal besteht auch die Gelegenheit, mit den Künstlerinnen und Künstlern ungezwungen ins Gespräch zu kommen.

Ellen Welten-Louwers ist selbst Bildhauerin und in der Kunstszene gut verankert, holt die Werke von Kunstschaffenden aus ganz Deutschland, aus ihrer niederländischen Heimat, aus Belgien oder Frankreich her. Da die Plastiken auch gekauft werden können, wechselt der Bestand ständig, und kein Parkbesuch ist wie der andere. „Kaum eines der Werke, mit denen wir die diesjährige Saison begannen, ist noch da. Es sind immer wieder neue dazugekommen.“

Zur Zeit sind unter anderem Bronzeskulpturen von Maïté Duval zu sehen, zumeist Frauenkörper von beeindruckender Präsenz. Allerdings fehlt hier die Anwesenheit der in ihrem Heimatland Frankreich gut bekannten und renommierten Urheberin, denn Duval starb, kurz bevor ihre Ausstellung in Niedereich fertig war. „So ist das hier auch eine Art Retrospektive geworden und wohl eine der letzten Gelegenheiten, so viele ihrer Arbeiten an einem Platz versammelt zu sehen“, sagt Ellen Welten-Louwers.

Anders sieht es bei den luftig-verspielten Metallskulpturen von Susann Stelling aus. Die gebürtige Schwedin lebt im Vulkaneifeldorf Berlingen und arbeitet dort in ihrem Atelier „Eisenart skog“. Gerade hat sie eine Auswahl ihrer Werke im Niedereicher Park aufgestellt, auch in Schönecken hat sie momentan eine Ausstellung. „Ich bringe die Menschen auch gern zum Lachen“, sagt sie und deutet auf schwungvolle Metallfiguren – schwangere Frauen, die tanzen und laufen. Auch wippende Katzen und Eulen hat sie über das Gartengelände verteilt oder wuchernde Pflanzen aus Rundeisen, deren Dolden kiloschwere Isolatoren aus Umspannwerken sind. Mit ihren filigranen, durchscheinenden Werken steht sie in einem spannenden Kontrast zu den kompakten, energiegeladenen Plastiken der Maïté Duval.

Aber genau das macht den Reiz des Skulpturenparks aus. In ihm finden fantasievolle Kinder genauso einen Weg zur Kunst wie erfahrene Kenner, die ein Erlebnis ohne Sorge um Coronaschutzmaßnahmen suchen.