Lagerfeuerromantik statt Internet

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Manfred Schumacher (60) aus Zülpich ist neuer Jugendpfleger der Verbandsgemeinde Hillesheim. Der Tiernarr will nicht viel umkrempeln, dem Nachwuchs aber mehr Naturerfahrung und Abenteuer näherbringen.

Hillesheim Die siebenmonatige Vakanz ist beendet: Die Verbandsgemeinde Hillesheim hat wieder einen Jugendpfleger, der mit einer halben Stelle (19,5 Stunden pro Woche) beschäftigt ist. Es ist Manfred Schumacher (60) aus Zülpich (NRW). Im März hat er den Job angetreten und folgt somit auf Vanessa Lenerz, die gut ein Jahr (von Sommer 2015 bis Sommer 2016) an Bord war. Zuvor leitete Rita Blum sechs Jahre die Geschicke im Haus der Jugend zwischen Grundschule und Sportzentrum. Angesichts seines Alters drängt sich die Frage auf, wie lange er den Job überhaupt machen wolle. Er antwortet: "Solange ich fit bin."Schumacher ist Diplom-Sozialpädagoge und ein alter Hase in Sachen Jugendbetreuung. In Nordrhein-Westfalen war er nach eigenen Angaben lange Jahre in der Jugend- und Familienhilfe tätig, hat mit Behinderten und in der Flüchtlingshilfe gearbeitet und auch selbst mit seiner Partnerin zuhause im Lauf der Jahre drei Jugendliche aus, wie er sagt, "schwierigen Verhältnissen" bei sich aufgenommen. Die Arbeit in der Flüchtlingshilfe will er fortführen, auch die Familienbetreuung teilweise, denn: "Bei manchen gehe ich schon seit Jahren ein und aus. Die würden in ein Loch fallen, wenn ich da jetzt nicht mehr weitermachen würde", vermutet Schumacher. Nicht zuletzt aus diesen Gründen und "weil wir uns in Dahlem ein Haus mit großem Grundstück gekauft haben, das wir jetzt umbauen", sei für ihn die halbe Stelle genau passend.Zur Arbeit in Hillesheim, die er nun seit gut einem Monat kennengelernt hat, sagt Schumacher: "Alles, was sich hier etabliert hat, soll beibehalten werden." Dazu zählen die Öffnungszeiten des Hauses der Jugend in Hillesheim (montags und donnerstags, von 16 bis 20 Uhr), das gemeinsame Kochen und Essen ("Ein schönes Ritual, bei dem alle zusammenkommen.") und auch die Nachtsportaktion, zu der jeweils zwischen 30 und 50 Kinder und Jugendliche in der Turnhalle Sport treiben. "Die wird aber weiterhin von Sportlehrer Jojo Burgard fortgeführt. Das hat sich erstens eingespielt, zweitens hat Manfred dann mehr Zeit, um in die Dörfer zu gehen und mit den dortigen Jugendgruppen und Betreuern Kontakte zu knüpfen", sagt Dieter Bernardy. Er ist Vorsitzender der Vereins Offener Jugendtreff Hillesheim und weiß um die Kritik aus den Orten - dass der Jugendpfleger der VG nicht nur für die Jugend in der Stadt zuständig sei. Aber weil es nur eine halbe Stelle sei, die die VG finanziere, bleibe oft nicht die Zeit, um regelmäßig in den Dörfern zu sein. Bernardy sagt aber auch: "Ich würde das Thema Vollzeitstelle gerne nochmals politisch anstoßen, weiß aber schon jetzt um die Ablehnung aus den Dörfern, wenn es um die Finanzierung geht." Dabei würden ins HdJ Hillesheim auch viele Jugendliche aus den Dörfern kommen, sagt Bernardy.Derzeit ist er aber erst einmal froh, dass die Jugendpflegerstelle wieder besetzt ist. Denn die siebenmonatige Vakanz hat der Verein mit eigenen Kräften überbrückt - und das HdJ durchgehend zu den gewohnten Zeiten geöffnet. "Das war nicht ohne, aber notwendig. Denn entsteht erst einmal ein Loch, fängt man bei Null an. Dann suchen sich die Jugendlichen nämlich etwas anderes", spielt er auf die notwendige Kontinuität an, die in der Jugendarbeit besonders wichtig sei.Und die Arbeit scheint sich gelohnt zu haben: Zum Angrillen versammeln sich gut zwei Dutzend Besucher im und vorm HdJ. Während die Jüngeren auf dem Trampolin springen, auf der großen Wippe einen Wettbewerb austragen oder mit den Rädern Runden drehen, kümmern sich die Älteren ums eigentliche Grillen. Mit dabei sind David Schlösser, Thomas Gitschik und Jana Eich, die als ehrenamtliche Helfer mehr Betreuer denn Gäste des HdJ sind. "Dass sie da sind und sich einbringen, ist toll", sagt Schumacher. Doch da abzusehen sei, dass sie wegen Studiums oder Ausbildung bald nicht mehr zur Verfügung stehen, "müssen wir neue Jugendliche gewinnen, die mithelfen wollen". Ein paar Kandidaten hätten auch bereits Interesse gezeigt, meint Schumacher. Seine eigene Stärke sieht er darin, "Kids und Jugendliche für Projekte begeistern zu können", einen Schwerpunkt möchte er im Bereich "Naturerfahrung/Abenteuer" setzen: "Ich kann mir gut vorstellen, mal ein Zeltlager zu veranstalten", sagt der Jugendpfleger, der sich selbst als naturverbunden bezeichnet - und als Tierfreund. Das ist nicht verwunderlich: "Wir haben zuhause Hunde, Katzen und einen Papagei." Auf Nachfrage wird er konkret: "Es sind zehn Schäferhunde, drei Katzen und unser Papagei Captain Cook." KommentarMeinung

Nochmals nachdenkenJugendarbeit lebt von Vertrauen. Vertrauen zwischen den Heranwachsenden und ihrem zentralen Ansprechpartner, dem Jugendpfleger. Dafür braucht es Zeit. Die hatten die Jugendlichen im Hillesheimer Land zuletzt bei Rita Blum, da sie sechs Jahre am Stück und mit viel Herzblut bei der Sache war. Sie hatte zwar auch keine ganze Stelle, wurde aber immerhin 25 Stunden pro Woche bezahlt. Inzwischen wurde auf 19,5 Stunden reduziert. Da ist es nachvollziehbar, wenn eine hohe Fluktuation bei den Jugendpflegern herrscht. Die sind weg, sobald sie eine volle Stelle in Aussicht haben. Die Leidtragenden: die Jugendlichen. Kann keiner wollen. Es sollte nochmals über eine Vollzeitstelle und deren Finanzierung nachgedacht und diskutiert werden. m.huebner@volksfreund.de