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Leo Blum mit 77,5 Prozent wiedergewählt

Leo Blum mit 77,5 Prozent wiedergewählt

Leo Blum, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Daun, tritt seine sechste Amtszeit an. Er ist mit 77,5 Prozent wiedergewählt worden. Neun von 40 Delegierten stimmten gegen ihn. Zeichen dafür, dass der Streit zwischen Bauernverband und Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) auch in der Vulkaneifel existiert.

Daun. In großen Teilen bestätigt wurde der Vorstand des Kreisbauernverbands Daun von der Delegiertenversammlung für die nächsten fünf Jahre. Vor allem an der Spitze gab es keine Veränderungen. Und doch gab das Wahlergebnis Anlass zu Diskussionen. So sagte der mit 77,5 Prozent wiedergewählte Vorsitzende Leo Blum: "Natürlich hätte ich mir lieber 95 Prozent gewünscht, aber so ist das nun einmal, wenn man den Mund aufmacht und dem ein oder anderen auf den Fuß tritt." Damit spielte er an auf die Auseinandersetzungen zum Thema Milchpreis zwischen dem BDM und dem Bauernverband, in dessen Bezirk Rheinland-Nassaus er nach wie vor Präsident ist, weshalb er bereits zur Zielscheibe für so manch verbale Attacke wurde. Die Gegenstimmen machte er deshalb auch "ganz klar im Lager des BDM" aus. Er begrüßte jedoch, dass geheim gewählt wurde, damit die Gräben nicht noch tiefer werden. Dennoch gab sich Blum selbstbewusst: "Ich werde meine Linie weiter verfolgen."

Landwirt Heinz Esch aus Birgel wiederum gehört dem neuen Vorstand nicht mehr an, zudem reichte er seine Kündigung im Verband ein. Der Vorstand hatte ihm nahegelegt, nicht mehr zu kandidieren. Esch sagte: "Mir wurde zu große Nähe zum BDM angekreidet, dabei habe ich öfter als Moderator zwischen den Verbänden fungiert. Was hat das noch mit Demokratie zu tun?" Vorsitzender Blum reagierte mit den Worten: "Wenn ich in führender Funktion bin, dann muss ich die Interessen meines Verbandes vertreten und darf ihn nicht schlechtmachen. Das geht nicht."

Was alles möglich ist, bewies hingegen die Landjugend, die erstmals mit zwei Mitgliedern im Vorstand vertreten ist. Da die Satzung dies zuließ, beantragte Marco Weber aus Lissendorf, der aus Altersgründen nicht mehr für die Landjugend antreten konnte, eine Erweiterung des Vorstands. Neben seinem Nachfolger Markus Franzen aus Steineberg wurde auch Sebastian Reif aus Katzwinkel gewählt.

Josef Derstappen, Hauptgeschäftsführer des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, kam in seinem Referat zur Agrarpolitik der Zukunft zu dem Schluss, dass angesichts von Klimaveränderung und neuen Welthandelsvereinbarungen, eines größeren Europas mit mehr Ländern, die aufbegehrten, deutlich werde: "Auch künftig brauchen die Bauern ergänzende Unterstützung, und wir werden tagtäglich darum kämpfen müssen."

Extra

Der Vorstand des Kreisbauernverbands Daun

Vorsitzender Leo Blum (Niederbettingen). Stellvertreter sind Helmut Daun aus Hörscheid und Johann Hoffmann aus Kopp. Die weiteren Vorstandsmitglieder sind Reinhold Hahn aus Scheid, Wolfgang Keller aus Steffeln, Paul Jaax aus Winkel, Manfred Ant aus Nitz, Markus Franzen aus Steineberg, Josef Reuter aus Hillesheim, Andrea Rodermann aus Wiesbaum, Albert Bongarts aus Bongard, Laurenz Ehlen aus Scheuern sowie Sebastian Reif aus Katzwinkel.

Meinung

Denkzettel

Von Mario Hübner – Die Wiederwahl mit rund Dreiviertel der Stimmen ist ein Denkzettel für Leo Blum. Sie ist Folge der Gräben, die sich beim Thema Milchpreis zwischen dem Bauernverband und dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter aufgetan haben. Dabei hat sich gezeigt, dass Landwirtschaft und Politik ohnmächtig sind, was die Preisgestaltung angeht.

Alter und neuer Vorsitzender des Kreisbauernverbands Daun: Leo Blum. TV-Foto: Mario Hübner

Doch die Herausforderungen für die Landwirtschaft, auch in der Eifel, werden nicht geringer. Die Themen Klimawandel, Landschaftsschutz, Welternährung sind nur drei wichtige Beispiele, die zeigen: Nur wenn die Bauern mit einer Stimme sprechen und wieder zu einer ähnlich starken Lobby wie noch vor wenigen Jahren werden, haben sie eine Chance, ihre Ziele durchzusetzen. Daher ist das Wahlergebnis auch ein Auftrag zur Annäherung. m.huebner@volksfreund.de