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Lautstarker Protest: Mehr als 1000 Menschen demonstrieren in Daun gegen Geburtshilfe-Aus

Gesundheitswesen : Mehr als 1000 Menschen demonstrieren in Daun gegen das Geburtshilfe-Aus (Fotos/Video)

Der Protest gegen die angekündigte Schließung der Abteilung des Dauner Krankenhauses hat viele Bürger motiviert, auf die Straße zu gehen. Sie machten beim Zug durch die Kreisstadt friedlich, kreativ und lautstark ihren Widerstand gegen die Entscheidung deutlich.

Das wird sicher ein Kapitel in der Stadtgeschichte von Daun wert sein: Mehr als 1000 Menschen sind durch die Kreisstadt marschiert, um gegen die für den 31. Dezember angekündigte Schließung der Geburtshilfe des örtlichen Maria-Hilf-Krankenhauses zu protestieren. Ein Thema, dass die Vulkaneifel bewegt und mobilisiert wie kaum ein anderes zuvor. Die Schließungen der Geburts-Abteilungen in Prüm, Gerolstein oder Adenau waren in den vergangenen Jahren ohne nennenswerte Proteste vollzogen worden, in der Hoffnung, der verbliebene Standort Daun werde damit gestärkt.

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Aus für die Geburtshilfe in Daun

Dass der Erhalt der Station nicht auf ewig gesichert sein könnte, war lange bekannt. Aber die Ankündigung des Krankenhauses Anfang vergangener Woche, die Geburtshilfe am Ende des Jahres zu schließen, kam völlig unerwartet und hat weit über Daun hinaus eine ungeahnte Betroffenheit ausgelöst. Denn es ist ja nicht nur die Stadt, sondern ein großes Umfeld, für das die Abteilung in Daun die Anlaufstelle für Schwangere ist.

Sich einfach ins Schicksal fügen, das wollen viele Bürger und auch die Kommunalpolitiker nicht. So hat die gerade erst aus der Taufe gehobene Interessengemeinschaft Geburtshilfe Daun binnen weniger Tage eine wohl zunächst für nicht  möglich gehaltene Protestbewegung auf die Beine gestellt. Und wurde für das große Engagement am Mittwoch belohnt: Immer mehr Menschen zieht es zum Treffpunkt Laurentiusplatz, jede Menge Eltern mit Kindern, aber auch jede Menge Leute, deren persönliche Familienplanung wohl  schon abgeschlossen sein dürfte,  sich aber trotzdem für den Erhalt der Geburtshilfe einsetzen.

Schon auf dem Platz ist es ein eindrucksvolles Bild: Jung und Alt, Privatpersonen und Politiker vereint im Protest. Viele Demonstranten tragen Plakate, auf denen „Denkt nicht nur ans Geld“ oder „Lasst die Störche nicht an Daun vorüberziehen“ zu lesen ist. Werner Klöckner, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Daun, spricht Vielen aus der Seele, als er sagt: „Ich bin zutiefst bewegt, was hier binnen weniger Tage entstanden ist.“ Vom großen Zuspruch ist auch Mitorganisatorin Karin Jaskowsky aus Bleckhausen überwältigt. „Vielen Menschen ist bewusst geworden, dass hier was passieren muss  und die Schließung der Station nicht einfach hingenommen werden darf.“ Ihre Mitstreiterin Nicole Steinle, Ehefrau eines der beiden ärztlichen Geburtshelfer in Daun, sagt nur: „Wahnsinn! Unglaublich, wie viele Leute das Thema bewegt. Sie sind wütend, haben Angst, fühlen sich hilflos, können aber heute zeigen, dass sie das nicht einfach hinnehmen.“

Der Protestzug macht sich auf in Richtung Krankenhaus, und in den engen Straßen der Dauner Innenstadt wird er noch imposanter. Die, die zuerst vor dem Krankenhaus angekommen sind, müssen sich etwas gedulden, denn es dauert einige Zeit, bis alle vor Ort sind.

Vor dem Krankenhaus gab es eine Kundgebung, in der die kirchliche Trägergesellschaft der Katharinenschwestern aufgefordert wird, die Entscheidung zu revidieren oder zumindest einen Aufschub zu gewähren, um mehr Zeit zu haben, über mögliche Alternativen zu prüfen. Für Ilse Spohr, Vorsitzende der Landfrauen, braucht der Kreis für seine Zukunftsaussichten eine Geburtshilfe. Im ländlichen Raum müssten andere Fallzahlen gelten als in der Stadt. Viel Beifall für sie. Den bekommt auch Alois Manstein, der Heinz-Peter Thiel vertritt. Der Landrat ist an diesem Tag in Berlin unterwegs, auch in Sache Geburtshilfe. Manstein schildert, wie er die Nachricht aufgefasst hat: „Sie hat uns echt den Boden weggezogen.“ Er kritisiert die Kurzfristigkeit: „Wie soll das geschafft werden, binnen sechs Wochen all die gravierenden Auswirkungen, die eine Schließung mit sich bringt, hinzukriegen?“ Er appelliert wie Josef Utters eindrücklich an den kirchlichen Träger, der eine Chance eröffen solle, „unsere Kinder in unserem Krankenhaus zur Welt kommen zu lassen.“

Krankenhaus-Geschäftsführer Franz-Josef Jax verwahrt sich gegen die Kritik am Träger, äußert als Privatmann großes Verständnis für all die Emotionen, die durch die Schließungsankündigung ausgelöst worden seien. Auch könne er privat die Forderungen der Demonstranten sofort unterschreiben, aber als Angestellter des Krankenhauses könne er keine Hoffnungen machen, dass sich an der Entscheidung etwas ändere. Da wird es erst erstmals laut, für die Ausführungen des Geschäftsführers gibt es viele Buh-Rufe.

Aber angesichts der beeindruckenden Zahl der Menschen, die für den Erhalt der Geburtshilfe demonstriert habe, haben wohl nur die wenigsten die Hoffnung schon aufgegeben. Dauns Stadtbürgermeister Martin Robrecht bringt es auf den Punkt: „Wir müssen den Druck aufrecht erhalten.“