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Leader-Forum Eifel-Ardennen auf Burg Vogelsang steht für Kooperation

Ländlicher Raum : Zukunftsinitiative Eifel: Neue Ideen braucht das Land

Das Leader-Forum Eifel-Ardennen präsentiert geförderte Projekte und stellt die grenzenlose Kooperation der Leader-Regionen in Krisenzeiten heraus.

(now) Draußen auf dem Besucherparkplatz der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang türmen sich die Hinterlassenschaften der Flutkatastrophe: stinkende Müllberge, zehn bis zwanzig Meter hoch, Folge des Klimawandels, der auch die Urft in einen reißenden Strom verwandelt hatte.

Der Ort –  Gedenkstätte und Heimat einer Dauerausstellung über die Verbrechen der Nazis – ist eine Mahnung. Und die richtige Kulisse für das dritte, von der Zukunftsinitiative Eifel veranstaltete Leader-Forum, sagt Journalist Klaus Schäfer, der das Treffen moderiert. „Dass wir an dieser Stelle grenzüberschreitend und gemeinsam die Zukunft gestalten, ist für mich angesichts der Vergangenheit dieser Gebäude eine Genugtuung, denn genau das wollten die Erbauer nicht.“

Grenzen seien ein Kapitel der Vergangenheit, sagt Isabelle Weykmans, Kulturministerin der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. „Und doch mussten wir in der Pandemie wieder erleben, was es heißt, mit Grenzen zu leben.“ Umso wichtiger wäre das Ziel, die Dörfer der Großregion als Lebens- und Wirtschaftsort weiter zu entwickeln. „Starke Dörfer und aktive Bürgerinnen und Bürger – das ist es, was uns alle grenzüberschreitend verbindet“, sagt Weykmans.

Im Foyer des Kulturkinos stellen sich Lokale Aktionsgruppen (LAG) vor, eine Auswahl der Projekte, in die Fördergelder des europäischen Programms Leader geflossen sind. Erstmals sind auch Teilnehmer aus Luxemburg dabei, Aktionsgruppen aus Nordrhein-Westfalen, der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und Rheinland-Pfalz vertreten den Eifel-Ardennen-Raum.

Bei diesem „Markt der Möglichkeiten“ wird sichtbar, warum der rheinland-pfälzische Staatssekretär Andy Becht die seit 1991 laufende EU-Entwicklungsstrategie als  „Bewegung von unten“ bezeichnet: Aussteller, wie das Genossenschaftliche Gymnasium Speicher, das sich aus Spenden und Elternbeiträgen finanziert und Schülerstipendien anbietet, oder die Eifeler Initiative für Familien- und Elternbildung, konnten mit Fördergeld  ihre Vorhaben realisieren.

Andere Aktionsgruppen bewirtschaften Streuobstwiesen, erarbeiten Strategien für das Leben und Wohnen im Alter, die Dorfbewohner von Bleckhausen haben sich gemeinsam Hühner angeschafft. Die Landesaktionsgruppe Bitburg-Prüm mit  Ansprechpartner Herbert Zahnen hat zur Fachkräftesicherung das Projekt „Aus- und Weiterbildungsstätte Kläranlage“ angestoßen, die LAG Moselfranken stellt den barrierefreien Ausbau der Deutsch-Luxemburgischen Tourist- information vor.

„Es ist ein riesiger Spannungsbogen vorhanden, Leader ist für alles relevant“, sagt Andy Becht. „Das alles sind Beispiele für den Ideenreichtum der Zivilgesellschaft, für Impulse, die die Regionalversorgung und Zusammenarbeit über Grenzen hinaus verbessern.“ Ein Europa, wie man es sich wünsche, ergänzt Franz-Josef Strauß, Bechts Mitarbeiter im rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium, „und durchaus eine Probierwerkstatt, aus der gute Ideen landespolitisch integriert  worden sind“.

In ganz Rheinland-Pfalz gebe es 20 Leader-Regionen, sagen Becht und Strauß, die nicht an Kreisgebiete gebunden seien. Die Entscheidung, welche Konzepte Förderungen erhalten, treffe eine Jury aus Sozial- und Wirschaftspartnern.

Diese Gremien bleiben auch in Zukunft beschäftigt, die EU hat den Förderzeitraum für Leader-Projekte bis 2027 erweitert. „Die Herausforderungen an den ländlichen Raum werden größer, Klimaschutz und neue Formen des Miteinanders sind wichtige Zielsetzungen“, sagt Heinrich Bottermann, NRW-Staatssekretär.

Ob im kommenden Förderzeitraum angesichts der Flutkatastrophe besonders Projekte finanziert werden, die sich den Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben haben, sei kein Kriterium, sagt Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Eifel-Tourismus GmbH, die im Auftrag der Zukunftsinitiative bei der Organisation des Forums federführend ist. „Über die Ausrichtung entscheiden die Projektgruppen selbst.“

Das Leader-Förderprogramm sei als Katastrophen-Hilfe nicht geeignet, so Aloysius Söhngen, Bürgermeister der VG Prüm und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Eifel-Tourismus GmbH. „Dafür gibt es andere Töpfe. Es wäre aber durchaus positiv, wenn weitere Leader-Projekte entstehen, die auf Nachbarschaftshilfe in solchen Situationen ausgerichtet sind.“

Bernhard Jüngling, Erster Beigeordneter der VG Gerolstein und darüber hinaus als Fachbereichsleiter in der Verwaltung der von der Flutkatastrophe verheerend getroffenen VG Adenau für die dortige Leader-Geschäftsstelle zuständig, sagt: „Das Thema Hochwasserschutz wird in Projekten von Vereinen und weiteren Gruppen gewiss eine Rolle spielen – auch in der Vulkaneifel.“

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