Lea Fleischmann, renommierte Expertin der deutsch-jüdischen Beziehungen, referierte in Daun.

Gedenken : „Du darfst nicht ununterbrochen aktiv sein“

Lea Fleischmann ist eine der renommiertesten Autorinnen und Expertinnen der deutsch-jüdischen und deutsch-israelischen Beziehungen. In der „Woche der kulturellen Begegnung“ hielt sie auf Einladung der Kreissparkasse (KSK) Vulkaneifel Vorträge an Schulen und sprach öffentlich.

Nein, was ein „Sonntagskleid“ ist, wissen Kinder und Jugendliche heute in Deutschland nicht mehr. „Woher auch?“, fragte Lea Fleischmann bei ihrem Vortrag in der KSK. Das Wort habe mit einer Tradition zu tun, die weitgehend verloren gegangen sei. Denn der Sonntag sei in Deutschland kein Feier- und Ruhetag mehr, sondern ein Freizeittag, bedauerte sie.

   „Schabbat – Sonntag - Ruhetag“ war Lea Fleischmanns Thema. Davon handelt auch eines ihrer zahlreichen Bücher. Auslöser sei eine Beobachtung in einem Stadtviertel Jerusalems gewesen, das an dem jüdischen Ruhetag autofrei sei, erzählt sie; dann herrsche dort eine ganz besondere Atmosphäre. In dem Wort „Schabbat“ stecke seit Tausenden von Jahren die Botschaft: „Du darfst nicht ununterbrochen aktiv sein“, betonte Lea Fleischmann bei ihrem Besuch in Daun.

Und erklärte, dass im Christentum der Sonntag dem Ruhetag entspreche, der im Judentum zwischen dem Sonnenuntergang am Freitagabend und dem Einbruch der Dunkelheit am folgenden Samstag eingehalten werden soll.  „Wir müssen wieder lernen, wie man in Ruhe lebt“, sagt die Schriftstellerin. Sie sei dankbar, bei den Schulprojekten und öffentlichen Veranstaltungen die Möglichkeit zu haben, Menschen aller Generationen über den Sonntag als Ruhetag zum Nachdenken zu bringen.

  Lea Fleischmanns bekanntestes Buch ist „Dies ist nicht mein Land. Eine Jüdin verlässt die Bundesrepublik“. Die 1947 in Ulm als Kind von Holocaust-Überlebenden geborene Jüdin hatte es 1979 geschrieben.

Hintergrund war, dass sie sich als junge Studienrätin mit den Verordnungen, Erlassen, Gesetzen und Anweisungen im Dritten Reich beschäftigt hatte und zu der Überzeugung gelangt war, dass sich so etwas wie der Naziterror gegen die Juden wiederholen könne. „Da wollte ich nicht mehr Teil der deutschen Gesellschaft sein“, begründete sie ihre damalige Entscheidung. Sie gab ihre Stelle auf, ging mit ihren beiden Kindern nach Jerusalem, nahm die israelische Staatsbürgerschaft an und gab die deutsche ab. Eine Staatsbürgerschaft könne man abgeben, eine Sprache nicht, räumte Lea Fleischmann mit Blick auf ihr Leben als deutschsprachige Schriftstellerin in Israel ein.

    Immer wieder ist sie auf Lesereise in Deutschland, spricht an Schulen und ist in der Lehrerfortbildung tätig. Im Januar 2019 war sie für ihre jahrzehntelangen Bemühungen um die deutsch-jüdischen und deutsch-israelischen Beziehungen mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden.

   Nur die Kenntnis der Geschichte und der Religionen führe zum Verstehen: So begründete es der Vorstandsvorsitzende Dietmar Pitzen, dass die KSK Vulkaneifel Lea Fleischmanns Vortragsreihe an den Realschulen plus in Gillenfeld, Daun, Hillesheim, Kelberg und Jünkerath unterstützte.

Und zudem im eigenen Haus einen öffentlichen Vortrag veranstaltete, der drei weitere Elemente hatte: die Aufführung von jüdischer Tanz- und Festmusik Osteuropas durch die von Doris Schmitten geleitete Klezmergruppe „Niealldoh“ aus dem Raum Insul (Verbandsgemeinde Adenau); die Übergabe einer 500-Euro-Spende der KSK an Matthias Hammer, der den vor mehr als drei Jahrzehnten ins Leben gerufenen deutsch-israelischen Jugendaustausch der Pfarrgemeinde St. Anna und des St. Matthias-Gymnasiums Gerolstein koordiniert; und den Hinweis auf die Broschüre „Gegen das Vergessen“ sowie die Überreichung eines Exemplars an die Autorin Lea Fleischmann durch Christa Karoli vom Verein „Forum Eine Welt“.

Mehr von Volksfreund