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Landgericht Trier hat das Verfahren gegen einen 32-Jährigen fortgesetzt, der Bewohner und Touristen in Daun terrorisiert haben soll.

Justiz : Beleidigungen und Faustschläge als roter Faden der Verhandlung

Das Landgericht Trier hat das Verfahren gegen einen 32-Jährigen fortgesetzt, der von Juni bis Juli 2019 in Daun Bewohner und Touristen terrorisiert haben soll.

Zumindest für einen Zeugen aus Daun scheint es der reine Horror gewesen zu sein: Er traute sich im Sommer vergangenen Jahres fast nicht mehr auf die Straßen der Kreisstadt aus Angst, von einem 31-jährigen Mann erneut angegriffen zu werden.

Seit Anfang Januar steht der heute 32-Jährige vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Trier. Die Beweislage verdichtet sich mit jedem Verhandlungstag. Das liegt auch daran, dass der Angeklagte die Vorfälle nicht grundsätzlich abstreitet. Stattdessen gibt er nach fast jeder Zeugenaussage Kommentare ab und versucht, Tatabläufe dahingehend zu „korrigieren“, als sei er zuerst beleidigt und angegriffen worden. Auch einen sexuellen Übergriff auf eine junge Frau hat er nicht abgestritten, sondern versucht, den Fall als „Irrtum“ darzustellen- Der Angeklagte: „Eine blöde Verwechslung, ich dachte, das sei eine Bekannte“ (der TV berichtete).

Am jüngsten Verhandlungstag erzählen mehrere Polizeibeamte von der Festnahme des großen und kräftigen Tatverdächtigen nach dem sexuellen Übergriff am 22. Juli 2019. Es war wohl Schwerstarbeit. Es begann mit Beleidigungen und Drohungen wie „ich mach‘ dich kaputt, verdammter Hurensohn“, dann ein Faustschlag, der aber nicht voll traf und Tritte nach allen Seiten. Erst mit Pfefferspray sei es gelungen, den Tobenden zu Boden zu zwingen und zu fesseln. „Dann fing er an zu spucken“, erklärt der Einsatzleiter und fügt hinzu: „Der Angeklagte ist nach meiner Meinung eine tickende Zeitbombe.“ Und der Kollege sagt: „Wer weiß, was einige Tage später passiert wäre, wenn wir ihn nicht geschnappt hätten.“ Nach diesem letzten Vorfall kam der Angeklagte zunächst in Untersuchungshaft und ist nun vorläufig in der geschlossenen Psychiatrie im Nette-Gut bei Andernach untergebracht.

Das erfreut auch einen jungen Zeugen, der zwischen dem 24. Juni und dem 16. Juli gleich dreimal attackiert wurde. Es begann vor einem Supermarkt, wo der Angeklagte zunächst eine junge Frau sexuell angepöbelt haben soll. Mehrere ihrer Bekannten – darunter der junge Zeuge - sprachen ihn deshalb an. Der Angeklagte verließ daraufhin den Schauplatz, und die Gruppe folgte ihm. Dann soll der Angeklagte den Zeugen mit Wucht gegen einen Bauzaun gestoßen haben. Dies beobachtete ein Paar auf der anderen Seite und schloss sich der jugendlichen Verfolgergruppe an. Die Frau alarmierte dabei die Polizei und gab mehrfach die „aktuellen Positionen“ an. An der Dauner „Eselsbrücke“ eskalierte die Situation, obwohl da die Polizei schon in Sichtweite war. Er soll gegen das ältere Paar, das sich der Verfolgung angeschlossen hatte, massiv handgreiflich geworden sein. „Ich wurde durch etwa fünf Faustschläge am Kopf verletzt“, sagt der Mann. Sie sei zu Boden geflogen und habe sich am Bein verletzt, berichtet die Zeugin.

Hart traf es in der Folgezeit den jungen Zeugen aus der Gruppe. Der schmächtige junge Erwachsene berichtet, wie er vom Angeklagten in Daun verfolgt wurde. Etwa eine Woche nach dem ersten Vorfall soll der Angeklagte mit einem Fahrradschlauch auf ihn losgegangen sein. Sein Freund sei dazwischen gegangen und habe das mit einer aufgeschlagenen Lippe bezahlt. Fünf Tage später sei es zum fatalen Wiedersehen im Supermarkt gekommen. Der Zeuge: „Er griff mich mit Faustschlägen an und ich war kurz bewusstlos. Drei Platzwunden mussten im Krankenhaus geklebt werden.“ Während der Vernehmung sitzt der Zeuge nur etwa drei Meter vom Angeklagten entfernt. Plötzlich bittet er um eine Unterbrechung, weil ihm schlecht sei. Draußen auf dem Gang sagt er: „Ich habe keine Angst, aber ich fühle mich gefährdet, weil der Mann keine Fesseln trägt. Wissen die denn nicht, wie gefährlich der ist. Der hat fünf Polizisten auf einmal angegriffen. Ich habe es selbst gesehen.“ Dann wird die Vernehmung fortgesetzt und am Ende sagt der Zeuge: „Seit ich weiß, dass der nicht mehr frei herumläuft, fühle ich mich in Daun wieder sicher.“

Die Verhandlung wird am 7. Februar, 9 Uhr, fortgesetzt.