Lavaabbau: Ein heißes Thema

Lavaabbau: Ein heißes Thema

Trotz Schneetreibens sind fast 500 Zuhörer zur Podiumsdiskussion zum Thema "Eifellandschaft oder Lavaabbau" ins Forum nach Daun gekommen. Einer langen, sachlichen Diskussion mit den Ministerinnen Ulrike Höfken und Eveline Lemke folgten viele emotionale Statements.

Daun/Gerolstein. Kurz bevor die Podiumsdiskussion zum Thema "Eifellandschaft oder Lavaabbau" des Trierischen Volksfreunds im Forum in Daun beginnt, hat Alois Girden alle Hände voll zu tun. Der Hausmeister des Forums steht im Saal Firmerich und ist damit beschäftigt, die Trennwände zu den beiden angrenzenden Sälen zu öffnen. Trotz Schneefalls sind am Montagabend fast 500 Zuhörer zur Podiumsdiskussion nach Daun gekommen.
Das Thema bewegt. Wie auf dem Podium sitzen auch im Publikum unterschiedliche Gruppen. Neben interessierten Bürgern sind dort Lokalpolitiker, Vertreter aus der Forstwirtschaft, der Gastronomie, der Tourismusbranche, Mitglieder von Naturschutzverbänden und Mitarbeiter der Steinbrüche zu finden.
Sachliche Debatte


Trotz des brisanten Themas bleibt die Diskussion sachlich. Die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Bündnis 90/Die Grünen), in ihrem Ressort sowohl für den Bergbau als auch für den Tourismus zuständig, gibt den Tenor des Abends vor. Es dürfe nicht "Eifellandschaft oder Lavaabbau", sondern es müsse "Eifellandschaft und Lavaabbau" heißen. "Die Vulkaneifel ohne Vulkane ist schlicht nicht vorstellbar. Das würde die Charakteristik einer ganzen Landschaft zerstören. Andererseits ist das Interesse der Wirtschaft an der Gewinnung von heimischen Rohstoffen legitim", sagt Lemke. Sie betont aber auch, dass der Tourismus im Landkreis Vulkaneifel jährlich durch über 300 000 Übernachtungsgäste und über 11 Millionen Tagesreisende rund 500 Millionen Euro Bruttoumsatz erziele, wohingegen der Lavaabbau lediglich 20 Millionen Euro Primärumsatz erwirtschafte. "Und den Tourismus wollen wir nicht gefährden", sagt Lemke.
Unter den Zuhörern ist die vorherrschende Meinung da eindeutiger: gegen eine Erweiterung des Gesteinsabbaus. Im Anschluss an die Podiumsdiskussion machen sich einige Besucher Luft und kritisieren Belastungen durch Lärm und Staub sowie das Verschwinden der Eifelvulkane. Brennendste Frage des Abends bleibt die mögliche Ausweitung der Vorrangflächen für den Rohstoffabbau im neuen Raumordnungsplan von bisher 400 auf 2000 Hektar, die das Landesamt für Geologie und Bergbau (LGB) vorgeschlagen hatte.
Während Podiumsteilnehmer Jörg Scherer, Geschäftsführer der Firma Scherer Baustoffe und Sprecher der Abbaubetriebe, nicht mit einer Ausweitung auf 2000 Hektar rechnet, kritisieren die Vertreter der Interessengemeinschaft (IG) Eifelvulkane und der Arbeitsgemeinschaft (AG) Dauner Naturschutzverbände die Vorgehensweise des LGB. Hartmut Schmidt von der IG fordert, künftig nur noch Vorrangflächen für den Gesteinsabbau auszuweisen, wenn für deren tatsächlichen Bedarf ein Nachweis erbracht werde. Auch Hans-Peter Felten von der AG kritisiert die Vorgehensweise, Flächen zu sichern, die nicht bestimmten Unternehmen zugeordnet sind. "Ich fordere Sie daher auf, sehr geehrte Frau Lemke: Beenden Sie die Unterordnung des Natur- und Landschaftsschutzes unter die Rohstoffsicherung!", sagt Felten.
Umweltministerin Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen) solle dafür zu sorgen, dass der Schutzstatus von Naturschutzgebieten nicht bei jeder Neuaufstellung eines Raumordnungsplans wackele.
Höfken entgegnet, dass das Umweltministerium die naturschutzfachliche Planung aktualisiert und damit den Naturwert der Vulkaneifel deutlich gemacht habe. "Auf dieser Grundlage erwarten wir qualitativ hochwertige Planungen in der Vulkaneifel", sagt Höfken. Lemke appelliert hingegen an die Mithilfe von Bürgern und Kommunen: "Ich bin sicher, dass es uns gemeinsam gelingt, die Planungsgemeinschaft zu überzeugen, im Raumordnungsplan das Richtige zu tun."
volksfreund.de/Video
Meinung

Eindeutige Botschaft
Ein prall gefülltes Forum mit fast 500 Gästen - trotz Schneetreibens, trotz politischen Themas und trotz Abendtermins unter der Woche: Allein die nackte Zahl zeigt, welche Brisanz im Thema Lava- und Basaltabbau steckt, wie sehr es die Menschen in der Vulkaneifel bewegt, und dass sie für den Erhalt ihrer einzigartigen Landschaft aufzustehen bereit sind. Das ist die wichtigste Botschaft des Abends. Und die dürften die beiden grünen Ministerinnen verstanden und mit nach Mainz genommen haben. Zusammen mit den bislang 6900 Unterschriften gegen die deutliche Erweiterung bestehender und vor allem die Schaffung neuer Gruben in der Vulkaneifel. Dass viele Bürger auch nach der mehrstündigen Runde nicht erleichtert von dannen zogen, da die Ministerinnen keine Versprechungen gemacht haben, ist nicht so wichtig. Denn das war nicht zu erwarten. Wichtig hingegen ist, am Ball zu bleiben, sich einzumischen, mit Planern, Politikern und Behördenvertretern im Gespräch zu bleiben und wenn nötig aufzubegehren. Und es ist vor allem wichtig, darauf zu drängen, dass Aspekte des Natur- und Landschaftsschutzes bei der künftigen Ausweisung von Rohstoffflächen nicht mehr wie bislang nur hübsche Garnitur sind, sondern mindestens das gleiche Gewicht erhalten wie wirtschaftliche Belange. Schließlich ist ein einmal abgegrabener Vulkanberg für immer verschwunden. Das gilt besonders vor dem Hintergrund, dass die Vulkaneifel als einzigartige Landschaft von überregionaler Bedeutung klassifiziert und somit besonders schützenswert ist. Und ein zweiter Umstand zeigt schon jetzt eindrucksvoll den vorgegebenen Weg auf: Schon heute machen die Umsätze im Bereich des Tourismus im Landkreis Vulkaneifel ein Vielfaches dessen aus, was durch Gesteinsabbau erwirtschaftet wird. Von dem Mehr an Arbeitsplätzen ganz zu schweigen. m.huebner@volksfreund.deExtra

"Ich fand das Forum sehr einseitig gegen den Rohstoffabbau gerichtet. Ich denke, man muss einen gesunden Kompromiss finden. Schließlich leben wir alle von Rohstoffen." "Ich habe eine Facharbeit über das Thema geschrieben und war sehr an den einzelnen Standpunkten interessiert. Mir waren sie jedoch teilweise zu radikal." "Bei der ganzen Diskussion sollte man fair bleiben. Ich bin dafür, dass die Berge erhalten bleiben sollten, aber nicht mit Polemik. Damit verliert man Leute wie mich." "Die Diskussion war interessant. Viele Beiträge aus dem Publikum waren aber unnötig. Man kann auf den Lavaabbau nicht verzichten. Er sollte aber ein gesundes Maß haben." fas

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