Lehrer aus Linz macht das Rennen

Lehrer aus Linz macht das Rennen

Die Unterburg Lissingen bekommt wohl einen neuen Eigentümer: Weder ein Vertrauter von Burgherr Karl Grommes noch der Besitzer der Oberburg hat das Höchstgebot bei der Zwangsversteigerung abgegeben. Das Rennen machte mit einem Gebot über 250 000 Euro ein in der Region Unbekannter: Horst-Günter Lipperson aus Linz am Rhein.

Daun/Gerolstein-Lissingen. Um 15.13 Uhr gestern war es im Amtsgericht Daun so weit: Rechtspfleger Norbert Haas verkündete den Schluss der Versteigerung der Unterburg Lissingen. Das höchste Gebot hatte Horst-Günter Lipperson abgegeben, der bis dato in der Region nicht in Erscheinung getreten ist. Der Gymnasiallehrer und Mittelalterfreund aus Linz am Rhein hatte zunächst 200 000 Euro geboten und, nachdem er überboten worden war, auf eine Viertelmillion Euro erhöht. Höchstgebot!
Direkt nach der Sitzung gab er sich relativ wortkarg. Dem TV sagte er nur: "Ich habe glasklare eigene Interessen." Mit dem Besitzer der Oberburg, Hans-Christian Engels, der entgegen seiner Ankündigung nicht mitgeboten hatte und nicht einmal anwesend war, habe er nichts zu tun. Und ja, er könne sich das leisten: "Und zwar sehr gut."
Lipperson wird somit höchstwahrscheinlich der neue Eigentümer der Unterburg Lissingen. In zwei Wochen wird in einer weiteren Sitzung entschieden, ob er auch den Zuschlag erhält. Noch-Burgherr Grommes kann die Burg nur dann noch behalten, wenn er bis dahin seine Rechnungen bei der Kreissparkasse (KSK) Vulkaneifel, der Hauptgläubigerin, begleicht und die Bank zudem das Verfahren einstellt. Danach sieht es derzeit aber nicht aus, da Grommes und die KSK Vulkaneifel seit längerer Zeit im Clinch liegen. Zur Zwangsversteigerung kam es, weil Grommes (72) der KSK nach eigenen Angaben 300 000 Euro und darüber hinaus dem Finanzamt Geld schuldet. Für hohes öffentliches Interesse bei der Verhandlung war also gesorgt. Eine Chronologie:

13.45 Uhr: Es herrscht bereits Betrieb im Verhandlungssaal im Amtsgericht Daun: Die Besucherreihen im hinteren Bereich füllen sich. An den Seiten sitzen sich Burgherr und Schuldner Karl Grommes und die Vertreter der KSK als Gläubigerin gegenüber. Grommes nutzt die Gelegenheit und lässt einen touristischen Flyer der Burg und ein gelbes Flugblatt verteilen. Darauf stellt er seine Sicht der Dinge bezüglich Burg und Zwangsversteigerung dar und geht mit der KSK als Gläubigerin hart ins Gericht.
13.55 Uhr: Amtsgerichtsdirektor Norbert Kreten lässt weitere Stühle reinbringen.
14.05 Uhr: Rechtspfleger Norbert Haas eröffnet die Sitzung und trägt lange Formalitäten und wichtige Informationen vor - unter anderem den Wert der Immobilien samt Grundstücken (40 000 Quadratmeter): 842 000 Euro.
14.26 Uhr: KSK-Vorstand Helmut Sicken kommt in den Sitzungssaal und nimmt als Zuschauer teil.
14.38 Uhr: Die Bieterstunde, die laut Gesetz auf 30 Minuten begrenzt ist, beginnt. Dann tut sich lange nichts. Eine Besucherin meint: "Hier wird ganz schön gepokert!"
14.55 Uhr: Endlich das erste Gebot: Lil Pfluke, Lebensgefährtin des ehemaligen Burgverwalters Peter Bartlick, bietet 50 000 Euro.
14.59 Uhr: Der erste Paukenschlag: Horst-Günter Lipperson bietet 200 000 Euro. Plötzlich herrscht erhöhter Gesprächsbedarf - vor der Tür. Mal geht Grommes mit Interessenten und Unterstützern vor die Tür, dann Interessenten mit dem KSK-Vertreter, dann der KSK-Mann mit seinem Chef Sicken.
15.07 Uhr: Schlussspurt: Kurz vor Ablauf der Zeit bietet Lil Pfluke erneut: 210 000 Euro. Später wird sie beteuern, nicht für Grommes geboten zu haben.
15.08 Uhr: Lipperson ruft sofort danach in den Saal das neue Gebot rein: "250 000 Euro." Haas wartet noch eine Weile, fordert zu weiteren Geboten auf und sagt dann das Obligatorische: "250 000 Euro zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten."
15.13 Uhr: Haas beendet die Versteigerung.Meinung

Hauptsache, Burg bleibt geöffnet
Die Unterburg Lissingen bekommt wohl einen neuen Eigentümer - und der darf sich über ein Schnäppchen und ein tolles Gemäuer freuen. Wahrscheinlich ist aber auch, dass Noch-Burgherr Grommes alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen wird, dies noch zu verhindern. Was aber vor allem zählt, ist: Die Burg muss für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben! m.huebner@volksfreund.de

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