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Lärmgutachten bestätigt, dass das geplante Neubaugebiet Zum Sandborn in Gerolstein und der in einigen Hundert Metern entfernte Schießsportverein nebeneinander bestehen können.

Infrastruktur : Bis zu 4000 Schuss am Tag sind möglich

Lärmgutachten bestätigt, dass das geplante Neubaugebiet Zum Sandborn und der einige hundert Meter entfernte Schießsportverein nebeneinander bestehen können. Stadtrat entscheidet über Bebauungsplan im März.

Der Bauausschuss der Stadt Gerolstein hat sich erneut mit dem seit zweieinhalb Jahren geplanten  Neubaugebiet eines privaten Investors im Areal „Zum Sandborn“ am nordwestlichen Stadtrand befasst – ein weiterer Beschluss wurde aber nicht gefasst. Der steht für die nächste Stadtratssitzung im März an.

Im Ausschuss wurde das Ergebnis der vor zwei Jahren in Auftrag gegebenen schalltechnischen Untersuchung nochmals präsentiert. Und das sieht so aus: „Pro Tag können auf der benachbarten Anlage des Schießsportvereins 4000 Schuss abgefeuert werden, ohne dass der Richtwert von 55 Dezibel für ein allgemeindes Wohngebiet überschritten wird. Der Betrieb auf der Schießsportanlage ist für das Wohngebiet unbedenklich“, sagte Volker Ganz vom Büro Firu, Gesellschaft für Immisionsschutz, aus Kaiserslautern.

Denn: Nach seinen Erfahrungen könnten pro Stunde maximal 80 Schuss auf der Anlage abgegeben werden. Selbst bei einem Betrieb rund um die Uhr – der aber verboten ist – kämen so maximal 1920 Schuss zustande. Während der Ruhezeiten (von 6 bis 7 Uhr, von 20 bis 22 Uhr sowie sonn- und feiertags von 13 bis 15 Uhr) dürften laut Gesetz, so Ganz, 800 Schuss abgefeuert werden, um im Geräusch-Rahmen zu bleiben. Von 22 bis 6 Uhr ist strikte Ruhe angesagt.

Und: An zehn Tagen im Jahr darf die für ein allgemeines Wohngebiet bestehende Lautstärke-Grenze von 55 Dezibel sogar überschritten werden – auf bis zu 65 Dezibel. Ganz: „Das entspricht einer Verzehnfachung des Lärms, also 40 000 Schuss.“

Stadtbürgermeister Uwe Schneider (SPD) nannte die Ergebnisse des Gutachtens „zusätzliche Infos für die Entscheidung im Stadtrat“. Der Ausschuss selbst gab diesmal kein Votum ab. Denn es existiert noch ein Beschluss: Nachdem Ausschuss und Stadtrat sich zunächst (vor zweieinhalb Jahren) dafür ausgesprochen haben, das von einem privaten Investor gekaufte Areal als reines Wohngebiet auszuweisen, wurde der Beschluss geändert, als die Lärmproblematik aufkam. Um einem Konflikt (oder eventuell späteren Klagen von Hausbesitzern) aus dem Weg zu gehen, hatten die Stadt das Areal als Mischgebiet ausgewiesen, da in dem höhere Lärmschutzwerte gelten. Das wurde zwischenzeitlich, nachdem es bei der Offenlage des Plans dagegen erhebliche Einwände gegeben habe, wieder verworfen.

Nach den Ausführungen des Gutachters sagte SPD-Sprecherin Evi Linnerth: „Meine Meinung ist. Die Zukunft des Schießsportvereins ist durch das neue Wohngebeit nicht gefährdet. Wir sind demnach dafür, schließlich brauchen wir dringemnd ein neues Baugebiet in Gerolstein.“

CDU-Mann Volker Simon, der von Anfang an darauf gedrängt hatte, den Konflikt zwischen SSV und Wohngebiet im Vorfeld zu lösen, um kein böses Erwachen im Nachhinein zu erleben, sagte: „Ich finde es unmöglich, dass wir zweieinhalb Jahre in dieser Sache herumeiern, aber wir müssen nun einmal die wichtigen Fragen klären, bevor später auf die Stadt immense Kosten und Probleme zukommen.“

Auch Tim Steen (Grüne) meinte:  „Aus den aktuellen Informationen höre ich heraus: Das Wohngebeit wird die Existenz des Schießsportvereins nicht gefährden.“ Kein Verständnis hingegen zeigte er für die Haltung des SSV, der Stadt keine Angaben über aktuelle Schusszahlen auf dem Gelände zu liefern.

Und er brachte nochmals ein anderes Thema in Zusammenhang mit dem geplanten Baugebiet ins Gespräch, das er bereits desöfteren betont hatte: eine Bauverpflichtung auf dem Gelände, um Bodenspekulation zu verhindern. Er appellierte: „Wir sollten definitiv erst dann einen Bebauungsplan für das Areal aufstellen, wenn zwischen der Stadt und dem Investor ein städtebaulicher Vertrag geschlossen ist, in dem geregelt ist, dass die Grundstücke zeitnah nach Erwerb bebaut werden  oder aber, dass sie ansonsten nach einer gewissen Zeit an die Stadt zurückgehen.“

Dem pflichtete auch der Stadtbürgermeister zu: „Der Vertrag ist Grundlage für den Bebauungsplan.“ Nur, so die Auskunft der Bauverwaltung: „Bis heute liegen uns keine Unterlagen des Investors vor.“

SSV-Vorsitzender Stefan Ewertz sagte zur aktuellen Entwicklung: „Wir sind nicht gegen ein Baugebiet, wir brauchen und wollen nur die Sicherheit, dass unsere Existenz nicht bedroht ist.“ Im Übrigen verwies er darauf, „dass wir eine Genehmigung ohne irggendwelche Schusszahl-Begrenzung haben“.

Aus Richtung Roth kommend, liegt das geplante neue Baugebiet linkerhand auf Höhe des Stadteingangs. Foto: TV/Mario Hübner
Nach Vorstellung des Lärmgutachtens, das ein Nebeneinander des geplanten Neubaugebiets am Sandborn und des Schießstandes in einigen Hundert Metern Entfernung als unproblematisch einstuft, könnte es mit der Erschließung des Areals am nordwestlichen Stadtrand von Gerolstein dieses Jahr losgehen. Foto: TV/Mario Hübner
Der Schießsportverein Gerolstein befürchtet Einschränkungen durch das geplante Baugebiet.  . Foto: TV/Mario Hübner

Das Vereinsareal des SSV Gerolstein samt der Schießstände liegt vom geplanten Baugebiet gerade einmal rund 300 Meter Luftlinie weiter in Richtung Roth  entfernt – im Wald und hinter einer Kuppe.