Leidenschaft für Landschaft

Kunst : Künstler interpretieren Eifel-Landschaft

Werke von drei Malern aus der Eifel, die sich mit dem Thema Landschaft befassen, stellt die Galeristin Stefanie Mayer-Augarde in Daun aus. Die Ausstellung endet am 23. November.

Seit Stefanie Mayer-Augarde 2012 ihre Galerie gründete, zeigt sie zeitgenössische Kunst in Einzel- und Gruppenausstellungen. Etwa 40 Mal bis heute und seit zwei Jahren auf doppelter Fläche in dem schönen hohen Raum in der Burgfriedstraße 14. Auf Qualität und Reputation kommt es ihr an. Und sie setzt – wie in der aktuellen Schau mit Mario Reis, Hans Christian Rüngeler und Lydia Weber (Kurzbiografien siehe Info) – den Fokus auf ein Thema, Landschaft in diesem Fall.

Als „Leidenschaft für Landschaft“ bezeichnete die Kunsthistorikerin Christiane Häslein (Trier) bei der Vernissage den Motor aller drei Künstler. Betonte aber, dass komplett verschiedene Herangehensweisen und Ausdrucksformen sie auszeichnen.

So legt Mario Reis feinen, auf Keilrahmen gespannten Baumwollstoff im Wasser in Flüsse, in der Seine zuerst (1977), auch in der Fleuth Nähe Niederrhein (1982), weltweit im Laufe der Jahrzehnte, in den letzten Jahren in alle auch noch so schmalen Gewässer der Eifel, ob sie nun Enzenbach oder Rohrbach heißen. Das Geschehen im Wasser bildet sich auf der Leinwand ab, Pigmente, Pflanzen und Tiere wirken darauf ein, die Fließrichtung spielt eine Rolle. „Die ästhetische Wirkung lässt die technischen Gegebenheiten des Entstehungsprozesses schnell vergessen“, erklärte Christiane Häslein. „Es ist einzigartig, wie Mario Reis mit dem Medium Wasser arbeitet“, meinte Stefanie Mayer-Augarde. Neben den Naturaquarellen sind einige seiner Rosenbilder zu sehen. Dabei ist Rosensaft der Farbstoff, mit dem der Künstler Helligkeit, Dichte und Struktur auf der quadratischen Bildfläche entstehen lässt.

Auch Hans Christian Rüngelers Stil ist unverwechselbar. Er arbeitet gegenständlich, verfremdet aber seine Motive durch Zergliederung. Seine Landschaften wirken wie lichterfüllte Fenster. Was in der Galerie Augarde als „Landschaftsfries“ von ihm gezeigt wird, sind zwölf Einzelbilder (Monate), die in Jahreszeiten aufgeteilt sind. Der wandelbare „Landschaftsaltar“ hat sein Vorbild in den mittelalterlichen Altarbildern und ist von höchst meditativem Charakter. Jüngste Arbeiten wie „Wolken in den Bergen“ und „Abendklang“ (beide 2019) sind eindrucksvolle Beispiele für Rüngelers Darstellung des Himmels, transparent und vielfach überlagert gleichermaßen.

Lydia Weber nähert sich Landschaft künstlerisch, indem sie die Nahaufnahme von Details einer Vegetation verfremdet und kraftvoll in Szene setzt. In ihren Traumbildern gibt sie kleinen, alltäglichen Dingen auf abstrahierte Weise Raum. Sie arbeitet wie Reis und Rüngeler mit der Fläche. Ein Alleinstellungsmerkmal sind graphische Einkratzungen. Der Betrachter mag die Schrift lesen wollen, doch das geht nicht; die Zeilen scheinen auf dem Kopf zu stehen. „Vielleicht ein Hinweis, dass nicht alles lesbar ist und sein kann“, vermutete die Kunsthistorikerin Christiane Häslein. Sie bescheinigte den drei Künstlern eine starke Bindung an die Region. Und der künstlerischen Tradition der Eifel in ihnen eine überaus lebendige Fortsetzung.

Die Ausstellung mit dem Titel „Was ist und was sein kann – Landschaftspositionen“ ist bis Samstag, 23. November, zu sehen (Finissage um 15 Uhr). Die Galerie Augarde, Burgfriedstraße 14, in Daun ist dienstags bis freitags von 14.30 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 13.30 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Kontakt: Stefanie Mayer-Augarde, Telefon: 06592/957143 und 0171/6312714, E-Mail: kunstgalerieaugarde@gmail.com, Homepage: www.galerie-augarde.de.