1. Region
  2. Vulkaneifel

Landkreis Vulkaneifel leistet Hilfe an den EU-Außengrenzen

Eine Welt : Landkreis Vulkaneifel leistet Hilfe an den EU-Außengrenzen

Der Landkreis Vulkaneifel leistet ein Stück konkrete Hilfe für Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen. Die lokale Organisation von „Seebrücke – Sichere Häfen“ verteilt im Schulterschluss mit DRK und Bundesforst wetterfeste Kleidung.

Als ein 7,5-Tonner des Vulkaneifeler DRK und ein Sprinter der Kreisverwaltung auf den Hof des Pfarrheims St. Anna in Gerolstein fuhren, wurden viele helfende Hände beim Ausladen gebraucht. So auch die von Landrat Heinz-Peter Thiel, der mit anpackte, Pakete in den Pfarrheimsaal wuchtete und deren Inhalt in Augenschein nahm. Schließlich war er mit guten Kontakten zum Bundesforst verantwortlich für das Füllhorn, das sich aus den Fahrzeugen ergoss.

Beide waren aus dem Zentrallager des Bundesforst im hessischen Friedberg gekommen und voller neuwertiger und noch originalverpackter Dienstkleidung für Försterinnen und Förster: Hunderte winddichte Jacken und orangerote Mützen sowie wärmende Pullover, Tausende Hemden und bequeme T-Shirts.

Die Lieferung in die Vulkaneifel verhinderte eine Ressourcenverschwendung, denn andernfalls wäre all das verbrannt worden. Das Outfit der beamteten Forstleute hat seit kurzem ein anderes Design, zugleich wird der Lagerplatz für medizinische Ausrüstung benötigt.

Nun geht die wetterfeste Kleidung an den DRK-Kreisverband Vulkaneifel, der seine Second-Hand-Läden in Daun und Gerolstein damit bestückt. Zu großen Teilen findet die Riesenmenge an Kleidung jedoch über die neu gegründete Vulkaneifel-Gruppe der Organisation „Seebrücke – Sichere Häfen“ Verwendung in Flüchtlingslagern an den EU-Außengrenzen.

Die gemeinsam von DRK, Pfarrgemeinde St. Anna, Ruth Bahadori (Vorsitzende des Forums Eine Welt), Bundesforst und Landrat Thiel organisierte Aktion macht somit doppelt Sinn. Die lokale Sektion der „Seebrücke“ ist als Flüchtlingshilfe quasi ein Ableger des Forums Eine Welt. „Mit so viel Kleiderspende hatten wir gar nicht gerechnet“, schildert Bahadori ihre positive Überraschung, „wir dachten, wir bekommen einen Kofferraum voll und fahren damit zu den Flüchtlingen nach Calais.“

So schnell geht es nun nicht. Es ist Vorarbeit notwendig, um die Bundesforst-Patches abzutrennen und mit der Verteilung zu beginnen. „Es sind vor allem die Frauen, die vor einiger Zeit schon Ponchos genäht haben und nun wieder aktiv sind. Wir kommen gut voran.“

Ruth Bahadori und ihre Tochter Mariam haben die Situation der Geflüchteten in den diversen Lagern teils selbst in Augenschein genommen, etwa auf der griechischen Insel Samos. Sie haben zum Beispiel persönliche Kontakte zum Refugee Community Kitchen, einer ehrenamtlichen Nichtregierungs-Organisation, die in Frankreich und Großbritannien die obdachlosen Geflüchteten mit warmen Mahlzeiten versorgt.

„Das Elend ist seit langem bekannt, nicht nur in Moria“, sagt Ruth Bahadori. „Man kann nicht genug darauf hinweisen. Es hat sich bei uns in den letzten Monaten so vieles um Corona oder Biomüll gedreht, darüber wurde das Leid der Flüchtenden regelrecht verdrängt. Wir haben Hassposts auf Facebook bekommen, das greift offenbar auch in der Eifel um sich. Aber wir glauben weiter an die Menschlichkeit. Gerade junge Menschen können sich mit der ‚Seebrücke‘ gut identifizieren, weil es etwas ganz Konkretes ist, wie man helfen kann.“

Die Vorsitzende des Forums Eine Welt appelliert an die Vertreter der Kommunalpolitik, sich dem zu öffnen und Solidarität zu beweisen. Die Fluchtproblematik sei für die Eifel nicht weit entfernt, sondern reiche in den hiesigen Alltag hinein.

„Wir sehen zum Beispiel die Abschiebungspraxis im Eifelkreis, wo gut integrierte und auf dem Arbeitsmarkt benötigte Menschen trotzdem fortgeschickt werden. Aber wenn wir zum ‚sicheren Hafen‘ werden, dann werden wir erleben, dass die Begegnung der Kulturen eine Bereicherung für alle ist.“

Landrat Heinz-Peter Thiel packt beim Sortieren der Kleiderspende eigenhändig mit an. Foto: TV/Forum eine Welt

Die „Seebrücken“-Aktiven hoffen, dass mit der Aktion nicht nur wetterfeste Kleidung an Bedürftige ausgehändigt wird: „Wir möchten weitere Menschen für unsere Flüchtlingshilfe motivieren. Es geht ums Machen und nicht nur ums Reden“, sagt Ruth Bahadori mit Blick auf die Paketstapel im Pfarrsaal.