Leserbrief : Der König und seine Untertanen

Zur Landratswahl im Vulkaneifelkreis schreibt Till Habel-Thomé, Gerolstein:

Frei nach den Gebrüdern Grimm hat sich dieser Leser Gedanken zur Landratswahl im Vulkaneifelkreis gemacht:

Es war einmal ein König, der regierte  willfährig über sein Reich. Ihm zur Seite Minister, die zwar nicht  ihren Kopf zu nutzen verstanden, aber sich gerne im Glanz des Königs sonnten und auf weitere Gunst hofften.

Dem König gefiel es  von Zeit zu Zeit, entlegene Dörfchen und Städtchen  in sein Reich einzufügen. Er  versprach  den Hinzukommenden unendliche Reichtümer und bessere Wege.

Auch erlangte der König große Freude darin, allüberall im Lande Truhen aufzustellen, mit der allerhöchsten Ordre, dass die Untertanen ihre Reste von Küche und Tafel, was Ochs und Esel nicht mehr zu fressen mochten, artig in kleinen Eimern  in selbige Kisten  zu verbringen hätten.

Man tat  murrend wie geheißen, hätte man ansonsten den eignen oder Nachbars Garten doch elendiglich verschmutzet.  Dem Könige gefiel dies tolle Treiben sehr, vermochte er doch auf verschlungenen Pfaden Nutzen aus den  Truhen zu gewinnen.  Die Minister applaudierten heftig.

Nun geschah, dass eine große Pestilenz über das Königreich kam. Auch Regen  blieb in den Sommern  aus, die Quellen waren schaumig und faul.

Die Untertanen wussten, was in der Welt vor sich ging, sie wussten auch, dass sie, die Minister,  ihre Köpfe zum Denken zu tragen hätten, so sie denn würdig regieren wollten. 

Man eilte zum König und Fragen wurden vorgetragen, wie es denn um das Land bestellt sei. Man habe gehört, es gebe unweit  eine Königin, des Lesens, Schreibens und würdigen Zeichnens durchaus befähigt. Sie, die Königin, würde die Kunst des Zuhörens verstehen, sie sammle klug vorgetragene Ideen von denkenden Ministern , um  diese zu festen Fundamenten zu fügen.

Dem König  missfielen derlei Anliegen. „Dafür habe ich meine  Minister“,  soll er gerufen haben, dabei  ein fettes Hühnerbein wedelnd.

Es war aber  Sitte, dass Untertanen einen  Tag nutzen konnten, um sich des Königs gegenüber Gehör zu verschaffen. An jenem  Tage, von dem noch eine geraume Zeit berichtet wurde,  fegten sie ihn  aus seinem  Schlosse, dass es eine helle Freude war .

Die Minister fürchteten sich sehr. Sie zogen ihre Köpfe ein und versteckten sich in ihren Kammern.   Gift und  Geifer, Galle und Glibber flossen ihnen aus ihren Mundwinkeln dass es gereicht hätte, die Warzen im ganzen Lande zu verbrennen. 

„Sie ist  eine Frau“, sollen sie aus ihren Löchern gezischt haben, „Sie muss erst mal liefern“, „Sie muss uns entgegenkommen“,  vernahm man aus ihren verschlossenen Häusern. „Sie ist nur da wegen der Truhen“, meinte mancher, der später seinen Namen lieber vergessen hätte.

Die Untertanen wussten aber sehr wohl, dass es ein Ende haben könne auch mit  Ministern. Dass man  solche, die lieber zischeln als denken, lieber geifern als planen, dass man all diese ebenfalls mit Schimpf und Schande aus dem Land fegen werde, wenn die Zeiten kämen.

Till Habel-Thomé, Gerolstein