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Soziales: Kurzfilm mit Langzeitwirkung

Soziales : Kurzfilm mit Langzeitwirkung

Menschen mit Behinderung, Schüler und professionelle Schauspieler haben ein Kino-Projekt der Westeifel-Werke verwirklicht. Zur Premiere in der Eifel-Film-Bühne Hillesheim wurde ihnen ein roter Teppich ausgerollt.

„Soweit ich das beurteilen kann, ist das ein deutschlandweit einzigartiges Projekt“, sagt Ferdinand Niesen, Geschäftsführer der Westeifel-Werke (WEW). In den drei Eifel-Standorten der Werkstätten wird Menschen mit Handicap seit 1973 eine Teilnahme am Arbeitsmarkt ermöglicht, unabhängig vom Grad ihrer Behinderung. „Aber auch die freie Persönlichkeitsentfaltung unserer Mitarbeiter ist ein Ziel.“

Eines der Angebote dazu ist die Theater-AG, die der freischaffende Schauspieler Sebastian Gasper betreut. Mit seiner Idee, einen Kurzfilm gemeinsam mit Teilnehmern seiner Theatertruppe, Schülern des Thomas-Morus-Gymnasiums in Daun, einem Filmteam und professionellen Schauspielern zu drehen, rannte er nicht nur bei der WEW-Geschäftsleitung offene Türen ein und bekam Unterstützung – auch der Gerolsteiner Brunnen begeisterte sich für das Projekt und spendete 40 000 Euro aus dem Erlös des Benefizkonzertes mit der Eifelphilharmonie und dem Pianisten Bèla Hartmann im Juni 2018.

„Dafür danke ich sehr“, sagt Sebastian Gasper, der mit „Kopf in den Wolken“ nicht nur sein Debüt als Regisseur gibt – auch das Drehbuch stammt von ihm. Die Geschichte von Jana, deren Mutter den Kampf gegen den Krebs verliert und die sich deshalb zunehmend in eine Fantasiewelt flüchtet, um ihre Trauer und Angst zu bewältigen, ist keine leichte Kost – im Kinosaal herrscht während des rund 35 Minuten langen Filmes bedrückende Stille.

Loslassen heißt die Devise. Und es gibt Momente, in denen die Hoffnung wie ein Sonnenstrahl durch die Wolken bricht. Dafür sind im Film Benjamin „Benni“ Damm und seine Mitstreiterinnen aus der WEW-Theater-AG zuständig. Benni, der Zauberer, der Jana immer an die richtigen Orte führt, mit ihr gemeinsam den tod- und schmerzbringenden Drachen bekämpft und die Elfen, die Jana in ihrer Fantasiewelt unterstützen, sind allesamt WEW-Mitarbeiter mit Downsyndrom.

Schwertkämpfe, Banditen, Zauberwesen, jede Menge toller Kostüme und immer wieder Gegenschnitte in die Realität machen den aufwendig gestalteten Kurzfilm aus. „Wir haben wirklich viel gearbeitet, nachts in alten Burgen gedreht, Kostüme ausprobiert. Es hat viel Spaß gemacht“, sagt Benni Damm.

Dass so ein hundertprozentig inklusives Filmprojekt selbstverständlich sehr zeitaufwendig ist, gibt Regisseur Sebastian Gasper in seiner Ansprache vor dem Publikum zu: „Der Film ist heute Nacht um drei Uhr fertig geworden“, sagt er. „Die See war stürmisch – aber wir haben den sicheren Hafen erreicht. Und ich habe viel gelernt.“

Wo und wann „Kopf in den Wolken“ noch gezeigt wird, stehe zurzeit nicht fest, sagt der Regisseur. „Das Kino in Daun ist im Gespräch, darüber hinaus versuchen wir, einige weitere regionale Filmbühnen für das Projekt zu gewinnen.“