Kurstadt will keine Geisterfabrik

Kurstadt will keine Geisterfabrik

DAUN.Was aus der Immobilie und der Gewerbefläche am Rand der Innenstadt werden soll, wenn es am 1. November bei den Dauner Kleinmotoren "Licht aus" heißt, ist weiter völlig unklar.

Träumen ist erlaubt: "Am liebsten wäre es uns, wenn ein anderer Industriebetrieb die Gebäude kauft oder mietet und dort Arbeitsplätze einrichten würde", sagt Alfred Esslinger, kaufmännischer Leiter der Sindelfinger Firma Solo, der die DKM-Immobilie gehört. Damit es nicht beim Traum bleibt, unternimmt DKM-Chef Wolfgang Elsen "Bemühungen in alle Richtungen", das Sorgenkind der Solo wieder an den (Geschäfts-)Mann zu bringen.Verhandlungen mit Übernahme-Kandidat

"Für uns hat es Priorität, am Standort wieder Arbeitsplätze zu ermöglichen", sagt Elsen, räumt aber sogleich ein: "Wir haben es jedoch nicht in der Hand." Verhandlungen gebe es allerdings schon mit einem potenziellen Übernahmekandidaten - "Verschwiegenheit garantiert". Der denkbar schlechteste Fall für die Solo wäre ein Leerstand. Denn das mit 400 000 Euro Anfang vergangenen Jahres sanierte 60er-Jahre-Gebäude ist noch mit einer Grundschuld bei der Landesbank Baden-Württemberg belastet. Da das Gebäude also Kosten verursacht, muss es dauerhaft in Stand gehalten werden. Aber auch für Stadtbürgermeister Wolfgang Jenssen wäre eine Geisterfabrik so nah vor den Toren der Kurstadt alles andere als wünschenswert. Das rund 10 500 Quadratmeter große Grundstück steht zusammen mit den Hallen und Büroflächen (insgesamt 10 000 Quadratmeter) im Internet-Angebot der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Daun-Vulkaneifel (WFG) unter "Gewerbeobjekte" zum Verkauf. "Wir sind gern bereit, wie etwa im Falle der Hallschlager Brotfabrik erfolgreich geschehen, eine gezielte und auf das Objekt zugeschnittene Marketingoffensive zu unternehmen, wenn wir ein entsprechendes Exposé von Eigentümer und Gemeinde bekommen", sagt WFG-Geschäftsführer Alfred Bauer. Die Geno-Immobilien GmbH in Daun ist ebenfalls mit der Vermarktung beschäftigt. Ewald Pauly: "Insgesamt sind auf dem Markt derartige Hallen im Preis gefallen. Es gibt zudem preiswerte Konkurrenz in anderen Gewerbegebieten, und die den Standort umgebende Wohnbebauung ist logistisch ein Minuspunkt." Die generelle Wirtschaftslage bringe es mit sich, dass echte Neuansiedlungen von Betrieben "ein Glücksfall" seien. Denn bestehende Firmen - wie etwa im Handwerk - seien schon froh, wenn sie sich über Wasser halten könnten. Die Alternative, aus dem ältesten Gewerbegebiet Dauns ein Wohn-Areal zu machen, wäre für Esslinger und Elsen ebenfalls eine Überlegung wert. "Innerhalb von sechs Wochen sollte es da eine Vorentscheidung geben", sagt Elsen. Auch Jenssen schließt ein Wohngebiet nicht aus. Doch seine bevorzugte Variante ist es nicht: "Die Kosten für den Immobilien-Kauf, den Abriss der Hallen und die eventuell notwendige Sanierung des Bodens würden sich vermutlich für die öffentliche Hand nicht rechnen." Hinzu kommt der sich abzeichnende Wegfall der staatlichen Eigenheimförderung. Auch Pauly sieht ein neues Wohngebiet nur mit gebremstem Optimismus und führt die demografische Entwicklung an, wonach die immer stärker alternde Gesellschaft langfristig immer weniger Wohnraum braucht. Als vage Idee steht eine touristisch-kulturelle Nutzung der Immobilie im Raum. Wellness bleibt ein Zukunftsmarkt, vor allem für einen ausgewiesenen Kurort, und dass Fabrikhallen sich bisweilen als Kulturzentrum für alle eignen, beweist nicht nur die Trierer Tufa. Wie könnten Gebäude und Areal genutzt werden? Ihre Ideen sind gefragt! Senden Sie uns eine E-Mail an daun@volksfreund.de oder ein Fax (06592/963039). Namen und Anschrift nicht vergessen!

Mehr von Volksfreund