Kunstvoll, eindrucksvoll, wirkungsvoll

Kunstvoll, eindrucksvoll, wirkungsvoll

Gelungene Premiere: Erstmals seit 27 Jahren veranstaltete der Kulturkreis Daun am zweiten Advent in der St.-Nikolauskirche kein Kammerkonzert, sondern mehr als 80 Sänger, Instrumentalisten und junge Schauspieler boten die klassisch-moderne Kantate "Saint Nicolas" von Benjamin Britten dar. Mehr als 500 Besucher erlebten bei zwei Aufführungen das besondere Ereignis.

Daun. Wie auf den Leib geschneidert sei dem aus dem "mystisch-musikalischen Wales" stammenden Roy Coppack die Interpretation der großen Nikolaus-Kantate "Saint Nicolas" von Benjamin Britten, sagte Moderator Wilhelm Seggewiß. Der Engländer Britten hatte das Werk 1948 unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs geschrieben. Nun brachte Roy Coppack - Orchestermusiker und Vorsitzender des Kulturkreises Daun - es kurz vor dem Nikolaustag in der Pfarrkirche, die dem Heiligen geweiht ist, zur Aufführung. "Mit seinem großen fachlichen Wissen und Können und mit ungeheurer Energie", wie Seggewiß betonte.
Wer dabei war, erlebte etwas Außergewöhnliches. Ob nun den Tenor Marc Dostert (Luxemburg), der den Nikolaus so ungemein treffend wiedergab. Oder den Knabensopran Simon Körsten (Neroth), der als das Kind Nikolaus mit dem Lobgesang Gottes die Zuhörer anrührte. Auch den Gymnasiasten Alexander Kuznezow, der in der Rolle von Bischof Nikolaus erstaunlich professionell die Vorausschau seines nahen Todes und seiner Begegnung mit Gott in Szene setzte. Ebenso die Jungen Erik Günther, Sascha Mücken, John Olenberg, Noah Scholtes, Florian Theisen und Nick Willems, die als Mitglieder der von Volker Weinzheimer geleiteten Theater-AG des Geschwister-Scholl-Gymnasiums vor oder während der Musik Episoden aus dem Leben des Heiligen spielten. Am Flügel ließen Johannes Geffert und Bernd Kämpf den Sturm aufbrausen und abflauen, an der Orgel begleitete Hubert Blaum die Choräle.
Als Träger der dramatischen Handlung waren der von Roy Coppack und Lisa Henn einstudierte Madrigalchor Daun und das Orchester aus Mitgliedern des Akademischen Orchesters Bonn, der Musikschule Landkreis Vulkaneifel und der Musikschule "Spiel mit" sowie - auf der Empore - der von Claudia Scheiner-Cremonesi geleitete Gallery-Chor. Sie gaben in den neun Sätzen Qualen, Leiden, Lobpreis und Dank wieder. Ihr Gesang und ihr Instrumentalspiel waren kunstvoll, eindrucksvoll und wirkungsvoll. Das Ganze ein Genuss: klassisch-modern und keineswegs wie von gestern. bb

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