Lebendige Chroniken

WELCHERATH/NÜRBURG. (bb) Die Senioren aus den Pfarrgemeinden Welcherath und Nürburg feierten das 20-jährige Bestehen des Seniorentreffs "Immer dabei sein". Dabei wurde auch ein Buch mit alten Liedern vorgestellt.

Rosa Steinen hält das neue Liederbuch in ihren Händen und singt: "Wahre Freundschaft" und "Von guten Mächten". 92 Jahre alt ist die Frau aus Welcherath, und seit genau 20 Jahren kommt sie immer am ersten Dienstag im Monat ins Pfarrheim. "Ich freue mich auf jedes Treffen", erklärt sie. "Hier fühle ich mich sehr wohl. Die Frauen, die uns betreuen, überraschen uns immer wieder mit ihrem Programm und ihren Ideen." Dabei hebt Rosa Steinen einen Kaffeebecher hoch; am Henkel baumelt eine kleine Grußkarte. "Die haben wir zum Jubiläum geschenkt bekommen", sagt sie. Martha Diederich aus Welcherath kommt ebenfalls seit 20 Jahren zum Seniorentreffen, allerdings vornehmlich als Helferin. Mehr noch: Sie war es, die 1983 gemeinsam mit Elfriede Schneider im Pfarrgemeinderat die Aufgabe übernahm, sich über ähnliche Angebote zu informieren und einen Seniorentreff zu gründen. Seitdem gibt es für die alten Menschen aus den sieben Dörfern der Pfarrgemeinden Welcherath und Nürburg das Treffen unter dem Motto "Immer dabei sein". Auch Elfriede Schneider aus Reimerath ist immer noch mit von der Partie - als Helferin gemeinsam mit Lisa Blick, Gertrud Daniels, Elisabeth Daun, Christine Diederich, Agnes Nett, Gertrud Retterath, Andrea Romes, Irmgard Schüller und Martina Simon.Kritische Töne vom Pastor

Zur Feier hatten etwa 50 Frauen und Männer ("Die sind immer in der Minderheit", bedauert das Team) zunächst eine Messe gefeiert. Pastor Klaus Kohnz dankte den Gründerinnen, den ehemaligen und aktiven Helferinnen und den Senioren. "Ich bin froh und dankbar für diese monatliche Einrichtung", sagte der Pastor und schlug auch kritische Töne an. "Geht es überhaupt weiter mit unserem Seniorentreff?", fragte er besorgt mit Blick auf die zurückgehenden Teilnehmerzahlen. In den beiden Pfarreien gebe es etwa 170 Leute über 65 Jahre. "Aber je mehr ältere Menschen es gibt, desto weniger sind es, die den Seniorentreff annehmen", stellte Kohnz fest. Im Gegenzug würden aber die Klagen über Vereinsamung auch in den Dörfern immer lauter. Dabei sei doch das Treffen in Welcherath Gelegenheit, sich zu begegnen, Erfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig Hilfestellung zu geben, sich zu entspannen und zu erholen. "Senioren sind die lebendigen Chroniken in unseren Dörfern", sagte Kohnz.