Kyllprojekt wirft viele Fragen auf

Kyllprojekt wirft viele Fragen auf

Der Umbau des Wehrs an der Pfeilsmühle zu einem Damm mit Fischtreppe hat Mehrkosten verursacht (der TV berichtete). Bislang wurde von 25 000 Euro ausgegangen, nun stehen 66 000 Euro im Raum. Um Klarheit zu erhalten, nehmen die Stadtratsfraktionen auf Antrag der Grünen heute im Rathaus Akteneinsicht.

Gerolstein. Die Arbeiten sind abgeschlossen, die Diskussionen dauern an: An der Pfeilsmühle stellte das alte Wehr für Fische bislang eine unüberwindbare Barriere dar. Nun ist es durch einen niedrigeren Damm aus Felsbrocken und eine Fischtreppe mit vier Becken ersetzt worden. So weit, so gut - wären da nicht die Mehrkosten.
Nachdem Stadtrat und Bauausschuss bislang über 20 000 bis 25 000 Euro Mehrkosten informiert wurden, sprach Ratsmitglied Tim Steen (Grüne) zuletzt von mehr als 66 000 Euro. Dies habe ihm Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) auf Anfrage geantwortet. Dem TV ließ Bongartz eine Kostenaufstellung zukommen. Daraus geht hervor, dass aktuell von 205 000 Euro Gesamtkosten ausgegangen wird. Zu den bislang vom Büro angesetzten Gesamtkosten von 180 000 Euro kam ein Nachfolgeauftrag von 25 000 Euro hinzu. Begründet wurde er damit, dass wesentlich mehr Felsen in die Kyll zur Stabilisation des Dammes eingebaut werden mussten, als ursprünglich gedacht. Daraufhin hatte der Bauausschuss bereits heftige Kritik an der Qualität der Voruntersuchungen des Planungsbüros geäußert (der TV berichtete).
Wie aus der Kostenaufstellung der Stadt weiter hervorgeht, ist der Auftrag an die bauausführende Firma für "nur" 113 500 Euro vergeben worden. Rechnet man die Honorarkosten von 25 500 Euro hinzu, kommt man auf 139 000 Euro. Die Differenz zu den angenommenen Gesamtkosten von 205 000 Euro: 66 000 Euro.
Stadt gewährt Akteneinsicht


Bongartz sagt dazu: "Stadtrat, Bauausschuss und Öffentlichkeit wurden von mir niemals falsch unterrichtet. Mir waren bislang immer nur Mehrkosten von 20 000 bis 25 000 Euro bekannt. Die Summe von 66 000 Euro wurde auch mir erst aus der Zusammenstellung durch den Fachbereich 2 (Bauabteilung, Anmerkung der Redaktion) bekannt." Wie hoch die tatsächlichen Kosten seien, müsse abgewartet werden, bis das Vorhaben komplett abgerechnet sei.
Steen beantragte Akteneinsicht, um die exakten Mehrkosten und deren Gründe zu erfahren. Die wurde ihm für heute gewährt - ebenso wie den anderen Ratsfraktionen, die sich nach und nach dem Antrag anschlossen. So sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Uwe Schneider. "Das war ein guter und wichtiger Vorstoß von Tim Steen, denn auch wir sind sehr gespannt - über die Höhe der Mehrkosten und die Gründe dafür."
Momentan gehe er von 25 000 Euro aus. Aber auch die sind für ihn schon "ärgerlich" - auch wenn das Land davon einen Großteil übernehme und an der Stadt "nur" 2500 Euro hängenblieben, wie die Verwaltung informierte.
Schneider sagte: "Erstens handelt es sich bei dem Landeszuschuss auch um Steuergelder, und zweitens wird mir da schon angst und bange mit Blick auf das Gesamtprojekt." Seine Forderungen: "Die künftigen Planungen des beauftragten Büros müssen verlässlicher sein, diese deutliche Kostenüberschreitung muss ein Einzelfall bleiben."
In die gleiche Kerbe schlägt CDU-Fraktionsvorsitzender Helmuth Hauth: "Ich bin sauer. Es wäre absolut wünschenswert, mal ohne Mehrkosten gegenüber der ursprünglichen Planung auszukommen."
Zudem ärgert er sich, dass es unlängst einen Ortstermin an der Baustelle gegeben haben soll - jedoch ohne Einladung des Bauausschusses. Auch deswegen fiebert er nun der heutigen Akteneinsicht entgegen. "Ich bin gespannt, was herauskommt", sagt Hauth, der nach eigenem Bekunden derzeit noch von 25 000 Euro Mehrkosten ausgeht. Für die gesamte Aktion Blau plus in Gerolstein (siehe Extra) sei das jedenfalls ein "schlechter Start".
Extra

Der Umbau des Wehrs an der Pfeilsmühle ist Auftakt einer Reihe von Maßnahmen, mit der die Kyll im gesamten Stadtgebiet von Gerolstein renaturiert und für die Menschen besser erlebbar gemacht werden soll. Die Stadt Gerolstein hat das Planungsbüro Max Reihsner beauftragt, ein Maßnahmenpaket zu erarbeiten und dies dem Land zur Förderung vorzulegen. Dessen Programm "Aktion Blau plus" zielt auf die Renaturierung solcher Gewässer ab und unterstützt diese mit einer 90-prozentigen Kostenbeteiligung. Bei geschätzten Gesamtkosten von drei Millionen Euro würde das Land demnach 2,7 Millionen Euro übernehmen, die Stadt Gerolstein 300 000 Euro. Ziel ist es, die Kyll ökologisch durchgängig sowie erlebbar und zu einem Anziehungspunkt zu machen. Es gibt Ideen für einen Matschspielplatz am Rathaus, Furten durchs Gewässer, einen Sandstrand sowie einen Park am Fluss auf dem Brunnengelände. mh