Laurentius' Reise von Dockweiler nach Daun

Laurentius' Reise von Dockweiler nach Daun

DAUN. (red) Warum feiert Daun seine Kirmes am Laurentiusfest? Eine berechtigte Frage – denn eigentlich müsste sie "Nikolauskirmes" heißen. Historiker Alois Mayer hat sich auf die Spuren der Laurentius-Figur begeben.

Die Kirmes, abgeleitet von "Kirchmesse", ist aus der einstigen Kirchenweihe entstanden, aus der feierlichen Einsegnung des Altares und der Sakralräume. Es ist nachweisbar, dass sich ab dem zehnten Jahrhundert in größeren Städten neben der reinen kirchlichen "Geburtstags"-Feier schnell auch weltliche Feierlichkeiten mit Märkten, Tanzveranstaltungen, Schaubuden und ähnlichem entwickelten. Nun sind die Dauner Pfarrkirche und ihr Altar aber dem heiligen Nikolaus geweiht. Folgerichtig müsste daher die Dauner Kirmes Anfang Dezember gefeiert werden. Aber ein jeder weiß, dass dieses Dauner Großereignis anlässlich des Fests vom heiligen Laurentius Anfang August begangen wird.Graf Diedrich V. Anhänger des Protestantismus

Volksüberlieferungen und geschichtliche Quellen lassen folgende Erklärung zu: Im 16. Jahrhundert gehörten die Pfarrei und die Gemeinde Dockweiler den Herren und Grafen von Manderscheid-Schleiden. Einer von diesen, Graf Diedrich V., brach in seinem Herrschaftsbereich mit der katholischen Tradition und bekannte sich als Anhänger des lutherischen Glaubens. Das bedeutete, dass alle seine katholischen Untertanen nunmehr protestantisch sein mussten, wenn sie nicht auswandern wollten. Auch in der Pfarrei Dockweiler führte er die Reformation ein. Der katholische Pfarrer (Pantaleon Daun) musste gehen. Ein lutherischer Pfarrer, Sixtus Hoffmann, der ab 1580 bis 1593 nachweisbar ist, wurde durch den Grafen eingesetzt. Auch der folgende Graf (Diedrich VI.) blieb bis zu seinem Tode 1593 dem Protestantismus treu. Danach fiel Dockweiler mitsamt der Pfarrkirche und den Filialen an die katholische Herrschaft der Grafen von Kerpen und Kasselburg. Und über Nacht wurden wieder alle Pfarrkinder katholisch. Jener Pfarrer Sixtus Hoffmann hielt nichts vom Brauchtum der Katholiken. Engel und Heilige bedeuteten ihm nichts, und er ließ deren Bilder, Figuren und Statuen aus der Kirche und den Filialkapellen entfernen. So beförderte er auch die überlebensgroße Laurentius-Figur, Schutzpatron der Dockweilerer Kirche, ins Freie. Das sprach sich herum bis Daun.Laurentius wird schnell zum zweiten Stadtpatron

Der Dauner Pastor Johann Arnoldi wird es schließlich gewesen sein, der die Erlaubnis erwirkte, diese Holzfigur nach Daun nehmen zu dürfen. Dort fand sie Aufstellung in der uralten Nikolauskirche und der Heilige wurde schnell zum zweiten Dauner Stadtpatron. Und was lag der geschäftstüchtigen Stadt und dem Bürger näher, als die Verlegung der bisherigen Nikolauskirmes aus der kalten und schneereichen Adventszeit, in der weltliche Feiern sowieso untersagt waren, aufs Fest des heiligen Laurentius im warmen August zu beantragen, was letztlich auch der Erzbischof von Köln erlaubte. Doch der heilige Laurentius zeigte sich neben seinem segensreichen Wirken bis auf den heutigen Tag auch noch durch ein Patengeschenk den Daunern gegenüber dankbar. Beim Ausbessern und Wiederherstellen der Figur entdeckte man eine verborgene Öffnung im Holzkörper des Heiligen. Geöffnet gab sie ihr Geheimnis preis: Urkunden und Schenkungspapiere über Weingüter und sonstige Besitzungen an der Mosel, die nun ganz der Dauner Kirche zugute kamen, wie alte Urkunden aussagen.