Kunst in der Kuppel

Musik, Literatur und Tanz an einem besonderen Ort: Das Observatorium Hoher List ist vom 15. bis 18. Juli Schauplatz mehrerer Veranstaltungen. Verantwortlich dafür zeichnen die Verbandsgemeinde Daun und die Astronomische Vereinigung Vulkaneifel.

Schalkenmehren/Daun. Was wird aus dem Observatorium Hoher List bei Schalkenmehren? Über diese Frage wird schon länger diskutiert, nicht erst, seit die Universität Bonn ihre Sternwarte 2012 endgültig aufgegeben hat. Eine der Ideen ist mittlerweile konkretisiert worden: Kunst in der Kuppel heißt es bei der Premiere des sogenannten Kleinen Sternensommers mit vier Veranstaltungen vom 15. bis 18. Juli (siehe Extra). Das Programm haben die Verbandsgemeinde (VG) Daun und die Astronomische Vereinigung Vulkaneifel (AVV) gemeinsam erarbeitet. Der Verein, in dem sich vor allem ehemalige Beschäftigte des Observatoriums, aber auch Hobby-Astronomen zusammengeschlossen haben, hat eine der markanten Kuppeln gemietet. Es gibt dort seit vergangenem Jahr wieder regelmäßig Führungen; nun aber wird der Ort der Wissenschaft auch zum Schauplatz von Konzerten, einer Lesung und einer Theateraufführung. Dass die Veranstaltungsreihe "Kleiner Sternensommer" heißt, hat seinen Grund. Klein ist beispielsweise die Zahl der Zuhörer. Mehr als knapp 40 Sitzplätze können in der Kuppel nicht aufgestellt werden. Klein ist auch das Budget: 7500 Euro stehen zur Verfügung, 3000 Euro kommen vom Kultursommer Rheinland-Pfalz, den Rest übernimmt die VG Daun. Jugendcamp nicht finanzierbar

Im vergangenen Jahr hatte man noch etwas größere Pläne mit dem Sternensommer, aber es stellte sich heraus, dass ein vorgesehenes Camp mit bis zu 80 Jugendliche nicht realisierbar war, vor allem aus Kostengründen. Das am Montag in der Sternwarte vorgestellte Programm wird bewusst überschaubar gehalten. "Wir wollen erst einmal testen, ob dieser besondere Ort als Schauplatz von Kulturveranstaltungen angenommen wird, und das in einem finanziell überschaubaren Rahmen", sagt die Landtagsabgeordnete Ruth Ratter (Bündnis 90/Die Grünen), die sich zusammen mit der AVV und der VG Daun für den Erhalt des Observatoriums einsetzt. Welche Perspektive das Gebäude-Ensemble haben könnte, soll in einem Nachnutzungskonzept geklärt werden. "Zunächst wird ermittelt, welche Ideen wirklich umsetzbar sind. Findet sich eine realistische Lösung, kann es weitergehen", sagt Birgitta Goldschmidt vom Planungsbüro Wesentlich. Einer künftigen Nutzung der seit Oktober vergangenen Jahres unter Denkmalschutz stehenden Gebäude müsste beispielsweise der Eigentümer, das Land Nordrhein-Westfalen, zustimmen. Der für die Vermarktung des Areals zuständige Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Nachbar-Bundeslandes hat signalisiert, nicht aktiv zu werden, bis ein Nutzungskonzept vorliegt. Nächste Woche kommt wieder richtig Leben in und um die Sternwarte. So gibt es auf dem Gelände unter anderem einen Theaterworkshop mit Schülern des Thomas-Morus-Gymnasiums Daun, der als Abschluss des Festivals mit einer Aufführung unter freiem Himmel endet. Meinung

Planung mit AugenmaßMan muss kein Experte zu sein, um zu prognostizieren: Es ist eine große Herausforderung, ein finanziell stemmbares Nutzungskonzept für das komplette ehemalige Observatorium auf die Beine zu stellen - wenn es überhaupt gelingt. Einigkeit besteht aber darin, dass diese für die Region einmalige Einrichtung nicht aus dem Bewusstsein von Einheimischen und Besuchern verschwinden darf. Deshalb ist es gut, dass es nun den Sternensommer gibt, mit Musik, Literatur und Theater. Ein interessantes Programm bieten, ohne ein großes finanzielles Risiko einzugehen: Das ist der richtige Weg. s.sartoris@volksfreund.deExtra

Dienstag, 15. Juli, 19 Uhr: Das Konzert ist das erste von vier der Reihe "Bachs Kosmos", in der Stipendiaten der Landesstiftung Villa Musica bis Ende des Jahres alle Solo-Werke von Johann Sebastian Bach für Violine und Violoncello aufführen werden. Es gibt nur eine Abendkasse, die ab 18 Uhr geöffnet ist. Die Karten kosten 15 Euro (ermäßigt 10 Euro). Mittwoch, 16. Juli, 19 Uhr: Der frühere Leiter des Observatoriums, Professor Wilhelm Seggewiß, hält einen Vortrag zum Thema "Der Mond in der Kunst" (Eintritt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro). Donnerstag, 17. Juli, 19 Uhr: "Das Gilgamesch-Epos", Lesung mit Hansgünther Heyme, Intendant am Theater im Pfalzbau in Ludwigshafen (Eintritt 5 Euro). Freitag, 18. Juli, ab 18 Uhr: "Die Geburt tanzender Planeten": Unter diesem Motto präsentieren Schüler des Thomas-Morus-Gymnasiums Daun vor der Kulisse der Sternwarte die Ergebnisse eines zweitägigen Theater-Workshops unter der Anleitung eines Choreographen und der Regisseurin Eva Adorjan vom Ludwigshafener Theaters im Pfalzbau. Der Eintritt ist frei. Daneben gibt es Informationen über das Observatorium und Gelegenheit, sich das Gelände und den noch aktiven Teil anzusehen. sts