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Leser sprechen über gute Momente im Corona-Jahr

Corona-Pandemie : Vulkaneifeler finden im Jahr 2020 viele Gründe zur Freude – trotz Pandemie

Eine Hiobsbotschaft folgte im Corona-Jahr der nächsten, doch auch in diesen schwierigen Zeiten gibt es Positives und Schönes zu erzählen. Unsere Leser aus der Vulkaneifel haben mal einen Blick auf ihre persönlichen Höhepunkte im Jahr 2020 geworfen.

Das Ehepaar Monika (72) und Alois (75) Kapell aus Kelberg hat die Pandemie-Lockdown-Zeit für ein schon länger geplantes Vorhaben genutzt. Seit Weihnachten 2018 besaßen der Schulleiter und die Lehrerin im Ruhestand eine elektrische Garteneisenbahn im Maßstab 1:22,5. Zunächst wurde sie in der Wohnung aufgebaut, wenn die Enkelkinder zu Besuch kamen.

„Erst als die Pandemie uns zwang, unseren Bewegungsradius einzuschränken, haben wir gemeinsam begonnen, das Projekt im Freien zu verwirklichen“, erzählen sie. Dazu mussten auf einer Fläche von zwei mal sieben Metern die Grasnarbe abgetragen und insgesamt 150 Mähkantensteine als Grenz- und Gleisbettsteine in Waage verlegt werden.

Zwei Schienenkreise von etwa 30 Metern gesamter Länge mit fünf Weichen bilden die Grundlage für den Zugverkehr, ein „Berg“ mit zwei Tunnelröhren und Einfahrten aus Holz sorgen für Abwechslung in der Streckenführung. „Da wir unsere ‚Quarantäne’ nicht verlassen wollten, haben wir im Internet kleine Kieselsteine für die Gleisböschungen geordert“, erinnern sich Kapells an einen Corona-bedingten Aspekt der Material­beschaffung.

Als der Lockdown beendet war, besorgten sie in Gärtnereien Sukkulenten und Polsterstauden, die nun der Garteneisenbahn ein natürliches und abwechslungsreiches Landschaftsbild verleihen. „Heute sind wir froh, dass wir die Ausgangsbeschränkungen für den Bau der Anlage genutzt haben“, erklärt das Ehepaar. Denn nun könnten sie vom Wohnzimmer aus die Züge verfolgen. Besonders am Abend entstehe eine besondere Atmosphäre - wenn Solarspots die Anlage anstrahlten, die Gebäude ins Licht rückten und ein beleuchteter Personenzug seine Runde drehe.

„Dieses nachhaltige Eisenbahnhobby hat uns während des gesamten Jahres beschäftigt und uns abwechslungsreiche Stunden beschert sowie dazu beigetragen, dass unsere positive Lebensgrundstimmung erhalten geblieben ist“, resümieren Monika und Alois Kapell.

Für die Psychologin und Krimiautorin Andrea Revers aus Leudersdorf war 2020 ein gutes Jahr mit vielen Highlights, neuen Erfahrungen und einem gewachsenen Bewusstsein für das, was wichtig ist. Da gab es die Buchpremiere von „Schlaf schön“ und die erste Lesung – „Corona-bedingt leider die bisher einzige“, bedauert die 59-Jährige.

Sie nennt als weitere Glücksmomente die Begegnungen mit Literaturinteressierten in einer digitalen Runde, tolle Rezensionen, die ersten Schritte in den sozialen Medien, Zoomkonferenzen, ihren Podcast und die Tatsache, dass inzwischen über 30 Kurzgeschichten online sind und es eine Plattsnackers-Edition in norddeutschen Dialekten gibt. Sie habe sich mal wieder neu mit dem Computer und neuen Medien auseinandersetzen und Kompetenz entwickeln dürfen – „und erlebe, dass da noch was geht“, staunt sie.

Andrea Revers’ Schwester hat sich im Sommer 2020 zur Arbeit an einem Fachbuch für ein halbes Jahr in die Eifel verzogen, direkt in ihre Nachbarschaft. „Das hat uns auch familiär bereichert und ein Stück näher gebracht“, betont sie. Und erzählt vom Anfang des Jahres erschienenen Buchprojekt mit ihrer Mutter. Darin sind Erinnerungen aufgeschrieben, und es ist reich bebildert.

„Meine Mutter ist ganz hingerissen davon, wie viele Menschen sich für ihr Leben interessieren und ihr Zuspruch schenken“, erklärt Andrea Revers mit Blick darauf, dass sie bis jetzt acht Mal weitere Exemplare in der Druckerei nachgeordert hat. Die Chorproben und Auftritte mit ihren „Zwerchfellas“ lägen zwar auf Eis. Doch habe sie mit einer Sängerkollegin an einem Theaterstück gearbeitet, eine Krimikomödie fürs Amateurtheater mit dem fröhlichen Titel „Mit Schirm, Charme und Rollator“.

Die Übersetzung ins Eifeler Platt sei im Gange, die Aufführung im September 2021 bei den Hillesheimer Krimitagen geplant. „Insgesamt fand ich das Jahr ruhiger, trotz der ganzen Highlights“, resümiert Andrea Revers. Und sagt: „Mein Mann und ich haben uns ein Stück mehr auf uns zurückgezogen, uns mehr Zeit zum Reden, Kuscheln, Kochen und für die Natur genommen. Ja, es war ein Geschenk!“

Norbert Stoldt aus Gerolstein-Oos hatte im Februar 2020 einige Wochen in Südafrika verbracht und dort als ehrenamtlicher Senior-Experte einer Stiftung der Deutschen Wirtschaft eine Schule mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen aus den Armenvierteln Sowetos beraten. Unmittelbar nach seiner Rückkehr begannen die Corona-Einschränkungen – „was die Erinnerungen an die Reise und meinen Einsatz umso wertvoller macht“, erklärt der 71-Jährige, der beruflich zuletzt als Referent für Auslandshilfe beim badischen DRK-Landesverband tätig war und vor drei Jahren mit seiner Ehefrau in die Vulkaneifel umsiedelte.

Als die Bäder geschlossen wurden, verlegten die passionierten Schwimmer ihren sportlichen Schwerpunkt auf das Erkunden der näheren Umgebung. Zudem lernte das Ehepaar Stoldt die Pflege des Gartens als gute Möglichkeit zu schätzen, draußen aktiv zu sein und gleichzeitig Menschenansammlungen zu meiden. Den Verzicht auf das geliebte Reisen kompensierten sie mit mehr Besuchen bei Tochter und Enkelsohn, mit Abstand natürlich.

Stoldt widmete sich wieder mehr seiner Briefmarkensammlung und der Digitalisierung alter Filme, und er pflegte seine Kontakte per Internet. „Die Erkenntnis, dass ein Corona-freies Leben ein Geschenk ist, macht demütig und lässt mich auch unter Lockdown-Bedingungen zufrieden sein mit dem Leben“, bringt Norbert Stoldt für sich die positive Seite der Pandemie auf den Punkt.

Yvonne Weber aus Mehren vergleicht sich beim Blick auf das Jahr 2020 mit dem Protagonisten des Märchens „Hans im Glück“, der alles losließ und dadurch befreit und glücklich wurde. „Es war ein Jahr, in dem im Außen vieles weggebrochen ist und in dem ich erkannt habe, dass ich mich an nichts klammern muss, da eh nichts beständig ist“, meint die 45-jährige Versicherungsfachfrau. Und betont: „Alles, was ich habe, ist ein Geschenk, eine Freude, aber nicht mein Besitz.“ Je ruhiger es in der Welt geworden sei, desto ruhiger sei es auch in ihr geworden, erzählt sie. Und erinnert sich an Jahre, in denen sie auf hohem Niveau gejammert habe.

Heute sei ihr Herz erfüllt von Dankbarkeit über all die kleinen Dinge, die sie täglich umgeben. Zwar sei nichts mehr selbstverständlich, und sie habe gelernt, nicht mehr zu planen, sondern einen Tag nach dem anderen zu leben. „Aber ich weiß Gesundheit und mein Leben noch einmal mehr wertzuschätzen, und mir wurde 2020 bewusst, wie reichlich beschenkt ich bin und es schon immer war.“

Die Grundschullehrerin Laura Welter (32) aus Gillenfeld antwortet auf die Frage nach dem Schönen in 2020: „Es war ein zeitreiches Jahr. Mit Zeit für mich, für uns als Familie, für unsere Heimat.“ Zwar habe sich im März von jetzt auf gleich alles verändert, und noch immer sei nichts mehr so wie gewohnt. Und doch könne sie sagen: „Es war für mich ein wirklich schönes Jahr“ und fragen: „Wann sonst hatte ich je so viel ungefüllte Zeit?“ Etwa die kindergartenfreie Zeit des dreijährigen Sohnes Ole – „dann hatten wir Zeit nur für uns, und das war Herzenszeit.“

Es habe Phasen der Stille gegeben – mit Zeit, um auf ihren eigenen Herzschlag und den in ihrem Bauch zu hören. Und dann, mittendrin, sei die Zeit für das größte Geschenk dieses Jahres gekommen, die Geburt der kleinen Marta, und daraufhin die Zeit zu viert. Nun neige sich ein zeitreiches Jahr dem Ende zu. Ja, es gebe Unsicherheit und Angst. Aber auch die Dankbarkeit für „so viel Zeit, gefüllt mit dem, was wirklich reich macht“.

Der zwölfjährige Silas Wagner aus Gunderath erinnert sich noch gut, dass „zum Glück“ während des ersten Lockdowns gutes Wetter war. So konnte er mit seinem kleinen Bruder viel Zeit draußen im Garten verbringen. An zwei Tagen, als ihr Vater den Rückschnitt von Schlehenhecken verbrannte, wurden in dem riesigen Gluthaufen Folienkartoffeln und Würstchen an selbst geschnitzten Stöcken gegrillt. Als das größte Highlight empfindet Silas die Teilnahme an der „Gnadenhochzeit“ seiner Urgroßeltern in der Pfalz.

Zwar habe ihr 70. Hochzeitstag nicht so gefeiert werden dürfen, wie es sich die Urgroßeltern ursprünglich vorgestellt hätten. „Aber die ganze Familie organisierte ein großes Gartenfest“, erzählt er. Und die fünf Urenkel fuhren in einem Oldtimer eine Runde durch die umliegenden Dörfer, wo ihnen die Menschen zuwinkten. Später gab es eine Wasserschlacht im Garten, bei der selbst die Uroma mitmachte und ihren Spaß hatte. „Dieser besondere Tag war ein Geschenk für mich“, erklärt Silas.