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Soziales: Laufend für den guten Zweck unterwegs

Soziales : Laufend für den guten Zweck unterwegs

Sport ist nicht nur gut für die Gesundheit, sondern auch geeignet, um für soziale Zwecke zu werben. Das weiß auch Alois Pitzen, der mit seinem Sohn beim Berlin Marathon antritt und dabei Spenden sammelt.

(sts/red) Berlin, 16. September: Rund 40 000 Laufbegeisterte starten zum Marathon in der Hauptstadt. Mittendrin werden Alois und Jonathan Pitzen aus Ulmen sein. Der Arzt mit Praxis in Daun und sein Sohn, Informatik-Student, sind jedoch nicht nur auf der Jagd nach persönlichen Bestzeiten. Sie wollen auch ein positives Zeichen setzen.

Mit ihrem Spendenlauf, den sie „Marathon der Hoffnung“ getauft haben, wollen sie die Dinge, die sie in ihrem Alltag umtreiben, ein wenig mehr ins allgemeine Bewusstsein rücken und mit den gesammelten Spenden an einigen Stellen konkret helfen. Es geht für sie um die Probleme im Zusammenhang mit Krankheit, Hunger, Flucht und Integration sowie um das Landarztsterben.

All diesen Themen begegnen Alois Pitzen und seiner Frau Sandra immer wieder, sowohl als Ärzte als auch als Eltern von drei Kindern. „Diese Themen können und dürfen den Menschen nicht egal sein. Die Aufmerksamkeit, die die Auseinandersetzung damit derzeit erfährt, zeigt ja auch deutlich, das jeder in mehr oder weniger starkem Ausmaß betroffen ist“, sagt Alois Pitzen. Und ergänzt: „Es ist schade, dass es uns offenbar als Gesellschaft immer weniger gelingt, das Positive im Nächsten zu sehen und im Glauben daran gemeinsam an den Problemen zu arbeiten.“

2011 war Pitzen schon einmal in Berlin einen Marathon gelaufen und hatte in einer ähnlichen Spendenaktion mit Hilfe von vielen Spendern insgesamt mehr als 13 000 Euro für ein Entwicklungshilfeprojekt in Uganda gesammelt. „Das war eine großartige Resonanz. Mit den Spenden wurde vielen Aids-Waisen eine Schulausbildung ermöglicht und somit ein wichtiger Grundstein auf dem Weg aus der Armut gelegt.“

Auch in diesem Jahr will Pitzen für das Projekt in Afrika, das vor Ort von seinem Freund Pater Paulinus Fokushaba, einem katholischen Priester, betreut wird, sammeln. Anders als 2011 soll aber in diesem Jahr die Hälfte des Spendengelds vor Ort bleiben. Er möchte es zu gleichen Teilen der Dauner Tafel, dem Café Asyl sowie dem Integrationscafé Ulmen zur Verfügung stellen.

„Beim Marathon braucht man wie im richtigen Leben einen langen Atem“, sagt Pitzen, der mit seinem Sohn die Freude an der Bewegung teilt. „Dazu braucht es einen gut durchdachten (Trainings-)Plan, Beharrlichkeit, Disziplin und einen guten Schuss Hoffnung und Zuversicht, dass das Ziel, das zu Beginn oftmals bestenfalls vage zu erkennen ist, auch erreicht wird.“

Seine Unzufriedenheit über gesellschaftliche Entwicklungen und die Politik wird auch beim Thema ärztliche Versorgung auf dem Land deutlich. Den Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn, der durchgerechnet hat, dass die Landärzteknappheit kein Thema mehr ist, wenn die Ärzte statt 20 künftig 25 Stunden Sprechzeit in der Woche anbieten, quittiert er mit einem ironischen Lächeln.

Pitzen berichtet, dass er allein in seiner derzeit mit sechs Ärzten besetzen Praxis  32 Stunden Sprechzeit pro Woche anbiete, seine Frau Sandra weitere 28 Stunden die Woche, und somit deutlich mehr als die von Spahn geforderten 25 Stunden pro Woche. Für Pitzen ein Beispiel dafür, wie das Landarztsterben von der Politik „nur durch parlamentarisches Getöse und Aktionismus begleitet wird, das wenig bringt.“

Gleichgültigkeit, Frust und Resignation über das politische Handeln spüre er auch bei Gesprächen mit seinen Kollegen. „Viele von uns fühlen sich schon zu lange im Stich gelassen, sowohl von den eigenen Standesvertretungen wie der Kassenärztlichen Vereinigung oder der Ärztekammer als auch von den Krankenkassen und der Pharmaindustrie“, beklagt Pitzen.

„Die einen haben offensichtlich andere Interessen, die anderen scheinen zu tief in alten Strukturen und Eigenverwaltung verstrickt zu sein oder sind einfach bisher nicht willens, wirklich etwas verbessern zu wollen.“

„Das System steht vor dem Kollaps“, beschreibt der Arzt die Lage aus seiner Sicht. Die gute hausärztliche Versorgung in nachweislich unterversorgten Gebieten sei derzeit nur dadurch noch gewährleistet, dass die noch vorhandenen Landärzte nach dem Rentenalter weiterarbeiteten und auch die zahlenmäßig zu wenigen jüngeren flächendeckend mehr Arbeit hätten, als sie es mittel- und langfristig bewältigen könnten.

 Sandra Pitzen, ihre Tochter Theresa und ater Paulinus Fokushaba haben im vergangenen Jahr eine Schule in Uganda besucht.
Sandra Pitzen, ihre Tochter Theresa und ater Paulinus Fokushaba haben im vergangenen Jahr eine Schule in Uganda besucht. Foto: TV/privat
 Gut vorbereitet für Berlin: Jonathan und Alois Pitzen (zwischen ihnen Cousin/Neffe Johannes Pitzen-Probst) vor dem Start des Gutenberg-Marathons in Mainz im Mai.
Gut vorbereitet für Berlin: Jonathan und Alois Pitzen (zwischen ihnen Cousin/Neffe Johannes Pitzen-Probst) vor dem Start des Gutenberg-Marathons in Mainz im Mai. Foto: TV/privat
 Gut trainiert: Jonathan und Alois Pitzen (hier mit Cousin/Neffe Johannes Pitzen-Probst (Mitte)) vor dem Start des Gutenberg-Marathons in Mainz im Mai.
Gut trainiert: Jonathan und Alois Pitzen (hier mit Cousin/Neffe Johannes Pitzen-Probst (Mitte)) vor dem Start des Gutenberg-Marathons in Mainz im Mai. Foto: TV/privat
 Pater Paulinus Fokushaba, Theresa Pitzen und Sandra Pitzen beim Besuch einer Schule in Uganda im vergangenen Jahr.
Pater Paulinus Fokushaba, Theresa Pitzen und Sandra Pitzen beim Besuch einer Schule in Uganda im vergangenen Jahr. Foto: TV/privat

Wenn am 16. September am Brandenburger Tor der Startschuss für den 45. Berlin-Marathon erfolgt, wird Pitzen für ein paar Stunden all diese Probleme zurückstellen. Dann geht es darum, Spenden zu sammeln.