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Landwirte sprechen von katastrophalem Jahr

Landwirte sprechen von katastrophalem Jahr

Das Jahr 2016 werden viele Landwirte nicht in guter Erinnerung behalten, denn wegen des schlechten Wetters war die Ernte nicht gut und der Milchpreis befand sich im freien Fall. Das bedeutete für manchen Bauern das Aus oder zumindest schwere Einkommensverluste.

Daun. Peter Maas aus Hillesheim ist, wenn man die Anzahl der Kühe in seinem Stall sieht, ein kleiner Landwirt. 36 Tiere hat er in seinem Milchbetrieb, die Kühe haben in diesem Jahr 200 000 Liter Milch produziert. Maas bewirtschaftet eine Fläche von 55 Hektar. Doch für den 56-Jährigen ist sein Hof ein "Auslaufbetrieb" und jetzt noch dieses schlechte Bilanz. "Das Jahr war eine einzige Katastrophe vom Frühjahr bis zum Herbst. Das Wetter war extrem und der Milchpreis lag ein halbes Jahr lang bei 25 Cent brutto pro Liter. Erst ab Oktober gab es zwei Cent mehr, und für November soll es jetzt 5,5 Cent mehr pro Liter geben. Doch noch so ein schlechtes Jahr und die Bude ist zu", sagt er.
Mit dem Slogan "Bauern brauchen einen fairen Preis - 40 Cent pro Liter Milch" wirbt der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) seit langem für eine Anhebung des Milchpreises. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Dass die Lage der Landwirte in diesem Jahr geradezu verzweifelt war, weiß auch der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau Michael Horper. "Wir haben schwere Jahre hinter uns, und es sind schwierige Zeiten, die wir durchleben. Aber die Märkte erholen sich jetzt, auch beim Milchpreis geht es aufwärts. Die Molkereien haben verstanden, dass es so nicht weitergeht. Ich bin kein Prophet, aber ich denke, im März/April nächsten Jahres sind wir wieder bei 33 bis 34 Cent für die Milch", sagt Horper.
Die schwierige, vereinzelt oft dramatische Situation kennt auch Staatssekretär Andy Becht vom Landwirtschaftsministerium genau, hat er doch im ersten Jahr seiner Zeit in der Landesregierung einen wahren "Crashkurs" in Sachen Probleme der Landwirtschaft hinter sich. "Dieses Jahr war ein schwieriges, herausforderndes und katastrophales mit enormen Wertschöpfungsverlusten für die Landwirte. Wir schätzen den Betrag auf sechs Milliarden Euro", sagte er bei der Delegiertentagung des Kreisverbandes Daun. Auch Sebastian Reif aus Katzwinkel hat diese Erfahrung gemacht.

Würdigen Ausstieg ermöglichen


Im elterlichen Betrieb stehen 110 Kühe, jetzt will die Familie noch in einen neuen Kälberstall investieren. "Der Milchpreis macht 90 Prozent unseres Einkommens aus, und erst bei 35 Cent pro Liter fangen wir an zu verdienen, wir bekommen aber jetzt nur 28 Cent. Der Umsatzeinbruch durch den niedrigen Milchpreis wird in diesem Jahr für uns bei 150 000 Euro liegen.
Auch die Ernte war schwierig, bei der Grassilage etwa war zwar die Menge da, aber die Qualität schwankte doch sehr, was für uns bedeutete, dass wir Kraftfutter dazukaufen mussten", erzählt er. Markus Franzen aus Steineberg hat 120 Kühe im alten Stall stehen und bewirtschaftet 230 Hektar Fläche. "Ich kann mich nicht beschweren, am Hungertuch nage ich noch nicht. Aber ich habe notwendige Investitionen in die Maschinen jetzt zuerst einmal auf Eis gelegt, und ich werde die Anzahl der Kühe eher reduzieren", sagt der 42-Jährige, der allerdings auch noch eine andere Arbeitsstelle hat. Auch bei ihm schlug das schlechte Wetter ins Kontor, die erste Sillageernte war schwierig und die Getreideernte durchschnittlich.
Die Lage vieler Landwirte ist prekär, und ihre Anzahl wird sich weiter verringern, das ist sicher. Michael Horper plädierte dafür, denjenigen, die nicht zu retten sind, "zumindest einen würdigen Ausstieg zu ermöglichen".
Momentan gibt es im Bereich des Kreisbauernverbands Daun noch rund 200 Vollerwerbsbetriebe. Rund 20 Betriebsinhaber gaben von 2015 bis 2016 ihren Hof auf. "Jeder Milcherzeuger muss sich seiner Situation bewusst sein", sagt Marco Weber, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Daun. Er mahnt an, "dass die junge Generation nicht die Lust an der Landwirtschaft verlieren darf".
Deshalb müsse auch die Darstellung der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit verbessert werden.Extra

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau mit Sitz in Koblenz hat insgesamt 18 000 Mitglieder, die in 1600 Ortsverbänden zusammengeschlossen sind. Präsident des Verbandes ist Michael Horper. Einer der Ortsverbände ist der Kreisverband Daun mit Sitz in Daun-Boverath mit 972 Mitgliedern. Vorsitzender des Kreisbauernverbandes ist Marco Weber aus Lissingen, der auch FDP -Landtagsabgeordneter ist. Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Daun ist Peter Hutsch. HG